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Keine Irreführung durch Fortführung des Dr. im Namen der Partnerschaft

BGH 8.5.2018, II ZB 7/17

Bei Aus­schei­den des pro­mo­vier­ten Na­mens­ge­bers ei­ner Part­ner­schaft von Rechts­anwälten sind die ver­blei­ben­den Part­ner bei Ein­wil­li­gung des Aus­ge­schie­de­nen oder sei­ner Er­ben auch dann zur Fortführung des bis­he­ri­gen Na­mens der Part­ner­schaft mit dem Dok­tor­ti­tel des Aus­ge­schie­de­nen be­fugt, wenn kei­ner von ih­nen pro­mo­viert hat.

Der Sach­ver­halt:

Die Be­tei­ligte zu 1) ist eine seit 1999 mit dem Na­men "Rechts­anwälte Dr. H. & Part­ner" im Part­ner­schafts­re­gis­ter ein­ge­tra­gene Part­ner­schaft von Rechts­anwälten. Im März 2005 wurde das Aus­schei­den des na­mens­ge­ben­den Part­ners Dr. H. im Re­gis­ter ein­ge­tra­gen. Der Name der Part­ner­schaft wurde mit der Ein­wil­li­gung Dr. H. un­verändert fort­geführt. Die der­zei­ti­gen Part­ner, die Be­tei­lig­ten zu 2) bis 5), führen kei­nen Dok­tor­ti­tel.

Im Juli 2016 mel­de­ten die Be­tei­lig­ten zu 2) bis 5) die Ände­rung des Na­mens der Part­ner­schaft in "Rechts­anwälte Dr. H. & Part­ner mbB" an. Das AG - Re­gis­ter­ge­richt - wies die An­mel­dung mit der Begründung zurück, dass eine un­veränderte Fortführung des bis­he­ri­gen Na­mens un­ter Ver­wen­dung des Dok­tor­ti­tels un­zulässig sei. Da­ge­gen leg­ten die Be­tei­lig­ten zu 1) bis 5) Be­schwerde ein und be­an­trag­ten zu­dem, un­ter Auf­he­bung des an­ge­foch­te­nen Be­schlus­ses den Na­men "Dr. H. & Part­ner, Part­ner­schafts­ge­sell­schaft, Nach­fol­ger" ein­zu­tra­gen.

Das AG legte die Be­schwerde mit Nicht­ab­hil­fe­be­schluss dem OLG vor und führte da­bei ergänzend aus, auch der neu an­ge­mel­dete Name sei un­zulässig, da die Vor­schrif­ten der § 2 Abs. 2 PartGG i.V.m. § 22 Abs. 1 HGB man­gels In­ha­ber­wech­sels keine An­wen­dung fänden. Mit der Be­schwer­de­begründung be­an­trag­ten die Be­tei­lig­ten zu 1) bis 5) in der Haupt­sa­che, den Na­men "Dr. H. und Part­ner, Part­ner­schafts­ge­sell­schaft" be­ste­hen zu las­sen, so­wie hilfs­weise, die Ein­tra­gung mit Nach­fol­ge­zu­satz als "Dr. H. und Part­ner, Part­ner­schafts­ge­sell­schaft, Nach­fol­ger, ver­tre­ten durch die Part­ner" vor­zu­neh­men. Das OLG wies die so­for­tige Be­schwerde zurück und ließ die Rechts­be­schwerde zu.

Auf die Rechts­be­schwerde der Be­tei­lig­ten zu 1) bis 5) hob der BGH die Be­schlüsse des OLG und des AG auf und wies das AG an, die Ein­tra­gung des Na­mens der Be­tei­lig­ten zu 1) gemäß dem Haupt­an­trag der Be­tei­lig­ten vor­zu­neh­men.

Die Gründe:

Die An­nahme des OLG, die Fortführung des bis­he­ri­gen Na­mens der Part­ner­schaft mit Dok­tor­ti­tel sei nach dem Aus­schei­den des ein­zi­gen pro­mo­vier­ten na­mens­ge­ben­den Part­ners we­gen Ver­stoßes ge­gen das Ir­reführungs­ver­bot gem. § 2 Abs. 2 PartGG i.V.m. § 18 Abs. 2 HGB un­zulässig, trifft im vor­lie­gen­den Fall ei­ner Part­ner­schaft von Rechts­anwälten nicht zu.

Grundsätz­lich muss der Name der Part­ner­schaft nach § 2 Abs. 1 S. 1 und 3 PartGG den Na­men min­des­tens ei­nes Part­ners ent­hal­ten und dürfen die Na­men an­de­rer Per­so­nen als der Part­ner nicht in den Na­men der Part­ner­schaft auf­ge­nom­men wer­den. Die­ser "wahr­heits­gemäßen" An­gabe der tatsäch­lich in der Ge­sell­schaft ak­ti­ven Part­ner kommt auf­grund der auf persönli­che Leis­tungs­er­brin­gung aus­ge­rich­te­ten Tätig­keit der Part­ner­schaft be­son­de­res Ge­wicht zu. Eine Aus­nahme gilt gem. § 2 Abs. 2 PartGG i.V.m. § 24 Abs. 2 HGB je­doch dann, wenn der na­mens­ge­bende Part­ner aus­schei­det und - wie hier - in die Fortführung sei­nes Na­mens ein­ge­wil­ligt hat. In die­sem Fall ge­stat­tet § 24 Abs. 2 HGB die Fortführung der bis­he­ri­gen Firma bzw. des bis­he­ri­gen Na­mens der Part­ner­schaft und durch­bricht da­mit in sei­nem Gel­tungs­be­reich (ebenso wie § 22 HGB) den in § 18 Abs. 2 S. 1 HGB ent­hal­te­nen Grund­satz der Fir­men­wahr­heit, um den ide­el­len und ma­te­ri­el­len Wert der bis­he­ri­gen Firma zu er­hal­ten.

Diese Fortführungs­be­fug­nis gilt nach dem Wort­laut des § 24 Abs. 2 HGB für die ge­samte bis­he­rige Firma und da­mit auch für den in der bis­he­ri­gen Firma bzw. im bis­he­ri­gen Na­men der Part­ner­schaft an­ge­ge­be­nen Dok­tor­ti­tel des aus­schei­den­den Na­mens­ge­bers. Der Dok­tor­ti­tel ist zwar nicht Be­stand­teil des bürger­li­chen Na­mens des Aus­schei­den­den, wohl aber als Na­mens­zu­satz Be­stand­teil des Na­mens der Ge­sell­schaft. Zwar steht auch die Fortführungs­be­fug­nis nach § 24 HGB wie das OLG im Aus­gangs­punkt zu­tref­fend an­ge­nom­men hat ih­rer­seits un­ter dem Vor­be­halt des Ir­reführungs­ver­bots des § 18 Abs. 2 S. 1 HGB. Un­zu­tref­fend ist je­doch die wei­tere An­nahme des OLG, dass da­nach im vor­lie­gen­den Fall ei­ner Part­ner­schaft von Rechts­anwälten die Fortführung des bis­he­ri­gen Na­mens mit Dok­tor­ti­tel des aus­ge­schie­de­nen na­mens­ge­ben­den Part­ners zur Ir­reführung gem. § 18 Abs. 2 HGB ge­eig­net und da­her un­zulässig ist.

Die Fortführung des Dok­tor­ti­tels nach Aus­schei­den des ein­zi­gen pro­mo­vier­ten Part­ners im hier vor­lie­gen­den Fall ei­ner Part­ner­schaft von Rechts­anwälten ist nicht als un­zulässige Ir­reführung an­zu­se­hen. Die Be­tei­ligte zu 1) ist eine Part­ner­schaft von Rechts­anwälten, bei der alle Part­ner, ob pro­mo­viert oder nicht, eine aka­de­mi­sche Aus­bil­dung ab­ge­schlos­sen ha­ben müssen. Die Zu­las­sung als Rechts­an­walt setzt grundsätz­lich die Befähi­gung zum Rich­ter­amt nach dem Deut­schen Rich­ter­ge­setz und da­mit den Ab­schluss ei­nes rechts­wis­sen­schaft­li­chen Uni­ver­sitäts­stu­di­ums vor­aus. Die be­son­dere Wert­schätzung, die dem Dok­tor­ti­tel auf­grund der darin zum Aus­druck kom­men­den ab­ge­schlos­se­nen Hoch­schul­aus­bil­dung von der brei­ten Öff­ent­lich­keit ent­ge­gen­ge­bracht wird, ist da­her in der Sa­che auch bei sämt­li­chen Part­nern der Be­tei­lig­ten zu 1) begründet. Eine Eig­nung zur Ir­reführung über we­sent­li­che Umstände, die der Fortführungs­be­rech­ti­gung nach § 24 Abs. 2 HGB ent­ge­gen­ste­hen könnte, liegt nicht vor.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf den Web­sei­ten des BGH veröff­ent­licht.
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