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Steuerberatung

Zur Bestimmung des Kindergeldberechtigten

BFH 18.5.2017, III R 11/15

Ha­ben die El­tern ei­nes Kin­des einen El­tern­teil als Kin­der­geld­be­rech­tig­ten be­stimmt, so erlöschen die Rechts­wir­kun­gen der Be­stim­mung, wenn sich die El­tern tren­nen und das Kind aus­schließlich im Haus­halt ei­nes der bei­den El­tern­teile lebt.

Der Sach­ver­halt:
Der Kläger ist der Va­ter des im März 2005 ge­bo­re­nen E. Die Kinds­mut­ter (die Bei­ge­la­dene) ist die frühere Ehe­frau des Klägers. Bis zum 23.4.2008 lebte die Fa­mi­lie in ei­ner ge­mein­sa­men Woh­nung. Das Kin­der­geld war ge­genüber dem Kläger fest­ge­setzt wor­den, da die­ser in dem von den El­tern un­ter­schrie­be­nen Kin­der­geld­an­trag vom 4.4.2005 gem. § 64 Abs. 2 S. 2 EStG als Be­rech­tig­ter be­stimmt wor­den war. Der Kläger und die Bei­ge­la­dene trenn­ten sich am 24.4.2008. Die Bei­ge­la­dene nahm E nach dem Aus­zug aus der bis­he­ri­gen Woh­nung in ih­ren Haus­halt auf. In den Mo­na­ten Ok­to­ber 2008 bis Ende De­zem­ber 2008 leb­ten der Kläger, die Bei­ge­la­dene so­wie E we­gen ei­nes Versöhnungs­ver­suchs vorüber­ge­hend wie­der in ei­ner ge­mein­sa­men Woh­nung. Da­nach kam es zur endgülti­gen Tren­nung. Seit­her lebt die Bei­ge­la­dene mit E in einem ge­mein­sa­men Haus­halt.

Im Ja­nuar 2009 stellte die Bei­ge­la­dene einen An­trag auf Kin­der­geld für E bei der für sie zuständi­gen Fa­mi­li­en­kasse. Als die für den Kläger zuständig ge­wor­dene Fa­mi­li­en­kasse hier­von er­fuhr, hob sie im No­vem­ber 2010 die Fest­set­zung des Kin­der­gel­des ge­genüber dem Kläger auf und for­derte das von Mai 2008 bis De­zem­ber 2008 ge­zahlte Kin­der­geld zurück. Hier­ge­gen wen­det sich der Kläger mit sei­ner Klage. Zur Begründung trug er u.a. vor, das Kin­der­geld sei auf das Konto der Bei­ge­la­de­nen ge­zahlt wor­den.

Das FG gab der Klage statt, so­weit sie den Zeit­raum Ok­to­ber 2008 bis De­zem­ber 2008 be­traf; im Übri­gen wies es die Klage ab. Auf die Re­vi­sion des Fi­nanz­amts hob der BFH das Ur­teil auf und wies die Klage voll­umfäng­lich ab.

Die Gründe:
Das FG war zu Un­recht der An­sicht, dem Kläger stehe das Kin­der­geld für den Zeit­raum Ok­to­ber 2008 bis De­zem­ber 2008 auf­grund der ur­sprüng­li­chen Be­rech­tig­ten­be­stim­mung vom 4.4.2005 zu (§ 64 Abs. 2 S. 2 EStG).

Bei meh­re­ren Be­rech­tig­ten wird das Kin­der­geld auf­grund des sog. Ob­hut­sprin­zips dem­je­ni­gen ge­zahlt, der das Kind in sei­nen Haus­halt auf­ge­nom­men hat (§ 64 Abs. 2 S. 1 EStG). Woh­nen die El­tern ei­nes Kin­des zu­sam­men mit dem Kind in einem ge­mein­sa­men Haus­halt, so be­stim­men sie nach § 64 Abs. 2 S. 2 EStG un­ter­ein­an­der den Be­rech­tig­ten. Dies ge­schieht übli­cher­weise durch den Kin­der­geld­an­trag (§ 67 EStG). Tren­nen sich die El­tern ei­nes Kin­des und le­ben sie fortan in ver­schie­de­nen Haus­hal­ten, so ver­liert eine früher ge­trof­fene Be­rech­tig­ten­be­stim­mung in der Re­gel ihre Be­deu­tung, weil dann das Kin­der­geld zwin­gend an den El­tern­teil zu zah­len ist, in des­sen Haus­halt das Kind nun­mehr lebt (§ 64 Abs. 2 S. 1 EStG). Eine vor­mals ge­trof­fene Be­rech­tig­ten­be­stim­mung wird da­her mit der Auflösung des ge­mein­sa­men Haus­halts ge­gen­stands­los, ohne dass es ei­nes Wi­der­rufs be­darf.

Nur aus­nahms­weise, wenn das Kind nach der Tren­nung der El­tern in etwa annähernd gleich­wer­ti­gem Um­fang bei bei­den El­tern­tei­len lebt, wirkt die vor der Tren­nung ge­trof­fene Be­rech­tig­ten­be­stim­mung fort. Diese Vor­aus­set­zun­gen la­gen im Streit­fall je­doch nicht vor, da sich das Kind nach der Tren­nung der El­tern nicht mehr im Haus­halt bei­der El­tern­teile, son­dern nur noch im Haus­halt der Mut­ter auf­hielt. Diese wurde da­durch vor­ran­gig kin­der­geld­be­rech­tigt. Die am 24.4.2008 voll­zo­gene Tren­nung führte zu ei­ner Zäsur, wel­che die Rechts­wir­kun­gen der früheren ge­mein­sa­men Wil­lens­bil­dung der El­tern ent­fal­len ließ. Aus die­sem Grund war eine neue Be­rech­tig­ten­be­stim­mung er­for­der­lich, als der Va­ter und die Mut­ter nach der Tren­nung vorüber­ge­hend wie­der einen ge­mein­sa­men Haus­halt bil­de­ten.

Link­hin­weis:

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