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Kein Werbungskostenabzug bei Auslandsstudium ohne inländischen Hausstand

FG Münster 24.1.2018, 7 K 1007/17 E

Eine an einer deutschen Hochschule eingeschriebene Studentin kann für Zeiträume von Auslandssemestern und Auslandspraktika keine Aufwendungen für die dortige Unterkunft und Verpflegung geltend machen, wenn sie im Inland keinen eigenen Hausstand unterhält.

Der Sach­ver­halt:
Die Klä­ge­rin absol­vierte nach einer vor­an­ge­gan­ge­nen ande­ren Aus­bil­dung einen Bache­lor­stu­di­en­gang und in des­sen Rah­men zwei Aus­lands- und ein Aus­lands­pra­xis­se­mes­ter. Wäh­rend der Aus­lands­au­f­ent­halte blieb sie an ihrer inlän­di­schen FH ein­ge­schrie­ben und besuchte ein­mal pro Monat ihre Eltern. In ihrer Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung machte die Klä­ge­rin die Auf­wen­dun­gen für Woh­nung und Verpf­le­gung wäh­rend der Aus­lands­au­f­ent­halte als Wer­bungs­kos­ten gel­tend. Das Finanz­amt erkannte den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug nicht an.

Das FG wies die hier­ge­gen gerich­tete Klage ab. Die Revi­sion zum BFH wurde wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung der Streit­frage zuge­las­sen.

Die Gründe:
Das Finanz­amt hat den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug zu Recht nicht aner­kannt.

Nach Abschluss einer Ers­t­aus­bil­dung kön­nen zwar Auf­wen­dun­gen für eine zweite Aus­bil­dung (Berufs­aus­bil­dung oder Stu­dium) grund­sätz­lich als Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den. Vor­aus­set­zung für den Abzug der Woh­nungs­kos­ten sowie der Verpf­le­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen in Bezug auf die Aus­lands­au­f­ent­halte der Klä­ge­rin ist vor­lie­gend aber, dass die Vor­aus­set­zun­gen einer dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung vor­lie­gen.

Dies wäre der Fall, wenn die Klä­ge­rin außer­halb des Ortes ihrer ers­ten Tätig­keits­stätte einen eige­nen Haus­stand unter­hal­ten und auch am Ort der ers­ten Tätig­keits­stätte gewohnt hätte. Die erste Tätig­keits­stätte der Klä­ge­rin lag wäh­rend der Auf­ent­halte im Aus­land und nicht mehr an der inlän­di­schen FH. Eine Uni­ver­si­tät ist nicht nur im Fall eines voll­stän­di­gen Aus­lands­stu­di­ums, son­dern auch im Fall eines Aus­lands­se­mes­ters als erste Tätig­keits­stätte des Stu­den­ten anzu­se­hen. Im Aus­land befand sich auch der ein­zige eigene Haus­stand der Klä­ge­rin, da die rei­nen Besuchs­au­f­ent­halte in der Woh­nung der Eltern kei­nen eige­nen Haus­stand der Klä­ge­rin begrün­det haben.



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