de en
Nexia Ebner Stolz

Rechtsberatung

Mitarbeiterbeteiligungen als Liquiditätsspritze für krisengebeutelte Unternehmen

Das größte Konjunkturpaket in der Geschichte der Bundesrepublik sieht Verbesserungen für Mitarbeiterbeteiligungen vor. Gerade in der Corona-Krise können Mitarbeiterbeteiligungsmodelle helfen, die Liquidität eines Unternehmens zu sichern.

Der­zeit ist noch unklar, wie die Ver­bes­se­run­gen umge­setzt wer­den sol­len. Der Bun­des­ver­band Deut­sche Star­tups in Ber­lin hat am 22.6.2020 Maß­nah­men vor­ge­schla­gen, die auch für mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men die Attrak­ti­vi­tät von Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gungs­mo­del­len stei­gern könn­ten. Bis­lang sch­re­cken admi­ni­s­t­ra­ti­ver Auf­wand, Kos­ten sowie recht­li­che und steu­er­li­che Rah­men­be­din­gun­gen viele Unter­neh­men und Star­tups von einer Kapi­tal­be­tei­li­gung der Beschäf­tig­ten ab. Vor allem bei den gän­gi­gen Rechts­for­men der GmbH oder UG kön­nen nach der­zei­ti­gem Recht keine effi­zi­en­ten und kos­ten­güns­ti­gen Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung­s­pro­gramme auf­ge­legt wer­den, die ent­sp­re­chend inter­na­tio­na­ler Stan­dards auf die Gewäh­rung ech­ter Unter­neh­men­s­an­teile aus­ge­rich­tet sind. Dies führt in der Pra­xis immer wie­der zu auf­wen­di­gen, kom­ple­xen und kos­ten­in­ten­si­ven juris­ti­schen Kon­struk­tio­nen.

Weni­ger Büro­k­ra­tie und Kos­ten durch ver­ein­fach­tes Gesell­schafts­recht

Des­halb schlägt der Bun­des­ver­band Deut­sche Star­tups nach einer Befra­gung von 1.900 Teil­neh­mern unter ande­rem Ver­ein­fa­chun­gen im Gesell­schafts­recht vor. Gefor­dert wird, eine eigene Anteils­klasse im GmbH-Recht zu schaf­fen, die spe­zi­fisch auf die Bedürf­nisse von Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung­s­pro­gram­men zuge­schnit­ten ist. Wäh­rend bis­her bei­spiels­weise eine nota­ri­elle Beur­kun­dung not­wen­dig ist, sol­len Unter­neh­men die Anteile künf­tig kos­ten­güns­tig, sch­nell, ein­fach und digi­tal über­tra­gen kön­nen. Infor­ma­ti­ons- und Betei­li­gungs­rechte sol­len sich pri­mär auf die ver­mö­gens­mä­ß­ige Betei­li­gung beschrän­ken.

Attrak­ti­vere steu­er­li­che Rah­men­be­din­gun­gen

Die Star­tup-Ver­t­re­ter for­dern außer­dem eine im inter­na­tio­na­len Ver­g­leich fai­rere Besteue­rung. So ist der geld­werte Vor­teil einer Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung bis­lang bereits zu ver­steu­ern, bevor dem Beschäf­tig­ten liquide Mit­tel zuf­lie­ßen. Statt­des­sen soll durch eine nach­ge­la­gerte Besteue­rung die Steu­er­last auf den Zeit­punkt der Rück­gabe oder den Ver­kauf der Betei­li­gun­gen ver­scho­ben wer­den. Da es sich nicht um Arbeits­lohn, son­dern Erlöse aus Geschäft­s­an­tei­len han­delt, sol­len für die geld­wer­ten Vor­teile aus Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung­s­pro­gram­men nicht die Ein­kom­men­steu­er­sätze gel­ten, son­dern sie sol­len ein­heit­lich als Kapi­ta­l­er­träge ver­steu­ert wer­den. Dar­über hin­aus emp­fiehlt die Grün­der­szene Frei­be­träge, wenn Mit­ar­bei­ter Erlöse aus Betei­li­gung­s­pro­gram­men in deut­sche Star­tups rein­ves­tie­ren.

Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gun­gen als Sofort­hilfe bei Liqui­di­täts­kri­sen

In der Corona-Krise kann die Kapi­tal­be­tei­li­gung der Arbeit­neh­mer hel­fen, Liqui­di­tät zu sichern. Wenn Auf­träge abrupt weg­b­re­chen und der Umsatz sch­milzt, bedin­gen Per­so­nal­kos­ten oft den größ­ten Teil des Liqui­di­täts­ab­flus­ses. Abhilfe schafft, wenn Arbeit­ge­ber Teile des Gehalts oder Son­der­zah­lun­gen in ange­mes­se­nem Umfang zeit­weise nicht aus­zah­len, son­dern diese als Kapi­ta­l­ein­lage der Mit­ar­bei­ter im Unter­neh­men ver­b­lei­ben. So schla­gen Mit­tel­ständ­ler gleich meh­rere Flie­gen mit einer Klappe, weil sie zug­leich auch das Eigen­ka­pi­tal des Unter­neh­mens erhöhen. Die Beleg­schaft pro­fi­tiert direkt am spä­te­ren Wie­der­auf­schwung und das gerade jetzt not­wen­dige Wir-Gefühl und der Zusam­men­halt wer­den gestärkt. Aller­dings wirkt auch hier bis­lang die Besteue­rung als Hemm­schuh, weil die Mit­ar­bei­ter für nicht aus­ge­zahl­tes Gehalt Ein­kom­men­steuer und Sozial­ab­ga­ben entrich­ten müs­sen.

Hin­weis

Die Bun­des­re­gie­rung will die Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gung attrak­ti­ver gestal­ten. Das soll­ten Unter­neh­men zum Anlass neh­men, sich mit den Chan­cen und Risi­ken die­ses Instru­ments zu beschäf­ti­gen. Es ist zu erwar­ten, dass der Gesetz­ge­ber einige For­de­run­gen der Grün­der­szene auf­g­reift und auch für den Mit­tel­stand die recht­li­chen und steu­er­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ver­bes­sert.

nach oben