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Steuerberatung

Im Home Office während der Corona-Pandemie

Das häusliche Arbeitszimmer hat durch die Corona-Pandemie für viele Arbeitnehmer enorm an Bedeutung gewonnen. Allerdings können Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nur unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich zum Abzug gebracht werden. 2020 und 2021 kann eine Home-Office-Pauschale angesetzt werden.

Vor­aus­set­zun­gen für die steu­er­li­che Aner­ken­nung eines Arbeits­zim­mers

Durch die Arbeit im Home-Office ent­fällt zwar der sonst täg­li­che Arbeits­weg und die damit ein­her­ge­hen­den Kos­ten. Es ent­ste­hen jedoch Auf­wen­dun­gen im Rah­men des Wohn­ei­gen­tums, ink­lu­sive Instand­hal­tungs­kos­ten, bzw. antei­lige Woh­nungs­miete auf das (neu ein­ge­rich­tete) Home-Office oder höhere Was­ser-, Heiz- und Strom­kos­ten durch die Tätig­keit von zu Hause aus.

Ob die damit im Zusam­men­hang ste­hen­den Auf­wen­dun­gen zum Wer­bungs­kos­ten­ab­zug zuge­las­sen sind, hängt insb. davon ab, ob es sich beim Home-Office auch um ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer im steu­er­li­chen Sinn han­delt. Dies ist nur dann anzu­neh­men, wenn ein sepa­ra­tes, räum­lich abge­sch­los­se­nes Zim­mer vor­liegt. Davon abzu­g­ren­zen sind Arbeits­e­cken in sonst aus­sch­ließ­lich pri­vat genutz­ten Räu­men, wie bspw. die Nut­zung des Ess- oder Wohn­zim­mer­tischs als Arbeits­platz oder Wohn­räume, die pro­vi­so­risch mit­hilfe eines Raum­t­ren­ners geteilt wer­den.

Sofern ein bau­lich abge­t­renn­ter Raum vor­han­den ist, muss dar­über hin­aus eine über­wie­gend beruf­li­che Nut­zung sicher­ge­s­tellt wer­den. Hier­von soll laut Recht­sp­re­chung nur aus­ge­gan­gen wer­den, sofern die beruf­li­che Nut­zung min­des­tens 90 % beträgt.

Allein das Vor­han­den­sein von pri­va­ten Gegen­stän­den, seien es Sport­ge­räte, Fern­se­her oder pri­vate Lite­ra­tur, soll für die Qua­li­fi­zie­rung eines steu­er­recht­li­chen Arbeits­zim­mers bereits schäd­lich sein und den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug bei einer pri­va­ten Nut­zung von mehr als 10 % voll­stän­dig ver­weh­ren. In die­sem Zusam­men­hang emp­fiehlt es sich, den Nach­weis eines häus­li­chen Arbeits­zim­mers anhand von Fotos zu doku­men­tie­ren und even­tu­elle Belege auf­zu­be­wah­ren.

Als zweite Vor­aus­set­zung gilt, dass dem Arbeit­neh­mer kein ande­rer Arbeits­platz mehr zur Ver­fü­gung steht. Hier­bei ist uner­heb­lich, dass theo­re­tisch ein Arbeits­platz wäh­rend der Pan­de­mie im Betrieb des Arbeit­ge­bers vor­han­den ist. Ent­schei­dend ist viel­mehr, ob der Arbeit­neh­mer die­sen auch tat­säch­lich nut­zen kann. Dies ist bspw. dann nicht gege­ben, wenn der Arbeit­ge­ber aus Infek­ti­ons­schutz­grün­den das Arbei­ten im Büro unter­sagt und statt­des­sen das Arbei­ten im Home-Office anord­net. Für den Nach­weis stellt sich eine Beschei­ni­gung des Arbeit­ge­bers als durch­aus sinn­voll dar, aus der her­vor­geht, dass ab einem bestimm­ten Zeit­punkt oder einen bestimm­tem Zei­traum der ursprüng­li­che Arbeits­platz auf­grund der Corona-Krise nicht nutz­bar ist bzw. war.

Hin­weis: Sollte sich der Arbeit­neh­mer aus Grün­den der Präv­en­tion dazu ent­schei­den, sei­nen vor­han­de­nen Arbeits­platz nicht mehr zu nut­zen, ohne vom Arbeit­ge­ber exp­li­zit dazu ange­wie­sen wor­den zu sein, sollte diese Vor­aus­set­zung eben­falls als erfüllt gel­ten, da ledig­lich den Emp­feh­lun­gen der Poli­tik, Behör­den und Medi­zi­nern nach­ge­kom­men wird. Die Finanz­ver­wal­tung hat sich hierzu jedoch nicht geäu­ßert.

Steht dem Arbeit­neh­mer kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung, kann er die Auf­wen­dun­gen des häus­li­chen Arbeits­zim­mers bis zu einem Betrag von 1.250 Euro als Wer­bungs­kos­ten im Rah­men sei­ner per­sön­li­chen Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung gel­tend machen. Dabei ist der Höchst­be­trag von 1.250 Euro pro Jahr auch bei nicht ganz­jäh­ri­ger Nut­zung eines häus­li­chen Arbeits­zim­mers in vol­ler Höhe, also nicht zei­t­an­tei­lig, zum Abzug zuzu­las­sen.

Der Wer­bungs­kos­ten­ab­zug ist dar­über hin­aus sogar ohne betrag­li­che Beg­ren­zung mög­lich, wenn das häus­li­che Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der beruf­li­chen Tätig­keit dar­s­tellt. Ver­ein­fa­chend kann die­ser Fall ange­nom­men wer­den, wenn kein ande­rer Arbeits­platz mehr zur Ver­fü­gung steht und der Arbeit­neh­mer seine gesamte Tätig­keit im Home-Office erbringt.

(Teil­wei­ser) Ersatz der Auf­wen­dun­gen für das Home-Office durch den Arbeit­ge­ber

Ersetzt der Arbeit­ge­ber dem Arbeit­neh­mer die Kos­ten für das Arbeits­zim­mer in der eige­nen oder gemie­te­ten Woh­nung, liegt grund­sätz­lich steu­erpf­lich­ti­ger Arbeits­lohn vor, weil es für die­sen Wer­bungs­kos­ten­er­satz keine Steu­er­be­f­rei­ungs­vor­schrift gibt.

Über­lässt aber der Arbeit­ge­ber dem Arbeit­neh­mer für die beruf­li­che Tätig­keit betrieb­li­che Com­pu­ter, Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­räte usw., die im Eigen­tum des Arbeit­ge­bers ste­hen, führt eine zudem pri­vate Nut­zung nicht zu einem steu­erpf­lich­ti­gen geld­wer­ten Vor­teil (§ 3 Nr. 45 EStG). Über­eig­net der Arbeit­ge­ber diese Arbeits­mit­tel dem Arbeit­neh­mer unent­gelt­lich oder ver­bil­ligt, greift diese Steu­er­be­f­rei­ung hin­ge­gen nicht.

Ste­hen die für die beruf­li­che Tätig­keit ein­ge­setz­ten Arbeits­mit­tel im Eigen­tum des Arbeit­neh­mers und zahlt der Arbeit­ge­ber für die Nut­zung bzw. deren Erwerb eine Ver­gü­tung, zählt diese Ver­gü­tung zum steu­erpf­lich­ti­gen Arbeits­lohn.

Erstat­tet der Arbeit­ge­ber sei­nen Arbeit­neh­mern im Rah­men des steu­er­f­reien Aus­la­gen­er­sat­zes gemäß § 3 Nr. 50 EStG Betriebs­kos­ten für die ein­ge­setz­ten Arbeits­mit­tel, allen voran Strom- und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­kos­ten, ist das steu­er­f­rei. Aus­la­gen des Arbeit­neh­mers in die­sem Sinne sind von ihm getä­tigte Aus­ga­ben, die ganz über­wie­gend im betrieb­li­chen Inter­esse des Arbeit­ge­bers erfol­gen, der Arbeits­aus­füh­rung die­nen und beim Arbeit­neh­mer nicht als Wer­bungs­kos­ten berück­sich­tigt wer­den. Der steu­er­f­reie Aus­la­gen­er­satz ist grund­sätz­lich nur mög­lich, wenn die auf die beruf­li­che Nut­zung ent­fal­len­den Betriebs­kos­ten genau nach­ge­wie­sen wer­den.

Ein­füh­rung einer Home-Office-Pau­schale

Da wegen der Corona-Krise ver­mehrt vom Home-Office gear­bei­tet wird, wurde im Rah­men des Jahres­steu­er­ge­set­zes 2020 eine Home-Office-Pau­schale ein­ge­führt.

Erfüllt der häus­li­che Arbeits­platz nicht die Vor­aus­set­zun­gen eines häus­li­chen Arbeits­zim­mers, kann eine Pau­schale von 5 Euro für jeden Kalen­der­tag, maxi­mal 600 Euro im Wirt­schafts- oder Kalen­der­jahr, abge­zo­gen wer­den, an dem die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit aus­sch­ließ­lich von zu Hause aus aus­ge­übt wurde. Die Home-Office-Pau­schale kann auch ange­setzt wer­den, wenn der genutzte Raum zwar ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer im steu­er­li­chen Sinne dar­s­tellt, der Steu­erpf­lich­tige aber auf den Abzug der tat­säch­lich ange­fal­le­nen Kos­ten in dem gesetz­lich vor­ge­ge­be­nen Rah­men nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG ver­zich­tet.

Die Home-Office-Pau­schale kann auch ange­setzt wer­den, wenn der genutzte Raum zwar ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer im steu­er­li­chen Sinne dar­s­tellt, der Steu­erpf­lich­tige aber auf den Abzug der tat­säch­lich ange­fal­le­nen Kos­ten in dem gesetz­lich vor­ge­ge­be­nen Rah­men nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG ver­zich­tet.

Die Pau­schale kann für eine nach dem 31.12.2019 und vor dem 1.1.2022 in der häus­li­chen Woh­nung aus­ge­übte betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit ange­setzt wer­den.

Aus Ver­ein­fa­chungs­grün­den sieht die Rege­lung keine Ein­schrän­kung für den Fall vor, dass bei gemein­sam Nut­zungs­be­rech­tig­ten meh­rere Per­so­nen eigene Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nach den Grund­sät­zen des häus­li­chen Arbeits­zim­mers bzw. die Home-Office-Pau­schale gel­tend machen.

Hin­weis: Bei Arbeit­neh­mern wirkt sich die Home-Office-Pau­schale nur aus, soweit die in einem VZ ange­fal­le­nen Wer­bungs­kos­ten ins­ge­s­amt den Arbeit­neh­mer-Pausch­be­trag von 1 000 Euro über­s­tei­gen.

In der Geset­zes­be­grün­dung wird aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass paral­lel zum Ansatz der Home-Office-Pau­schale für die ent­sp­re­chen­den Tage der Abzug der Ent­fer­nungs­pau­schale für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und ers­ter Tätig­keits­stätte bzw. Betriebs­stätte oder aber tages­g­leich der Abzug tat­säch­li­cher Fahrt­kos­ten nicht in Betracht kommt.
 

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