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Verschiedengeschlechtliche Lebensgemeinschaft: Keine Zusammenveranlagung

BFH 26.4.2017, III B 100/16

§ 2 Abs. 8 EStG fin­det auf ver­schie­den­ge­schlecht­li­che Part­ner ei­ner nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft keine An­wen­dung. Sie er­fasst eine ein­ge­tra­gene Le­bens­part­ner­schaft i.S.d. LPartG, die sich hin­sicht­lich der recht­li­chen Bin­dun­gen und Ein­stands­pflich­ten herkömm­li­chen Ehen an­genähert hat

Der Sach­ver­halt:
Die Kläger le­ben in ei­ner nicht­ehe­li­chen ver­schie­den­ge­schlecht­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft, führen einen ge­mein­sa­men Haus­halt und ste­hen so­zial und wirt­schaft­lich fürein­an­der ein. Sie ha­ben drei ge­mein­same Kin­der, die eben­falls in ih­rem Haus­halt le­ben. Darüber hin­aus ist ein wei­te­res Kind der Kläge­rin in dem Haus­halt auf­ge­nom­men.

Die Kläger reich­ten für den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2012 ge­trennte Ein­kom­men­steu­er­erklärun­gen beim Fi­nanz­amt ein. Später be­an­trag­ten sie, un­ter An­wen­dung des Split­ting­ta­rifs zu­sam­men zur Ein­kom­men­steuer ver­an­lagt zu wer­den. Das Fi­nanz­amt ging nicht dar­auf ein. Das FG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab. Auch die Nicht­zu­las­sungs­be­schwerde der Kläger vor dem BFH blieb er­folg­los.

Gründe:
Die von den Klägern auf­ge­wor­fene Rechts­frage, ob der in § 2 Abs. 8 EStG ver­wen­dete Be­griff "Le­bens­part­ner" auch auf ver­schie­den­ge­schlecht­li­che Part­ner ei­ner nicht ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­ge­mein­schaft An­wen­dung fin­det, ist nicht klärungs­bedürf­tig, da sie an­hand der ge­setz­li­chen Grund­la­gen und der be­reits vor­lie­gen­den Recht­spre­chung be­ant­wor­tet wer­den kann.

In § 2 Abs. 8 EStG ist zwar le­dig­lich von Le­bens­part­nern und Le­bens­part­ner­schaf­ten und nicht von Part­nern ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft und ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaf­ten die Rede. Gleich­wohl ist es un­zulässig, aus die­ser Be­griffs­wahl den Schluss zu zie­hen, dass Part­ner von Le­bens­ge­mein­schaf­ten, die keine Le­bens­part­ner i.S.d. LPartG sind, in den Ge­nuss der steu­er­li­chen Vor­teile kom­men können, die bis zur Einfügung des § 2 Abs. 8 EStG al­lein Ehe­gat­ten vor­be­hal­ten wa­ren.

Die Vor­schrift des § 2 Abs. 8 EStG ist viel­mehr da­hin­ge­hend zu in­ter­pre­tie­ren, dass sie nur Le­bens­part­ner ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft i.S.d. LPartG er­fasst, weil nur der­ar­tige Part­ner­schaf­ten sich hin­sicht­lich der durch sie er­zeug­ten recht­li­chen Bin­dun­gen und ge­gen­sei­ti­gen Ein­stands­pflich­ten herkömm­li­chen Ehen der­art an­genähert ha­ben, dass eine steu­er­li­che Un­gleich­be­hand­lung nicht mehr zu recht­fer­ti­gen ist. Dar­aus folgt, dass ver­schie­den­ge­schlecht­li­che Part­ner, die keine Ehe ge­schlos­sen, schon man­gels Erfüllung der Vor­aus­set­zun­gen des § 1 LPartG auch keine Le­bens­part­ner­schaft i.S. des LPartG begründet und da-mit auch keine ver­gleich­ba­ren recht­li­chen Bin­dun­gen und ge­gen­sei­ti­gen Ein­stands­pflich­ten über­nom­men ha­ben, nicht un­ter den An­wen­dungs­be­reich des § 2 Abs. 8 EStG fal­len.

Link­hin­weis:

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