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Verkehrstherapeutische Leistungen sind umsatzsteuerpflichtig

FG Münster 12.9.2017, 15 K 3562/14 U

Ver­kehrsthe­ra­peu­ti­sche Leis­tun­gen zur Wie­der­er­lan­gung der Fahr­er­laub­nis stel­len keine um­satz­steu­er­freien Heil­be­hand­lun­gen dar. Der Ge­sund­heits­schutz ist bei der­ar­ti­gen Leis­tun­gen al­len­falls mit­tel­bar be­trof­fen, was für die An­wen­dung der Be­frei­ungs­vor­schrift nicht aus­reicht.

Der Sach­ver­halt:
Der Kläger ist ap­pro­bier­ter psy­cho­lo­gi­scher Psy­cho­the­ra­peut und er­bringt u.a. ver­kehrsthe­ra­peu­ti­sche Leis­tun­gen. Diese wer­den von Per­so­nen in An­spruch ge­nom­men, die sich auf­grund von Ver­kehrs­de­lik­ten (z.B. Fah­ren un­ter Al­ko­hol­ein­fluss oder mit überhöhter Ge­schwin­dig­keit) mit dem Ziel der Wie­der­er­lan­gung der Fahr­er­laub­nis auf eine me­di­zi­ni­sch-psy­cho­lo­gi­sche Un­ter­su­chung (MPU) vor­be­rei­ten muss­ten. Das Fi­nanz­amt sah hierin keine steu­er­freien Heil­be­hand­lun­gen und un­ter­warf diese Leis­tun­gen der Um­satz­steuer.

Das FG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab. Die Re­vi­sion zum BFH wurde nicht zu­ge­las­sen.

Die Gründe:
Das Fi­nanz­amt hat die ver­kehrsthe­ra­peu­ti­schen Leis­tun­gen des Klägers zu Recht nicht als Heil­be­hand­lungs­leis­tun­gen i.S.d. § 4 Nr. 14 Buchst. a) UStG an­ge­se­hen.

Heil­be­hand­lun­gen i.S.v. Art 132 Abs. 1 Buchst. c) MwSt­Sys­tRL sind nur Tätig­kei­ten, die zum Zweck der Vor­beu­gung, Dia­gnose, der Be­hand­lung und, so­weit möglich, der Hei­lung von Krank­hei­ten oder Ge­sund­heitsstörun­gen im Be­reich der Hu­man­me­di­zin vor­ge­nom­men wer­den. Me­di­zi­ni­sche Leis­tun­gen, die nicht in der me­di­zi­ni­schen Be­treu­ung von Per­so­nen durch das Dia­gnos­ti­zie­ren und Be­han­deln ei­ner Krank­heit oder ei­ner an­de­ren Ge­sund­heitsstörung be­ste­hen, fal­len nicht in den An­wen­dungs­be­reich. Keine Heil­be­hand­lun­gen im Be­reich der Hu­man­me­di­zin sind da­her "ärzt­li­che Leis­tun­gen", "Be­hand­lun­gen" oder "me­di­zi­ni­sche Ein­griffe", die zu an­de­ren als me­di­zi­ni­schen Zwecken er­fol­gen.

Auch nach der Recht­spre­chung des BFH kommt es ent­schei­dend auf die Ziel­set­zung der Maßnah­men an. Leis­tun­gen sind Heil­be­hand­lun­gen, wenn sie di­rekt an der Krank­heit und de­ren Ur­sa­chen an­set­zen und nicht nur dar­auf ab­zie­len, die Aus­wir­kun­gen der Er­kran­kung auf die Le­bens­ge­stal­tung auf­zu­fan­gen oder ab­zu­mil­dern oder das all­ge­meine Wohl­be­fin­den zu stei­gern. Wird eine ärzt­li­che Leis­tung in einem Zu­sam­men­hang er­bracht, der die Fest­stel­lung zulässt, dass ihr Haupt­ziel nicht der Schutz der Ge­sund­heit ist, sind § 4 Nr. 14 Buchst. a) UStG und Art. 132 Abs. 1 Buchst. c) MwSt­Sys­tRL auf diese Leis­tung nicht an­zu­wen­den.

Dies ist je­doch nicht das Haupt­ziel der ver­kehrsthe­ra­peu­ti­schen Leis­tun­gen des Klägers. Viel­mehr geht es sei­nen Kli­en­ten in ers­ter Li­nie darum, die Fahr­er­laub­nis wie­der­zu­er­lan­gen. Hierfür spricht ins­be­son­dere die Wer­bung des Klägers im In­ter­net und auf Fly­ern, in de­nen es z.B. heißt "der schnelle Weg zurück zum Führer­schein". Dem­ge­genüber ist von der Be­hand­lung von Krank­hei­ten hierin keine Rede. An­de­ren­falls hätten die Kli­en­ten auch die Kos­ten für die The­ra­pien nicht selbst ge­tra­gen, son­dern ärzt­lich ver­ord­nete und von den Kran­ken­kas­sen fi­nan­zierte The­ra­pien in An­spruch ge­nom­men. Der Ge­sund­heits­schutz ist al­len­falls mit­tel­bar be­trof­fen, was für die An­wen­dung der Be­frei­ungs­vor­schrift nicht aus­reicht.

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