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Rechtsberatung

Ausweitung der Transparenzpflichten wegen geänderter Verwaltungsauffassung des BVA

Seit dem 1.10.2017 sind ju­ris­ti­sche Per­so­nen des Pri­vat­rechts und ein­ge­tra­gene Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten gemäß den Trans­pa­renz­vor­schrif­ten des §§ 19 ff. Geldwäsche­ge­setz (GwG) grundsätz­lich ver­pflich­tet, die er­for­der­li­chen An­ga­ben über ihre je­wei­li­gen wirt­schaft­li­chen Be­rech­tig­ten dem (elek­tro­ni­sch geführ­ten) Trans­pa­renz­re­gis­ter mit­zu­tei­len.

Die Mit­tei­lungs­pflicht gilt nach der Fik­tion in § 20 Abs. 2 GwG als erfüllt, wenn sich die An­ga­ben u. a. aus dem elek­tro­ni­sch ab­ruf­ba­ren Han­dels-, Part­ner­schafts-, Ge­nos­sen­schafts-, Ver­eins- oder Un­ter­neh­mens­re­gis­ter er­ge­ben. Diese ge­setz­li­chen Trans­pa­renz­vor­schrif­ten sind durch die GwG-No­velle zum 1.1.2020 durch Ände­rung und Einführung von neuen Vor­schrif­ten ver­schärft wor­den.

Seit Einführung der Mit­tei­lungs­pflich­ten zum Trans­pa­renz­re­gis­ter veröff­ent­licht das Bun­des­ver­wal­tungs­amt (BVA) als zuständige Auf­sichts­behörde – in un­re­gelmäßigen Abständen – Rechts­hin­weise zu sei­ner Ver­wal­tungs­auf­fas­sung zur An­wen­dung der ge­setz­li­chen Trans­pa­renz­pflich­ten auf sei­ner Web­site www.bva.bund.de un­ter der Ru­brik „Trans­pa­renz­re­gis­ter“. Die Rechts­hin­weise sind als Fra­gen und Ant­wor­ten zum Trans­pa­renz­re­gis­ter (FAQ) ge­stal­tet, die vom BVA lau­fend ergänzt und geändert wer­den.

Seit 2019 ha­ben die Ände­run­gen der Ver­wal­tungs­auf­fas­sung des BVA in ver­schie­de­ner Hin­sicht zu ei­ner Aus­wei­tung der Mel­de­pflich­ten zum Trans­pa­renz­re­gis­ter geführt, und zwar insb. durch die FAQ i. d. F. vom 1.10.2019 für Kom­man­dit­ge­sell­schaf­ten (KGs; siehe no­vus No­vem­ber 2019, S. 24). Darin wurde vom BVA der An­wen­dungs­be­reich der Mit­tei­lungs­fik­tion gemäß § 20 Abs. 2 S. 1 GwG für KGs stark ein­ge­schränkt, so­dass diese die Mit­tei­lungs­fik­tion nur noch in be­son­ders ge­la­ger­ten Aus­nah­me­kon­stel­la­tio­nen in An­spruch neh­men können.

Seit In­kraft­tre­ten der GwG-No­velle zum 1.1.2020 hat das BVA be­reits drei­mal die FAQ ak­tua­li­siert, und zwar zum 3.1.2020, zum 20.2.2020 und zu­letzt zum 19.8.2020, wo­bei insb. die Ände­run­gen der Ver­wal­tungs­auf­fas­sung des BVA in den FAQ i. d. F. vom 19.8.2020 er­heb­li­che prak­ti­sche Aus­wir­kun­gen ha­ben dürf­ten.

Die FAQ i. d. F. vom 19.8.2020 ent­hal­ten nämlich insb. eine er­heb­li­chen Aus­wei­tung des Be­griffs der Kon­trolle gemäß § 3 Abs. 2 S. 2 bis 4 GwG über die Fälle der ak­ti­ven Steue­rungsmöglich­keit (§ 290 HGB; Stimm­rechts­mehr­heit, Recht zur Be­stim­mung der Mehr­heit der Mit­glie­der der Ge­sell­schafts­or­gane, Be­herr­schungs­ver­trag und Zweck­ge­sell­schaft) hin­aus auch auf Fälle ei­ner le­dig­lich pas­si­ven Steue­rungsmöglich­keit. Da­bei reicht ein fak­ti­sches Ve­to­recht als Ge­sell­schaf­ter - z. B. in­folge des Er­for­der­nis­ses der Be­tei­li­gung des be­tref­fen­den Ge­sell­schaf­ters an Ge­sell­schaf­ter­be­schlüssen auf­grund von Mehr­heits­er­for­der­nis­sen in der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung, auf­grund des Hal­tens ei­ner Sperr­mi­no­rität oder be­reits auf­grund des er­for­der­li­chen Quo­rums für die Be­schlussfähig­keit - für eine Kon­trolle aus. Fer­ner wurde klar­ge­stellt, dass Kon­trolle auch durch die Kom­bi­na­tion von Ka­pi­tal­an­tei­len und Stimm­rech­ten be­ste­hen kann. Diese Ände­rung der Ver­wal­tungs­auf­fas­sung des BVA zum Kon­troll­be­griff führt zu ei­ner deut­li­chen Aus­wei­tung der Qua­li­fi­zie­rung von natürli­chen Per­so­nen als wirt­schaft­lich Be­rech­tigte von in Deutsch­land re­gis­ter­ein­ge­tra­ge­nen Un­ter­neh­men bei ein- und auch mehr­stu­fi­gen Be­tei­li­gungs­struk­tu­ren.

Da­mit ein­her geht die Klar­stel­lung, dass für die wirt­schaft­li­che Be­rech­ti­gung bei Stif­tun­gen nicht nur ak­tive, son­dern auch pas­sive Ein­flussmöglich­kei­ten genügen, was bei Stif­tun­gen zu ei­ner Aus­wei­tung der Stel­lung der wirt­schaft­lich Be­rech­tig­ten auf Ebene der Stif­ter und bei Toch­ter­ge­sell­schaf­ten von Stif­tun­gen auf Ebene des Stif­tungs­vor­stands führt.

Darüber hin­aus ent­hal­ten die FAQ i. d. F. vom 19.8.2020 noch wei­tere Klar­stel­lun­gen zu Ein­zel­fra­gen, wie z. B. die Nicht­berück­sich­ti­gung ei­ge­ner An­teile ei­ner Ge­sell­schaft bei der Er­mitt­lung der Ka­pi­tal­an­teile der Ge­sell­schaf­ter.

Hinweis

Die Mel­de­pflich­ten für das Trans­pa­renz­re­gis­ter (ein­schließlich de­ren lau­fen­der Überprüfung und Ak­tua­li­sie­rung) soll­ten auf der Com­pli­ance-Agenda al­ler re­gis­ter­ein­ge­tra­ge­nen Un­ter­neh­men und Stif­tun­gen in Deutsch­land ste­hen. Com­pli­ance-Ver­ant­wort­li­che soll­ten insb. mit Blick auf die Aus­wei­tung der Trans­pa­renz­pflich­ten we­gen der geänder­ten Ver­wal­tungs­auf­fas­sung des BVA die Ein­hal­tung der Trans­pa­renz­pflich­ten nach dem GwG bei ih­rem Un­ter­neh­men bzw. ih­rer Un­ter­neh­mens­gruppe überprüfen und die Mit­tei­lun­gen zum Trans­pa­renz­re­gis­ter ggf. an­pas­sen.

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