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Liquiditätskennzahlen im Krankenhaus - Liquiditätsgrade im Trägerschaftsvergleich

Die Liquiditätslage zahlreicher Krankenhäuser ist seit Jahren stark angespannt. Im zurückliegenden Geschäftsjahr hat sich hier zwar für eine Teil der Kliniken die Situation aufgrund der durch das COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz initiierten Hilfsmaßnahmen (verkürzte Zahlungsziele der Kostenträger, Freihaltepauschalen, erhöhter Pflegeentgeltwert etc.) kurzfristig entspannt. Für das Geschäftsjahr 2021 wird hier aber eine gegenläufige Entwicklung erwartet, so dass sich die Situation insgesamt weiter verschlechtern dürfte.

Für die betrof­fe­nen Häu­ser ist bzw. wird es unver­meid­lich sein, ein effek­ti­ves und ziel­ge­rich­te­tes Liqui­di­täts­ma­na­ge­ment zu eta­b­lie­ren, um die Situa­tion tages­ak­tu­ell ein­schät­zen und ggf. gegen­steu­ern zu kön­nen. Hier­bei emp­fiehlt sich neben dem täg­li­chen Blick auf den Kon­to­stand und der Erstel­lung einer kurz- und mit­tel­fris­ti­gen Liqui­di­täts­pla­nung auch die Steue­rung über Liqui­di­täts­kenn­zah­len.

Auch für finan­zie­rende Ban­ken stel­len die Liqui­di­täts­kenn­zah­len eine wesent­li­che Beur­tei­lungs­größe dar und bil­den neben wei­te­ren Bilanz­kenn­zah­len oft auch das Rah­men­werk für Finan­cial Coven­ants in Kre­dit­ver­trä­gen.

Vor die­sem Hin­ter­grund sol­len im Fol­gen­den ver­schie­dene Kenn­zah­len zur Liqui­di­tät sowie deren Ent­wick­lung vor­ge­s­tellt und dis­ku­tiert wer­den. Hier­bei grei­fen wir auf unsere umfas­sende Bench­mark-Daten­bank zurück, mit­hilfe derer wir die finanz- und leis­tungs­wirt­schaft­li­chen Daten von deut­sch­land­weit über 500 Kran­ken­häu­s­ern ana­ly­sie­ren und aus­wer­ten kön­nen.

Die Liqui­di­tät ers­ten Gra­des (cash ratio) sagt etwas über die Rela­tion vor­han­de­ner liqui­der Mit­tel zu den kurz­fris­ti­gen Ver­bind­lich­kei­ten (d. h. sol­cher, die inn­er­halb eines Jah­res ab dem Bilanz­stich­tag fäl­lig wer­den) aus, und ist damit ein Indiz für die Liqui­di­täts­si­tua­tion im enge­ren Sinne. Sie beträgt in deut­schen Kran­ken­häu­s­ern im Median 43,0 %. Dabei zeigt sich eine sehr hohe Varianz inn­er­halb der Trä­ger­schaf­ten: Wäh­rend frei-gemein­nüt­zige Kran­ken­häu­ser im Median Werte von 92,4 % auf­wei­sen, liegt die Kenn­zahl bei öff­ent­li­chen Häu­s­ern bei 24,5 % und bei pri­vat geführ­ten Kran­ken­häu­s­ern bei ledig­lich 8,4 %. Ein mög­li­cher Grund hier­für könnte sein, dass pri­vate Kran­ken­häu­ser liquide Mit­tel effi­zi­en­ter allo­zie­ren oder über Cash-Poo­ling-Ver­ein­ba­run­gen ihren Liqui­di­täts­be­stand an ihre Gesell­schaf­ter abfüh­ren.

Die Liqui­di­tät zwei­ten Gra­des (quick ratio) ergänzt im Zäh­ler die kurz­fris­ti­gen For­de­run­gen, d. h. ins­be­son­dere die For­de­run­gen aus Lie­fe­run­gen und Leis­tun­gen sowie For­de­run­gen gegen ver­bun­dene Unter­neh­men und Gesell­schaf­ter, sowie dar­über hin­aus die sons­ti­gen Ver­mö­gens­ge­gen­stände. Sie imp­li­ziert eine sofor­tige Liqui­dier­bar­keit die­ser Ver­mö­gens­po­si­tio­nen zur Bedi­e­nung der kurz­fris­tig fäl­li­gen Ver­bind­lich­kei­ten. Die quick ratio beträgt im Median 324,9 %. Die Varianz zwi­schen den ver­schie­de­nen Trä­ger­ar­ten (öff­ent­lich: 293,9 %, frei-gemein­nüt­zig: 334,1 %, pri­vat: 347,0 %) ist deut­lich gerin­ger. Dass der Wert bei den pri­va­ten Häu­s­ern den­noch am bes­ten ist, über­rascht nicht: Durch ein oft­mals moder­ne­res Abrech­nungs­we­sen, ver­bun­den mit einem regel­mä­ßig gerin­ge­ren Fremd­fi­nan­zie­rungs­be­darf, ergibt sich ins­ge­s­amt ein höhe­rer Kenn­zah­len­wert. Öff­ent­li­che Kran­ken­häu­ser kämp­fen hin­ge­gen oft­mals mit einem deut­lich sch­lech­te­ren Wor­king Capi­tal Mana­ge­ment ver­bun­den mit einer ope­ra­tiv gerin­ge­ren Ertrags­kraft (EBITDA-Marge öff­ent­lich: 2,1 %, frei-gemein­nüt­zig: 2,8 %, pri­vat: 5,2 %).

Die Liqui­di­tät drit­ten Gra­des (cur­rent ratio oder ban­ker’s rule) berück­sich­tigt dar­über hin­aus noch die Vor­räte als kurz­fris­tig zu Buch­wer­ten liqui­dier­bare Ver­mö­gens­po­si­tio­nen. Hie­rin ent­hal­ten sind im Kran­ken­haus neben Roh-, Hilfs- und Betriebs­stof­fen klas­si­scher­weise ins­be­son­dere die Über­lie­ger im akut­sta­tio­nä­ren Bereich, denen ein for­de­rung­s­ähn­li­cher Cha­rak­ter zukommt. Die Kenn­zahl sagt aus, ob kurz­fris­ti­ges Ver­mö­gen auch kurz­fris­tig finan­ziert ist. Liegt die Kenn­zahl dau­er­haft unter 100 %, muss Anla­ge­ver­mö­gen frei­ge­setzt wer­den, um die kurz­fris­ti­gen Ver­bind­lich­kei­ten bedie­nen zu kön­nen. Der trä­ger­schafts­über­g­rei­fende Median der Kenn­zahl liegt bei sehr guten 353,7 % (öff­ent­lich: 333,5 %, frei-gemein­nüt­zig: 354,2 %, pri­vat: 367,0 %). Damit wird, zumin­dest im Median, über alle Trä­ger­schaf­ten die Fris­ten­kon­gru­enz der Finan­zie­rung gewahrt.

Liqui­di­täts­grade stel­len als sta­ti­sche Bestands­kenn­zah­len zum Bilanz­stich­tag immer nur eine Moment­auf­nahme dar, sind leicht mani­pu­lier­bar und kön­nen bereits wenige Tage spä­ter ein völ­lig ande­res Bild auf die Beur­tei­lung der Gesell­schaft wer­fen. Sie sind daher nur für eine erste, indi­ka­tive Ein­schät­zung des zu betrach­ten­den Unter­neh­mens geeig­net.

Ein gutes Liqui­di­täts­ma­na­ge­ment ist für viele Kran­ken­häu­ser ele­men­tare Vor­aus­set­zung für eine sta­bile Unter­neh­mens­füh­rung, da ansons­ten sch­nell eine Insol­venz droht und auch ein­t­re­ten kann. Neben einem ziel­ge­rich­te­ten Moni­to­ring der kurz­fris­ti­gen Liqui­di­tät auch unter Ein­be­zug der Liqui­di­täts­grade, das ein zeit­na­hes Gegen­steu­ern ungüns­ti­ger Ent­wick­lun­gen ermög­licht, ist ins­be­son­dere die Erstel­lung und regel­mä­ß­ige Aktua­li­sie­rung der kurz- und mit­tel­fris­ti­gen Liqui­di­täts­pla­nung not­wen­dig, um auch zukünf­tige Risi­ken recht­zei­tig erken­nen zu kön­nen. Wir unter­stüt­zen Sie hier sehr gerne bei einer mög­li­chen Imp­le­men­tie­rung der benö­t­ig­ten Con­trol­ling-Werk­zeuge.

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