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Steuerberatung

Umsatzsteuerbefreiung bei Outsourcing von Finanzdienstleistungen?

BFH v. 13.11.2019, V R 30/19 (V R 6/15)

Es liegt kein nach § 4 Nr. 8 Buchst. d UStG steu­er­freier Um­satz vor, wenn für eine Bank, die Geld­aus­ga­be­au­to­ma­ten be­treibt, Dienst­leis­tun­gen er­bracht wer­den, die darin be­ste­hen, diese Au­to­ma­ten auf­zu­stel­len und zu war­ten, sie mit Bar­geld zu befüllen und mit Hard- und Soft­ware zum Ein­le­sen der Geld­kar­ten­da­ten aus­zu­stat­ten, Au­to­ri­sie­rungs­an­fra­gen we­gen Bar­geld­ab­he­bun­gen an die Bank wei­ter­zu­lei­ten, die die ver­wen­dete Geld­karte aus­ge­ge­ben hat, die gewünschte Bar­geld­aus­zah­lung vor­zu­neh­men und einen Da­ten­satz über die Aus­zah­lun­gen zu ge­ne­rie­ren.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin er­bringt für eine Bank auf ver­trag­li­cher Grund­lage Leis­tun­gen beim Be­trieb von Geld­aus­ga­be­au­to­ma­ten. So stellte sie funk­ti­onsfähige Geld­aus­ga­be­au­to­ma­ten mit Soft- und Hard­ware, die mit dem Logo der Bank ver­se­hen wa­ren, an den vor­ge­se­he­nen Stand­or­ten auf und war für den ord­nungs­gemäßen Be­trieb ver­ant­wort­lich. Die Kläge­rin trans­por­tierte das ihr von der Bank zur Verfügung ge­stellte Bar­geld zu den Geld­aus­ga­be­au­to­ma­ten und über­nahm die Bar­geld­befüllung der Geld­aus­ga­be­au­to­ma­ten. Zu­dem be­riet sie zum lau­fen­den Geld­aus­ga­be­au­to­ma­ten-Be­trieb.

Be­nutzte ein Kunde den Geld­aus­ga­be­au­to­mat mit sei­ner Geld­karte zum Geld­ab­he­ben, wur­den be­stimmte Da­ten von die­ser Karte mit­tels ei­ner spe­zi­el­len Soft­ware ge­le­sen. Die Kläge­rin prüfte diese Da­ten und ver­sandte auf elek­tro­ni­schem Weg eine Au­to­ri­sie­rungs­nach­richt über die vom Kar­ten­in­ha­ber gewünschte Trans­ak­tion an den Bank­ver­lag. Der Bank­ver­lag lei­tete die Au­to­ri­sie­rungs­an­frage wei­ter an den be­trof­fe­nen Ban­ken­ver­bund, die­ser dann an die Bank, die dem Kun­den die Geld­karte aus­ge­ge­ben hatte. Die kar­ten­her­aus­ge­bende Bank prüfte die De­ckung des Kon­tos des Kun­den und lei­tete eine ent­spre­chende Ge­neh­mi­gung oder Ab­leh­nung der An­frage über die­selbe Kette zurück. Die Kläge­rin er­hielt dar­auf­hin in­ner­halb von Se­kun­den von dem Bank­ver­lag das Er­geb­nis der Ge­neh­mi­gungs­an­frage.

Nach Er­halt die­ser Nach­richt ge­ne­rierte die Kläge­rin einen Da­ten­satz über die Geld­aus­gabe und führte im Ge­neh­mi­gungs­fall die Geld­aus­gabe am Geld­au­to­ma­ten durch. Im Aus­zah­lungs­fall er­zeugte die Kläge­rin zu­dem einen Da­ten­satz über die Geld­aus­gabe. Den Da­ten­satz über­sandte die Kläge­rin an ih­ren Auf­trag­ge­ber, die Bank, als Bu­chungs­in­struk­tion. Diese Bank spielte die Da­tensätze un­verändert in das Sys­tem der Deut­schen Bun­des­bank (BBK) ein. Ein von der Kläge­rin zu­dem ge­ne­rier­ter un­veränder­ba­rer (Ta­ges-)Da­tenträger ent­hielt alle Trans­ak­tio­nen des je­wei­li­gen Ta­ges und wurde bei der BBK ein­ge­reicht. Die "Ein­spie­lung" in das Sys­tem der BBK er­folgte durch die Bank selbst, da nur Ban­ken Zah­lungs­ver­kehrs­kon­ten bei der BBK un­ter­hal­ten können. Auf­grund die­ser Ein­spie­lung wur­den der Er­stat­tungs­an­spruch des Auf­trag­ge­bers der Kläge­rin, der Bank, ge­genüber der je­wei­li­gen Bank des Geld­au­to­ma­ten­be­nut­zers auf Er­stat­tung des aus­ge­zahl­ten Geld­be­tra­ges so­wie die hierfür an­ge­fal­le­nen Gebühren recht­lich bin­dend fest­ge­schrie­ben.

Mit der Ein­spie­lung der Da­ten wurde darüber hin­aus un­mit­tel­bar die Ver­rech­nung über die Aus­zah­lung zuzüglich evtl. an­fal­len­der Nut­zungs­gebühren des Geld­au­to­ma­ten zwi­schen dem Auf­trag­ge­ber der Kläge­rin, der Bank, und der die Kar­ten her­aus­ge­ben­den Bank des Kun­den ge­bucht. Die Kläge­rin, die ihre Leis­tun­gen zunächst als steu­er­pflich­tig an­ge­se­hen hatte, machte gel­tend, dass ihre Leis­tun­gen nach §4 Nr. 8 Buchst. d UStG steu­er­frei seien. Das Fi­nanz­amt folgte dem nicht und lehnte den An­trag ab. Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Auf die Re­vi­sion des Fi­nanz­am­tes hob der BFH das Ur­teil auf und wies die Klage ab.

Gründe:
Das FG hat zu Un­recht die Steu­er­frei­heit der durch die Kläge­rin er­brach­ten Leis­tun­gen nach § 4 Nr. 8 Buchst. d UStG be­jaht.

Steu­er­frei sind dem­nach die Umsätze "im Zah­lungs- und Über­wei­sungs­ver­kehr". Nach dem EuGH-Ur­teil Card­point (EU:C:2019:822) liegt kein steu­er­freier Um­satz i.S.d. Be­stim­mung vor, wenn für eine Bank, die Geld­aus­ga­be­au­to­ma­ten be­treibt, Dienst­leis­tun­gen er­bracht wer­den, die darin be­ste­hen, diese Au­to­ma­ten auf­zu­stel­len und zu war­ten, sie mit Bar­geld zu befüllen und mit Hard- und Soft­ware zum Ein­le­sen der Geld­kar­ten­da­ten aus­zu­stat­ten, Au­to­ri­sie­rungs­an­fra­gen we­gen Bar­geld­ab­he­bun­gen an die Bank wei­ter­zu­lei­ten, die die ver­wen­dete Geld­karte aus­ge­ge­ben hat, die gewünschte Bar­geld­aus­zah­lung vor­zu­neh­men und einen Da­ten­satz über die Aus­zah­lun­gen zu ge­ne­rie­ren.

Die­ser Be­ur­tei­lung durch den EuGH hat sich der BFH im vor­lie­gen­den Fall an­ge­schlos­sen. Denn der Be­griff des Zah­lungs­ver­kehrs in § 4 Nr. 8 Buchst. d UStG ent­spricht dem des Art. 13 Teil B Buchst. d Nr. 3 der Richt­li­nie 77/388/EWG in sei­ner Aus­le­gung durch den EuGH. Da­nach wa­ren die Leis­tun­gen der Kläge­rin steu­er­pflich­tig. Die von ihr er­brach­ten Dienst­leis­tun­gen sind nicht ge­eig­net, die er­for­der­li­chen recht­li­chen und fi­nan­zi­el­len Ände­run­gen her­bei­zuführen. Al­lein die den Geld­aus­ga­be­au­to­ma­ten be­trei­bende Bank spielte die Da­tensätze in das Sys­tem der BBK ein. Auf eine Un­ver­zicht­bar­keit der von der Kläge­rin er­brach­ten Leis­tung kommt es nicht an. Schwie­rig­kei­ten bei der Be­stim­mung der Ge­gen­leis­tung und da­mit der Be­mes­sungs­grund­lage be­ste­hen nicht.
 

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