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Folgen für die Umsatzsteuer?

Das Vereinigte Königreich ist nicht mehr Teil der EU und das Ende der Übergangsphase am 31.12.2020 rückt näher. Was aber bedeutet das konkret für Unternehmen, die Waren auf die Insel liefern oder von dort beziehen? Welche umsatzsteuerlichen Regeln sind zu beachten?

Für Unter­neh­men mit Lie­fer- und Leis­tungs­be­zie­hun­gen zum Ver­ei­nig­ten Kön­ig­reich wird es jetzt ernst, denn die auf EU-Recht basie­ren­den umsatz­steu­er­li­chen Rege­lun­gen kom­men nur noch bis zum 31.12.2020 zur Anwen­dung.

Marco Bahmüller, Umsatzsteuer-Experte bei Ebner Stolz© Marco Bahmüller, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei Ebner Stolz in Stuttgart
Umfas­sende Ände­run­gen erge­ben sich nach Ablauf des Über­gangs­zei­traums ab 1.1.2021, denn ab 2021 fin­det das gemein­same Mehr­wert­steu­er­sys­tem der EU im Ver­ei­nig­ten Kön­ig­reich keine Anwen­dung mehr. (Marco Bah­mül­ler)

Kon­k­ret erge­ben sich fol­gende Ände­run­gen:

  • Da die an bri­ti­sche Unter­neh­men ver­ge­be­nen Umsatz­steuer-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern nicht mehr gül­tig sein wer­den, benö­t­i­gen inlän­di­sche Unter­neh­mer einen ande­ren Nach­weis der Unter­neh­mer­ei­gen­schaft ihrer bri­ti­schen Geschäft­s­part­ner.
  • Ab 2021 stel­len Lie­fe­run­gen in das Ver­ei­nigte Kön­ig­reich keine inn­er­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­run­gen mehr dar. Diese kön­nen allen­falls als Aus­fuhr­lie­fe­run­gen mit den ent­sp­re­chen­den Nach­weispf­lich­ten umsatz­steu­er­f­rei sein. In die­sem Zusam­men­hang ent­fal­len dann jedoch die ent­sp­re­chen­den Berichtspf­lich­ten in der Zusam­men­fas­sen­den Mel­dung. Hin­sicht­lich Intras­tat soll­ten die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen beo­b­ach­tet wer­den. Sta­tis­ti­sche Mel­dun­gen erfol­gen dann ggf. über ent­sp­re­chende Zoll­mel­dun­gen.
  • Waren aus dem Ver­ei­nig­ten Kön­ig­reich stel­len ab 2021 keine inn­er­ge­mein­schaft­li­chen Erwerbe mehr dar, son­dern unter­lie­gen der Ein­fuhr­um­satz­steuer.
  • Emp­fan­gen deut­sche Unter­neh­mer sons­tige Leis­tun­gen von bri­ti­schen Unter­neh­mern, bleibt es im Grund­fall beim Emp­fän­ger­ort­s­prin­zip und damit bei der Umkehr der Steu­er­schuld­ner­schaft (Reverse-Charge-Ver­fah­ren). Wie sons­tige Leis­tun­gen von deut­schen Unter­neh­mern an bri­ti­sche Unter­neh­mer zukünf­tig behan­delt wer­den, hängt von der Aus­ge­stal­tung der neuen bri­ti­schen Vor­schrif­ten ab. Nahe­lie­gend ist, dass es auch hier bei der Umkehr der Steu­er­schuld­ner­schaft (Reverse-Charge-Ver­fah­ren) blei­ben wird. Die Mel­depf­lich­ten über die Zusam­men­fas­sende Mel­dung wer­den aber ent­fal­len.
  • Ggf. wer­den zusätz­li­che Regi­s­trie­rungspf­lich­ten für deut­sche Unter­neh­mer im Ver­ei­nig­ten Kön­ig­reich bei der Aus­füh­rung von Wer­k­lie­fe­run­gen, inn­er­ge­mein­schaft­li­chen Drei­ecks­ge­schäf­ten oder im Ver­sand­han­del zu beach­ten sein.
  • Wer­den Leis­tun­gen an Nicht­un­ter­neh­mer im Ver­ei­nig­ten Kön­ig­reich aus­ge­führt, die dort der Umsatz­be­steue­rung unter­lie­gen, kön­nen diese Umsätze nicht mehr in das für Unter­neh­mer aus dem EU-Aus­land gel­tende Mini-one-stop-shop-Ver­fah­ren (MOSS-Ver­fah­ren) ein­be­zo­gen wer­den. Denn das MOSS-Ver­fah­ren fin­det ab 2021im Ver­ei­nig­ten Kön­ig­reich keine Anwen­dung mehr. Es bleibt abzu­war­ten, ob dort ein ver­g­leich­ba­res Ver­fah­ren bereit­ge­s­tellt wird. Ggf. besteht ab 2021 für leis­tende Unter­neh­mer aus der EU eine Regi­s­trie­rungspf­licht im Ver­ei­nig­ten Kön­ig­reich.
  • Im Aus­tritts­ab­kom­men ist gere­gelt, dass die EU-Rege­lun­gen für Vor­steuer-Ver­gü­tung­s­an­träge aus und nach Großbri­tan­nien bis zum 31.12.2020 unve­r­än­dert wei­ter gel­ten und Anträge, die Ver­gü­tungs­zei­träume des Jah­res 2020 betref­fen, bis zum 31.3.2021 ges­tellt wer­den kön­nen. Stand heute gibt es aber noch keine Bestim­mun­gen für die Zeit nach dem 31.12.2020, so dass noch offen ist, wie mit Zei­träu­men nach 2020 umzu­ge­hen ist. Hier bleibt die aktu­elle Ent­wick­lung abzu­war­ten.
  • Da Lie­fe­run­gen und sons­tige Leis­tun­gen zukünf­tig in ande­ren Zei­len in den Umsatz­steuer-Vor­an­mel­dun­gen und der Umsatz­steuer-Jah­re­s­er­klär­ung zu mel­den sind, sind auch EDV-tech­ni­sche Anpas­sun­gen bei den Stamm­da­ten bri­ti­scher Unter­neh­mer not­wen­dig.
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