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Cash-Pool: Verstoß gegen formellen Fremdvergleich

BFH 17.1.2018, I R 74/15

Werden im Rahmen eines konzerninternen Cash-Pooling-Verfahrens lediglich ein Mindest- und ein Höchstzinssatz vereinbart und verbleibt hiernach ein erheblicher Spielraum für die Berechnung der Zinsvergütung, liegt ein Verstoß gegen die Grundsätze des sog. formellen Fremdvergleichs vor.

Der Sach­ver­halt:
Allei­nige Gesell­schaf­te­rin der Klä­ge­rin (Enkel­ge­sell­schaft) war im Streit­jahr (2009) die P-GmbH (Toch­ter­ge­sell­schaft). Deren Anteile wur­den wie­derum von der A-AG (Mut­ter­ge­sell­schaft) gehal­ten. Die Klä­ge­rin war mit der P-GmbH ab dem Wirt­schafts­jahr 1.10.2007 bis 30.9.2008 über einen Ergeb­nis­ab­füh­rungs­ver­trag org­an­schaft­lich ver­bun­den. Spä­ter mel­de­ten die A-AG und die P-GmbH Insol­venz an. Infol­ge­des­sen kün­digte die Klä­ge­rin den Ergeb­nis­ab­füh­rungs­ver­trag mit der P-GmbH. Noch im Streit­jahr wurde über die Ver­mö­gen der A-AG und der P-GmbH das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net.

Seit August 2007 hatte die Klä­ge­rin am (kon­zern­in­ter­nen) Cash-Poo­ling der A-AG teil­ge­nom­men. Schrift­li­che Ver­ein­ba­run­gen hierzu wur­den zwi­schen der Klä­ge­rin und der A-AG nicht getrof­fen. Die Cash-Pool-Gut­ha­ben soll­ten ver­zinst wer­den, wobei sich die Zins­sätze an den Refi­nan­zie­rungs­zin­sen der A-AG ori­en­tier­ten. Sicher­hei­ten für For­de­run­gen der Klä­ge­rin aus dem Cash-Pool wur­den nicht ver­ein­bart. Für die Klä­ge­rin erga­ben sich wäh­rend der Teil­nahme am Cash-Pool keine Dar­le­hens­verpf­lich­tun­gen. Zeit­g­leich mit der Insol­venz­an­mel­dung der A-AG wurde das Cash-Poo­ling been­det.

Nach­dem die Kon­so­li­die­rungs­be­müh­un­gen der A-AG geschei­tert waren, schrieb die Klä­ge­rin die For­de­run­gen sowie eine nicht geson­dert aus­ge­wie­sene Zins­for­de­rung zum 30.9.2009 in vol­lem Umfang ab und mel­dete die For­de­run­gen zur Insol­venz­ta­belle der A-AG an. Das Finanz­amt erkannte im Kör­per­schaft­steu­er­be­scheid für das Streit­jahr die Teil­wert­ab­sch­rei­bung der For­de­run­gen aus dem Cash-Pool unter Hin­weis auf das Abzugs­ver­bot nach § 8b Abs. 3 S. 4 und 5 KStG 2002 n.F. nicht an und rech­nete die Gewinn­min­de­rung aus der Teil­wert­ab­sch­rei­bung dem Ein­kom­men der Klä­ge­rin wie­der hinzu.

Das FG wies die hier­ge­gen gerich­tete Klage ab. Die Revi­sion der Klä­ge­rin hatte vor dem BFH kei­nen Erfolg.

Die Gründe:
Dem FG ist zwar darin zuzu­stim­men, dass das der A-AG ein­ge­räumte Cash-Pool-Dar­le­hen i.V.m. der Teil­wert­ab­sch­rei­bung zu einer ver­deck­ten Gewinn­aus­schüt­tung (vGA) geführt hat. Inso­weit ist weder die Ver­mö­gens­min­de­rung noch die Stel­lung der A-AG (Kon­zern­mut­ter) als eine der Gesell­schaf­te­rin der Klä­ge­rin (P-GmbH) nahe ste­hende Per­son im Streit. Soweit das FG das Vor­lie­gen einer vGA jedoch in mate­ri­el­ler Hin­sicht aus dem Umstand der feh­len­den Besi­che­rung die­ses Dar­le­hens abge­lei­tet hat, brauchte hier­auf vor­lie­gend nicht ein­ge­gan­gen wer­den. Viel­mehr ergibt sich der Anfall einer vGA hier bereits dar­aus, dass die Dar­le­hens­ab­rede nicht den Anfor­de­run­gen des for­mel­len Fremd­ver­g­leichs ent­spricht.

Danach muss eine im Hin­blick auf die Ver­gü­tung des beherr­schen­den Gesell­schaf­ters getrof­fene Ver­ein­ba­rung zwi­schen der Gesell­schaft und dem Gesell­schaf­ter dem Grunde und der Höhe nach klar und ein­deu­tig sein. Dies gilt ins­be­son­dere im Hin­blick auf die Bemes­sungs­grund­lage (Pro­zent­sätze, Zuschläge, Höchst- und Min­dest­be­träge) der Ver­gü­tungs­an­sprüche des Gesell­schaf­ters. Vor­lie­gend wird dem nicht genügt. Die Cash-Pool-Dar­le­hen soll­ten mit Sät­zen zwi­schen einem Min­dest- und einem Höchst­zins­satz ver­zinst wer­den. Diese soll­ten sich an den Refi­nan­zie­rungs­kos­ten der A-AG ori­en­tie­ren. Man­gels wei­te­rer kon­k­re­ti­sie­ren­der Abre­den ist hie­rin keine im Vor­hin­ein gefasste klare und ein­deu­tige Ver­ein­ba­rung der Pflich­ten des jewei­li­gen Dar­le­hens­neh­mers zu erken­nen.

Letz­te­res erfor­dert nach stän­di­ger Recht­sp­re­chung, dass die Berech­nungs­grund­la­gen in der Weise ver­ein­bart wer­den, dass allein durch Rechen­vor­gänge die Höhe der Ver­gü­tung ermit­telt wer­den kann und es des­halb auch kei­ner Ermes­sens­aus­übung durch die Geschäfts­füh­rung oder die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung bedarf. Dem wird durch die Fest­le­gung eines Min­dest- und eines Höchst­zins­sat­zes nicht ent­spro­chen. Auch kann der Cash-Pool-Abrede kein Hin­weis auf einen bestimm­ten Refe­renz­zins­satz der A-AG ent­nom­men wer­den; ebenso bleibt unklar, ob die Zins­ve­r­ein­ba­rung an die Boni­tät der Dar­le­hens­schuld­ne­rin gekop­pelt war.

Auch wenn nicht jede ver­trag­li­che Rege­lungs­lü­cke die Annahme eines Ver­sto­ßes gegen den for­mel­len Fremd­ver­g­leich trägt, ist hier jeden­falls - bei der gebo­te­nen Gesamt­wür­di­gung - aus der Unbe­stimmt­heit der Zins­verpf­lich­tung das Vor­lie­gen einer Vor­teils­zu­wen­dung abzu­lei­ten, die ihre Ver­an­las­sung in der Betei­li­gung der P-GmbH an der Klä­ge­rin hat. Hier­für spricht nicht nur, dass die auf­ge­zeig­ten Unsi­cher­hei­ten bei der Bestim­mung des tat­säch­lich geschul­de­ten Zin­ses im Zusam­men­hang mit der sig­ni­fi­kan­ten Sprei­zung von Min­dest- und Höchst­zins­satz (annäh­ernd 40 %) zu wür­di­gen ist. Hinzu kommt vor allem, dass die Zins­verpf­lich­tung des Dar­le­hens­neh­mers keine Neben­rede, son­dern eine Haupt­leis­tungs­verpf­lich­tung des Dar­le­hens­ver­hält­nis­ses betrifft.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH ver­öf­f­ent­licht.
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