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Steuerberatung

Zum Vorsteuerabzug bei Waren im Niedrigpreissegment

BFH v. 10.7.2019 - XI R 28/18

Zur Frage, wel­chen An­for­de­run­gen Rech­nungs­an­ga­ben zur Be­zeich­nung der Menge und der Art der ge­lie­fer­ten Ge­genstände i.S. des Art. 226 Nr. 6 MwSt­Sys­tRL genügen müssen, kann sich ein Un­ter­neh­mer dar­auf be­ru­fen, dass die von ihm ver­wen­de­ten Be­zeich­nun­gen "han­delsüblich" i.S.d. § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 5 UStG sind. Die Tat­sa­chen­in­stanz muss - u.U. un­ter Zu­hil­fe­nahme ei­nes Sach­verständi­gen - er­mit­teln, wel­che An­gabe der Art der ge­lie­fer­ten Ge­genstände un­ter Berück­sich­ti­gung von Han­dels­stufe, Art und In­halt des Ge­schäftes und dem Wert der ein­zel­nen Wa­ren han­delsüblich ist.

Der Sach­ver­halt:
Der Kläger be­trieb im Streit­jahr 2010 einen Han­del mit Tex­ti­lien, ins­be­son­dere mit sog. nied­rig­prei­si­ger Be­klei­dung. In sei­nen Um­satz­steu­er­vor­an­mel­dun­gen für das zweite bis vierte Ka­len­der­vier­tel­jahr 2010 machte er u.a. Vor­steu­ern aus ins­ge­samt 27 Rech­nun­gen ei­nes Lie­fe­ran­ten über eine Viel­zahl ab­ge­rech­ne­ter Tex­til­lie­fe­run­gen gel­tend. Diese ent­hiel­ten die An­ga­ben "T-Shirt", "Bluse", "Tops", "Kleid", "Ho­sen" und ähn­li­che Be­zeich­nun­gen, (hohe) Stück­zah­len so­wie den Aus­weis von Ein­zel­prei­sen. Teil­weise war mehr­fach die­selbe Be­zeich­nung der ge­lie­fer­ten Ge­genstände ent­hal­ten, die nur durch die An­gabe ei­ner un­ter­schied­li­chen An­zahl und ei­nes un­ter­schied­li­chen Prei­ses pro Stück ergänzt wurde. Sons­tige Be­lege - wie Be­stell­un­ter­la­gen, Lie­fer­scheine, Kor­re­spon­denz mit den Lie­fe­ran­ten - la­gen nicht vor.

Nach ei­ner Um­satz­steuer-Son­derprüfung ver­sagte das Fi­nanz­amt den Vor­steu­er­ab­zug aus den streit­ge­genständ­li­chen Rech­nun­gen, da es da­von aus­ging, dass den Rech­nun­gen kein tatsäch­li­cher Leis­tungs­aus­tausch zu­grunde liege. Das FG schloss sich die­ser An­sicht an und wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab. Auf die Re­vi­sion des Klägers hat der BFH das Ur­teil auf­ge­ho­ben und zur er­neu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das FG zurück­ver­wie­sen.

Gründe:
Zwar hat das FG zu Recht an­ge­nom­men, dass die nach uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben not­wen­di­gen Rech­nungs­an­ga­ben im Rah­men ih­res Kon­troll­zwecks auch dem Aus­schluss der mehr­fa­chen Ab­rech­nung der­sel­ben Leis­tung die­nen. Al­ler­dings genügt nach der na­tio­na­len Re­ge­lung in § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 5 UStG als An­gabe der Art der ge­lie­fer­ten Ge­genstände de­ren "han­delsübli­che Be­zeich­nung". Die Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz zur Han­delsüblich­keit der streit­ge­genständ­li­chen An­ga­ben tra­gen die Ent­schei­dung nicht, so dass im zwei­ten Rechts­gang Er­mitt­lun­gen dazu er­for­der­lich sind, ob die von den Lie­fe­ran­ten ver­wen­de­ten Be­zeich­nun­gen un­ter Berück­sich­ti­gung der Han­dels­stufe, Art und In­halt der Lie­fe­run­gen han­delsüblich sind. Außer­dem wird das FG zu klären ha­ben, ob den streit­ge­genständ­li­chen Rech­nun­gen tatsäch­lich je­weils ein Leis­tungs­aus­tausch zu­grunde lag.

Zur Frage, wel­chen An­for­de­run­gen Rech­nungs­an­ga­ben zur Be­zeich­nung der Menge und der Art der ge­lie­fer­ten Ge­genstände i.S. des Art. 226 Nr. 6 MwSt­Sys­tRL genügen müssen, kann sich ein Un­ter­neh­mer dar­auf be­ru­fen, dass die von ihm ver­wen­de­ten Be­zeich­nun­gen "han­delsüblich" i.S.d. § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 5 UStG sind. Die Tat­sa­chen­in­stanz muss - u.U. un­ter Zu­hil­fe­nahme ei­nes Sach­verständi­gen - er­mit­teln, wel­che An­gabe der Art der ge­lie­fer­ten Ge­genstände un­ter Berück­sich­ti­gung von Han­dels­stufe, Art und In­halt des Ge­schäftes und dem Wert der ein­zel­nen Wa­ren han­delsüblich ist.

Hier­ge­gen kann nicht ein­ge­wen­det wer­den, dass Han­dels­ge­pflo­gen­hei­ten nicht Ge­setze aus­le­gen könn­ten, son­dern sich am Ge­setz aus­rich­ten müss­ten, denn der Han­del muss seine Be­zeich­nun­gen nicht an­pas­sen, wenn der Ge­setz­ge­ber han­delsübli­che Be­zeich­nun­gen ausdrück­lich aus­rei­chen lässt. Im vor­lie­gen­den Fall war die Vor­in­stanz hin­sicht­lich der Han­delsüblich­keit der ver­wen­de­ten Be­zeich­nun­gen be­reits von nicht tragfähi­gen Prämis­sen aus­ge­gan­gen, so dass es an ei­ner tragfähi­gen Tat­sa­chen­grund­lage für eine Sach­ver­haltswürdi­gung fehlte.
 

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