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Heileurythmisten-Tätigkeit als Beruf i.S.v. § 18 Abs. 1 Nr. 1 S. 2 EStG

BFH v. 20.11.2018 - VIII R 26/15

Der Ab­schluss ei­nes In­te­grier­ten Ver­sor­gungs­ver­trags nach §§ 140a ff. SGB V (sog. IV-Verträge) zwi­schen dem Be­rufs­ver­band der Hei­leu­ryth­mis­ten und ei­ner ge­setz­li­chen Kran­ken­kasse stellt ein aus­rei­chen­des In­diz für das Vor­lie­gen ei­ner dem Ka­ta­log­be­ruf des Kran­ken­gym­nas­ten/Phy­sio­the­ra­peu­ten ähn­li­chen Aus­bil­dung und Tätig­keit i.S.d. § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG dar. Eine wei­ter­ge­hende Prüfung der Ver­gleich­bar­keit der Aus­bil­dung und Tätig­keit des Hei­leu­ryth­mis­ten mit der ei­nes Kran­ken­gym­nas­ten/Phy­sio­the­ra­peu­ten ist auf­grund der in­di­zi­el­len Wir­kung der Teil­nah­me­be­rech­ti­gung an den Leis­tun­gen der sog. IV-Verträge nicht er­for­der­lich.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin be­sitzt nach vierjähri­ger Aus­bil­dung in der an­thro­po­so­phi­schen Tanz­kunst "Eu­ryth­mie" das Di­plom für Eu­ryth­mie des In­sti­tuts für Wal­dorfpädago­gik. Die Kläge­rin war Mit­glied des Be­rufs­ver­ban­des Hei­leu­ryth­mie e.V. (Be­rufs­ver­band). Nach der Sat­zung des Be­rufs­ver­bands konnte nur Mit­glied wer­den, wer ein Ab­schluss­zeug­nis für Eu­ryth­mie und Hei­leu­ryth­mie/Eu­ryth­mie The­ra­pie und nach den Richt­li­nien des Be­rufs­ver­ban­des eine Be­rufs­qua­li­fi­ka­tion er­wor­ben hatte. We­der die Kläge­rin noch ihr Be­rufs­ver­band wur­den nach § 124 Abs. 2 SGB V von den Lan­des­verbänden der Kran­ken­kas­sen und den Er­satz­kas­sen zu­ge­las­sen.

An­fang 2006 schlos­sen meh­rere ge­setz­li­che Kran­ken­kas­sen (ins­ge­samt zwölf) mit den Be­rufs­verbänden der an­thro­po­so­phi­schen Heil­kunst Verträge zur Durchführung In­te­grier­ter Ver­sor­gung mit An­thro­po­so­phi­scher Me­di­zin auf der Grund­lage der §§ 140a ff. SGB V (sog. IV-Verträge). Der Be­rufs­ver­band der Kläge­rin war ei­ner der Ver­trags­part­ner. Auf der Grund­lage die­ser IV-Verträge über­nah­men die teil­neh­men­den ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen die Kos­ten für ärzt­lich ver­ord­nete und durch an­er­kannte The­ra­peu­ten er­brachte Leis­tun­gen der Hei­leu­ryth­mie als Heil­mit­tel in­ner­halb der ge­setz­lich an­er­kann­ten be­son­de­ren The­ra­pie­rich­tung der An­thro­po­so­phi­schen Me­di­zin (vgl. § 2 Abs. 1 Satz 2 SGB V) nach den ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Gebührensätzen.

Die Kläge­rin gab im Streit­jahr 2011 keine Ge­wer­be­steu­er­erklärung für die im Rah­men ih­rer Tätig­keit als Hei­leu­ryth­mis­tin er­ziel­ten Ein­nah­men ab. Das Fi­nanz­amt schätzte dar­auf­hin den Steu­er­mess­be­trag i.H.v. 640 €. Das FG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab. Auf die Re­vi­sion der Kläge­rin hob der BFH das Ur­teil auf und gab der Klage statt.

Gründe:
Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des FG ist die Tätig­keit der Kläge­rin als frei­be­ruf­lich zu qua­li­fi­zie­ren. Sie er­zielte ein­kom­men­steu­er­recht­lich Einkünfte gem. § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG, da die von ihr ausgeübte Tätig­keit als Hei­leu­ryth­mis­tin dem Ka­ta­log­be­ruf des Kran­ken­gym­nas­ten/Phy­sio­the­ra­peu­ten ähn­lich ist. Da­nach un­terhält sie kei­nen Ge­wer­be­be­trieb i.S.d. § 2 Abs. 1 GewStG.

Zwar ist die Aus­bil­dung zum Hei­leu­ryth­mis­ten staat­lich nicht ge­re­gelt. Der Ab­schluss ei­nes In­te­grier­ten Ver­sor­gungs­ver­trags nach §§ 140a ff. SGB V (sog. IV-Verträge) zwi­schen dem Be­rufs­ver­band der Hei­leu­ryth­mis­ten und ei­ner ge­setz­li­chen Kran­ken­kasse stellt al­ler­dings ein aus­rei­chen­des In­diz für das Vor­lie­gen ei­ner dem Ka­ta­log­be­ruf des Kran­ken­gym­nas­ten/Phy­sio­the­ra­peu­ten ähn­li­chen Aus­bil­dung und Tätig­keit i.S.d. § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG dar. Eine wei­ter­ge­hende Prüfung der Ver­gleich­bar­keit der Aus­bil­dung und Tätig­keit des Hei­leu­ryth­mis­ten mit der ei­nes Kran­ken­gym­nas­ten/Phy­sio­the­ra­peu­ten ist auf­grund der in­di­zi­el­len Wir­kung der Teil­nah­me­be­rech­ti­gung an den Leis­tun­gen der sog. IV-Verträge nicht er­for­der­lich.

Im vor­lie­gen­den Fall sind die Ausführun­gen des BFH im Ur­teil vom 26.7.2017, Az.: XI R 3/15 (BFHE 259, 150, BStBl II 2018, 793) zum Nach­weis der be­ruf­li­chen Qua­li­fi­ka­tion bei der Er­brin­gung von Heil­be­hand­lun­gen durch einen Hei­leu­ryth­mis­ten auf der Grund­lage von In­te­grier­ten Ver­sor­gungs­verträgen nach den §§ 140a ff. SGB V, die zur Steu­er­frei­heit nach § 4 Nr. 14 UStG führen, auf die Aus­le­gung des § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG über­trag­bar, da we­der auf eine Ent­las­tung der So­zi­al­ver­si­che­rungsträger ab­ge­stellt wird, noch die uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben zu § 4 Nr. 14 UStG den von der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Aus­le­gungs­grundsätzen zu § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG wi­der­spre­chen.

Link­hin­weis:

 

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