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MPU-Vorbereitung ist nicht generell umsatzsteuerfrei

BFH 27.2.2018, XI B 97/17

Eine ver­kehrs­psy­cho­lo­gi­sche Be­hand­lung durch einen Heil­prak­ti­ker und ap­pro­bier­ten Psy­cho­the­ra­peu­ten ist nur dann als am­bu­lante Heil­be­hand­lung um­satz­steu­er­frei, wenn Haupt­zweck der Be­hand­lung der Schutz der Ge­sund­heit ist. Dies ist nicht der Fall, wenn die Be­hand­lung vor­ran­gig einem an­de­ren Zweck (z.B. der Er­hal­tung oder Wie­der­er­lan­gung der Fahr­er­laub­nis (MPU-Vor­be­rei­tung) dient.

Der Sach­ver­halt:
Der Kläger ist Heil­prak­ti­ker und ap­pro­bier­ter Psy­cho­the­ra­peut. Er führte im Rah­men sei­ner psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Leis­tun­gen in den Streit­jah­ren 2010 bis 2012 u.a. ver­kehrs­psy­cho­lo­gi­sche Be­hand­lun­gen durch.

Nach ei­ner Außenprüfung ver­trat das Fi­nanz­amt die Auf­fas­sung, dass die ge­nann­ten Leis­tun­gen von Per­so­nen in An­spruch ge­nom­men wor­den seien, de­nen auf­grund von Ver­kehrs­de­lik­ten (z.B. Fah­ren un­ter Al­ko­hol- oder Dro­gen­ein­fluss, Tempo- und/ oder Ab­stands­verstöße etc.) ihre Fahr­er­laub­nis ent­zo­gen wor­den sei, und die sich zur Wie­der­er­lan­gung der Fahr­er­laub­nis ei­ner me­di­zi­ni­sch-psy­cho­lo­gi­schen Un­ter­su­chung (MPU) i.S.d. § 2 Abs. 8 StVG hätten un­ter­zie­hen müssen. Die ge­nann­ten Leis­tun­gen seien des­halb keine Heil­be­hand­lun­gen i.S.d. § 4 Nr. 14a UStG, son­dern als Hilfe im Be­reich der persönli­chen Le­bensführung steu­er­pflich­tig. Eine Tätig­keit, de­ren Haupt­ziel nicht der Schutz der Ge­sund­heit sei, sei nämlich nicht gem. § 4 Nr. 14a UStG steu­er­frei. Die primäre Mo­ti­va­tion der Kli­en­ten des Klägers, des­sen Leis­tun­gen in An­spruch zu neh­men, be­stehe darin, ihre Fahr­er­laub­nis wie­der­zu­er­lan­gen.

Das FG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab und ließ die Re­vi­sion nicht zu. Auch die Nicht­zu­las­sungs­be­schwerde des Klägers vor dem BFH blieb er­folg­los.

Gründe:
Eine zur Zu­las­sung we­gen Di­ver­genz führende Nichtübe­rein­stim­mung im Rechts­grundsätz­li­chen liegt nicht vor, wenn das FG einen Sach­ver­halt le­dig­lich ab­wei­chend würdig oder wenn das FG von den Rechts­grundsätzen der BFH-Recht­spre­chung aus­geht und diese le­dig­lich un­zu­tref­fend auf den Ein­zel­fall an­wen­det. Ge­mes­sen daran wich die Vor­ent­schei­dung nicht - wie der Kläger meinte - vom EuGH-Ur­teil L.u.P. vom 8.6.2006 (Rz.: C-106/05, Um­satz­steuer-Rund­schau - UR 2006, 464) und dem BFH-Ur­teil vom 18.8.2011 (Az.: V R 27/10) ab.

Es trifft zwar zu, dass da­nach die the­ra­peu­ti­sche Zweck­be­stimmt­heit ei­ner Heil­be­hand­lung nicht in einem be­son­ders en­gen Sinne zu ver­ste­hen ist. Die An­nahme des FG, dass eine steu­er­freie Heil­be­hand­lung vor­aus­setzt, dass ihr Haupt­ziel der Schutz der Ge­sund­heit ist, ent­spricht je­doch der ständi­gen Recht­spre­chung des BFH. Eine ver­kehrs­psy­cho­lo­gi­sche Be­hand­lung durch einen Heil­prak­ti­ker und ap­pro­bier­ten Psy­cho­the­ra­peu­ten ist so­mit nur dann als am­bu­lante Heil­be­hand­lung um­satz­steu­er­frei, wenn Haupt­zweck der Be­hand­lung der Schutz der Ge­sund­heit ist. Dies ist nicht der Fall, wenn die Be­hand­lung vor­ran­gig einem an­de­ren Zweck (z.B. der Er­hal­tung oder Wie­der­er­lan­gung der Fahr­er­laub­nis) dient.

Ob eine ver­kehrs­psy­cho­lo­gi­sche Be­hand­lung dem Schutz der Ge­sund­heit oder einem an­de­ren Zweck dient, ist Tat­frage.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH veröff­ent­licht.
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