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Spendenrechtliche Beurteilung des „Crowdfunding“

Durch Crowdfunding werden Finanzmittel unter Nutzung internetbasierter Strukturen akquiriert. Doch wann ist der Spendenabzug möglich?

Durch Crowd­fun­ding wer­den Finanz­mit­tel unter Nut­zung inter­net­ba­sier­ter Struk­tu­ren durch die Betei­li­gung einer Viel­zahl von Per­so­nen akqui­riert. Ziel des Crowd­fun­ding kann dabei z. B. die Bereit­stel­lung aus­rei­chen­der Finanz­mit­tel zur Anlauf­fi­nan­zie­rung eines Start-Up-Unter­neh­men sein (sog. klas­si­sches Crowd­fun­ding). Nach Auf­fas­sung des BMF schei­tert ein Abzug der  Zah­lun­gen im Rah­men eines klas­si­schen Crowd­fun­ding regel­mä­ßig daran, dass ent­we­der der Zuwen­dungs­emp­fän­ger nicht steu­er­be­güns­tigt ist oder dass der Zuwen­dende für seine Leis­tung eine Gegen­leis­tung erhält (BMF-Sch­rei­ben vom 15.12.2017, Az. IV C 4 - S 2223/17/10001, DStR 2018, S. 133). Im Ein­klang mit der Recht­sp­re­chung sieht es das BMF dabei für unbe­acht­lich an, ob Leis­tung und Gegen­leis­tung in einem aus­ge­wo­ge­nen Ver­hält­nis ste­hen oder ob der erlangte Vor­teil unmit­tel­bar wirt­schaft­li­cher Natur ist. Auch eine Auf­tei­lung der Zah­lung in ein ange­mes­se­nes Ent­gelt und eine den Nut­zen über­s­tei­gende unent­gelt­li­che Leis­tung lehnt das BMF ab.

Spendenrechtliche Beurteilung des „Crowdfunding“© Thinkstock

Hin­weis

Ein Spen­den­ab­zug kommt auch bei dem sog. Crow­din­ves­ting oder Crowd­len­ding nicht in Betracht. Hier han­delt es sich letzt­lich um Alter­na­ti­ven zur Eigen- oder Fremd­ka­pi­tal­fi­nan­zie­rung eines wirt­schaft­li­chen Enga­ge­ments.

Liegt ein Fall des sog. Spen­den-Crowd­fun­ding vor, kommt der Spen­den­ab­zug in Betracht. Hier­bei wird durch ein Crowd­fun­ding-Por­tal eine anlass­be­zo­gene Spen­den­samm­lung orga­ni­siert, die in der Regel ein fes­tes Samm­lungs­ziel hat. Wird das Samm­lungs­ziel erreicht, gehen die ein­ge­sam­mel­ten Mit­tel an den Pro­jekt­ver­an­stal­ter. Bei Nich­t­er­rei­chen des Samm­lungs­ziels erhal­ten die zuwen­den­den Per­so­nen in eini­gen Fäl­len ihre Ein­zah­lung zurück. Weder die ein­zel­nen Zuwen­den­den noch das Crowd­fun­ding-Por­tal erhal­ten für die Zuwen­dung eine Gegen­leis­tung. Das BMF bejaht den Spen­den­ab­zug sowohl dann, wenn das Crowd­fun­ding-Por­tal als Treu­hän­der fun­giert, der Pro­jekt­ver­an­stal­ter als steu­er­be­güns­tigte Kör­per­schaft dem Zuwen­den­den eine Zuwen­dungs­be­stä­ti­gung aus­s­tellt sowie wei­tere Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind. Ebenso ist der Spen­den­ab­zug mög­lich, wenn das Crowd­fun­ding-Por­tal selbst eine begüns­tigte För­der­kör­per­schaft ist, die die Zuwen­dungs­mit­tel sat­zungs­ge­mäß z. B. an einen steu­er­be­güns­tig­ten Pro­jekt­ver­an­stal­ter wei­ter­lei­tet oder selbst steu­er­be­güns­tig­ter Zuwen­dungs­emp­fän­ger ist.



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