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Steuerberatung

Mietkosten nach Beendigung der doppelten Haushaltsführung

FG Münster v. 12.6.2019 - 7 K 57/18 E

Die Miete für eine ursprünglich für eine doppelte Haushaltsführung genutzte Wohnung kann nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses für die Dauer einer neuen Arbeitsplatzsuche als vorweggenommene Werbungskosten abgezogen werden.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger ging einer Beschäf­ti­gung in Ber­lin nach, hatte sei­nen Lebens­mit­tel­punkt aber wei­ter­hin unst­rei­tig in Nord­r­hein-West­fa­len. Nach Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses durch den Arbeit­ge­ber zum 31.8.2015 behielt der Klä­ger seine Woh­nung in Ber­lin bei und bewarb sich in der Fol­ge­zeit auf eine Viel­zahl von Arbeits­plät­zen im gesam­ten Bun­des­ge­biet, von denen drei in Ber­lin und Umge­bung lagen. Nach Zusage einer Stelle in Hes­sen zum 1.1.2016 kün­digte der Klä­ger die Miet­woh­nung in Ber­lin frist­ge­recht zum 29.2.2016.

Das Finanz­amt erkannte die Miet­kos­ten für die Woh­nung in Ber­lin nur bis zum Ende der miet­ver­trag­li­chen Kün­di­gungs­frist der Woh­nung damit bis ein­sch­ließ­lich Novem­ber 2015 an. Der Klä­ger begehrte dem­ge­gen­über einen Wer­bungs­kos­ten­ab­zug auch für die Dezem­ber­miete i.H.v. rd. 240 €.

Das FG gab der Klage statt. Die Revi­sion zum BFH wurde zuge­las­sen.

Die Gründe:
Die mit der Klage gel­tend gemach­ten zusätz­li­chen Auf­wen­dun­gen in Bezug auf die Woh­nung in Ber­lin stel­len Wer­bungs­kos­ten dar.

Gem. § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG sind Wer­bungs­kos­ten Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung, Siche­rung und Erhal­tung der Ein­nah­men. Wer­bungs­kos­ten sind auch not­wen­dige Mehr­auf­wen­dun­gen, die einem Arbeit­neh­mer wegen einer beruf­lich ver­an­lass­ten dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung ent­ste­hen. Eine dop­pelte Haus­halts­füh­rung liegt vor, wenn der Arbeit­neh­mer außer­halb des Ortes sei­ner ers­ten Tätig­keits­stätte einen eige­nen Haus­stand unter­hält und auch am Ort der ers­ten Tätig­keits­stätte wohnt (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Sätze 1 und 2 EStG).

Vor­lie­gend ist die Miete für den Monat Dezem­ber 2015 zwar nicht mehr durch die dop­pelte Haus­halts­füh­rung ver­an­lasst. Bei den Auf­wen­dun­gen han­delt es sich jedoch um vor­weg­ge­nom­mene Wer­bungs­kos­ten, denn es ist ein hin­rei­chend kon­k­re­ter Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang mit spä­te­ren Ein­nah­men erkenn­bar. Der Klä­ger hat sich wei­ter­hin auf Arbeits­s­tel­len in Ber­lin und Umge­bung bewor­ben und die Woh­nung unmit­tel­bar nach Zusage einer neuen Arbeits­s­telle an einem ande­ren Ort gekün­digt. Aus die­sem Grund wird die mög­li­che pri­vate Nut­zung der Woh­nung, etwa für mög­li­che Wochen­end­be­su­che, über­la­gert. Zu berück­sich­ti­gen ist auch, dass eine vor­zei­tige Kün­di­gung und eine etwaige Neu­an­mie­tung einer ande­ren Woh­nung für den Klä­ger teu­rer gewe­sen wären als die Bei­be­hal­tung der ver­hält­nis­mä­ßig güns­ti­gen Woh­nung.

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