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Kein häusliches Arbeitszimmers bei anderem Arbeitsplatz

FG Düsseldorf 4.5.2017, 8 K 329/15 E

Die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer einer Flugbegleiterin können in der Regel nicht anerkannt werden. Das gilt jedenfalls dann, wenn nur in einem geringfügigen Umfang von unter 3,1 % der gesamten Arbeitszeit Bürotätigkeiten verrichtet werden.

Der Sach­ver­halt:
Strei­tig ist die Aner­ken­nung der Kos­ten für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer. Die Klä­ge­rin ist seit 2008 in Voll­zeit als Flug­be­g­lei­te­rin tätig. Ihr Ehe­mann ist Poli­zei­beam­ter. Im Jahr 2007 erwar­ben beide ein Ein­fa­mi­li­en­haus. In Ihrer Steue­r­er­klär­ung für das Streit­jahr machte die Klä­ge­rin u.a. Auf­wen­dun­gen für ein Arbeits­zim­mer i.H.v. 1.250 € als Wer­bungs­kos­ten gel­tend. Sie gab an, die Wohn­fläche des Hau­ses betrage 148 qm und das Arbeits­zim­mer sei 13,50 qm groß. Auf das Haus soll­ten Auf­wen­dun­gen i.H.v. ins­ge­s­amt 13.711 € ent­fal­len, davon auf das Arbeits­zim­mer 1.250 €.

Die Klä­ge­rin trug vor, für die in dem Arbeits­zim­mer ver­rich­te­ten Tätig­kei­ten stehe ihr kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung. Aus einer Auf­stel­lung der Rei­se­kos­ten ergab sich, dass die Klä­ge­rin an 66 Tagen zum Flug­ha­fen und zurück fuhr, sich an 27 Tagen auf Rei­sen im Inland und an 107 Tagen auf Rei­sen im Aus­land befand. Das Finanz­amt berück­sich­tigte die gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen für das Arbeits­zim­mer nicht. Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer könn­ten nur noch aner­kannt wer­den, wenn das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Tätig­keit bilde.

Das FG wies die hier­ge­gen gerich­tete Klage ab. Die Revi­sion zum BFH wurde nicht zuge­las­sen.

Die Gründe:
Das Finanz­amt ist zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass die Klä­ge­rin die Auf­wen­dun­gen für das häus­li­che Arbeits­zim­mer i.H.v. 1.250 € nicht als Wer­bungs­kos­ten von ihren Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Tätig­keit abzie­hen kann. Zwar steht der Klä­ge­rin für einige ihrer beruf­li­chen Arbei­ten kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung. Gleich­wohl kommt ein Wer­bungs­kos­ten­ab­zug nicht in Betracht, weil das von der Klä­ge­rin vor­ge­hal­tene Zim­mer für ihre Tätig­keit als Ste­war­dess nicht erfor­der­lich ist. Die Klä­ge­rin muss nur in einem gering­fü­g­i­gen Umfang von unter 3,1 % ihrer gesam­ten Arbeits­zeit Büro­tä­tig­kei­ten ver­rich­ten, für die ihr kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht.

Gem. § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 1 EStG kann ein Steu­erpf­lich­ti­ger Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nicht als Wer­bungs­kos­ten abzie­hen. Dies gilt nicht, wenn für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht (§ 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 2 EStG). In die­sem Fall wird die Höhe der abzieh­ba­ren Auf­wen­dun­gen auf 1.250,- € beg­renzt; die Beschrän­kung der Höhe nach gilt nicht, wenn das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­det (§ 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 3 EStG).

Vor­lie­gend kann der Klä­ge­rin ein Wer­bungs­kos­ten­ab­zug für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nicht gewährt wer­den. Soweit die Klä­ge­rin glaub­haft machen konnte, dass sie zuhause büro­mä­ß­ige Arbei­ten sowie Aus-, Wei­ter- bzw. Fort­bil­dung­s­tä­tig­kei­ten ver­rich­tet hat, die sie nicht in einem Check-in-Raum bzw. Crew-Raum erle­di­gen konnte, ist davon aus­zu­ge­hen, dass das Vor­hal­ten eines Arbeits­zim­mers den­noch nicht erfor­der­lich war. Die im Jahr 2013 nur etwa 51 Stun­den umfas­sen­den Tätig­kei­ten hätte die Klä­ge­rin auch an einem Tisch in der Küche, im Ess­zim­mer oder in ande­ren Räu­men des Hau­ses erle­di­gen kön­nen, ebenso wie die pri­vat anfal­len­den Ver­wal­tung­s­an­ge­le­gen­hei­ten.

Der Klä­ge­rin stand an den Abflug­ta­gen zudem ein ande­rer Arbeits­platz in den Check-in-Räu­men bzw. Crew-Räu­men zur Ver­fü­gung (mit Com­pu­ter, Tisch und Tele­fon). Es blieb der Klä­ge­rin unbe­nom­men, sich in die­sen Räu­men 10 bis 15 Minu­ten eher ein­zu­fin­den, Boar­ding­kar­ten aus­zu­dru­cken, den per­sön­li­chen Dienst­plan zu kon­trol­lie­ren und - sofern erfor­der­lich - Ein­reise- und Zoll­be­stim­mun­gen, Ser­vice­ab­läufe, Dienst­an­wei­sun­gen oder all­ge­meine Infor­ma­tio­nen aus dem Intra­net zu lesen oder aus­zu­dru­cken. Soweit die Klä­ge­rin dar­auf ange­wie­sen war, zuhause Vor­be­rei­tun­gen für die ein­zel­nen Flüge zu tref­fen, Online-Kurse am PC zu absol­vie­ren, Dienst­pläne anzu­for­dern und zu kon­trol­lier­ten und sich Infor­ma­tio­nen aus dem Intra­net zu beschaf­fen, ist der fest­s­tell­bare zeit­li­che Umfang die­ser Tätig­kei­ten so gering, dass dafür ein Arbeits­zim­mer nicht erfor­der­lich war.

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