de en
Nexia Ebner Stolz

Steuerberatung

Häusliches Arbeitszimmer: Abzugsfähigkeit von Badrenovierungskosten

BFH v. 14.5.2019 - VIII R 16/15

Renovierungs- und Umbaukosten, die für einen Raum anfallen, der ausschließlich oder mehr als in nur untergeordnetem Umfang privaten Wohnzwecken dient, erhöhen nicht die gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Sätze 2 und 3 EStG abziehbaren Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer. Sie sind auch nicht als allgemeine Gebäudekosten über den Flächenanteil des Arbeitszimmers bei den Betriebsausgaben zu berücksichtigen.

Der Sach­ver­halt:
Die im Streit­jahr (2011) zusam­men zur Ein­kom­men­steuer ver­an­lag­ten Klä­ger woh­nen in einem 1960 erbau­ten Ein­fa­mi­li­en­haus mit einer Wohn­fläche von 184 qm. Davon ent­fal­len gut 15 qm (= 8,43 %) auf ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer, von dem aus der Klä­ger seine selb­stän­dige Steu­er­be­ra­tung­s­tä­tig­keit bet­reibt und das - wie zwi­schen den Betei­lig­ten unst­rei­tig ist - den Mit­tel­punkt sei­ner gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung i.S.v. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG bil­det.

Im Streit­jahr bau­ten die Klä­ger das Bade­zim­mer und den davor gele­ge­nen Flur des Wohn­hau­ses umfas­send um. Die Maß­nah­men waren durch das unzu­rei­chende Gefälle der Abwas­ser­lei­tun­gen von Dusche und Bade­wanne sowie die Absicht, das Bade­zim­mer im Hin­blick auf das Lebensal­ter der Klä­ger vor­sor­g­lich behin­der­ten­ge­recht zu gestal­ten, ver­an­lasst. Die Umbau­kos­ten für Bad, Flur und Roll­lä­den - ein­sch­ließ­lich der Kos­ten für Ein­rich­tungs­ge­gen­stände wie Hand­tuch­hal­ter und Lam­pen - belie­fen sich auf rd. 40.000 €.

Die gesam­ten Auf­wen­dun­gen für das Wohn­haus (AfA, Neben­kos­ten und Gar­ten­ar­bei­ten) betru­gen im Streit­jahr rd. 52.000 €. Hier­von mach­ten die Klä­ger im Rah­men der Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung einen Anteil von 8,43 % (rd. 4.400 €) für das häus­li­che Arbeits­zim­mer bei den Ein­künf­ten des Klä­gers aus selb­stän­di­ger Arbeit als Betriebs­aus­ga­ben gel­tend. Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Betriebs­aus­ga­ben erklärte der Klä­ger einen Gewinn aus selb­stän­di­ger Arbeit i.H.v. rd. 3.500 €. Das Finanz­amt folgte dem nicht. In Bezug auf das häus­li­che Arbeits­zim­mer erkannte es Betriebs­aus­ga­ben i.H.v. rd. 1.700 € an. Von den gel­tend gemach­ten Reno­vie­rungs­kos­ten berück­sich­tigte es ledig­lich den Aus­tausch der Tür zum Arbeits­zim­mer mit rd. 1.000 €, da nur die­ser Auf­wand - anders als die wei­te­ren Reno­vie­rungs­kos­ten - unmit­tel­bar dem Arbeits­zim­mer zuzu­ord­nen sei.

Das FG gab der hier­ge­gen gerich­te­ten Klage statt. Auf die Revi­sion des Finanzamts hob der BFH das Urteil auf und ver­wies die Sache zur ander­wei­ti­gen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das FG zurück.

Die Gründe:
Kos­ten für Reno­vie­rungs- und Umbau­ar­bei­ten, die sich - wie hier die Auf­wen­dun­gen für die Arbei­ten im Bade­zim­mer und Flur - auf vor­ran­gig zu Wohn­zwe­cken oder gemischt genutzte Räume bezie­hen, erhöhen nicht die gem. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Sätze 2 und 3 EStG abzieh­ba­ren Betriebs­aus­ga­ben für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer. Sie sind ent­ge­gen der Auf­fas­sung des FG auch nicht mit­tel­bar als all­ge­meine Gebäu­de­kos­ten über den Flächen­an­teil des Arbeits­zim­mers bei den Betriebs­aus­ga­ben zu berück­sich­ti­gen. Das FG-Urteil, das von ande­ren Grund­sät­zen aus­ge­gan­gen ist, war daher auf­zu­he­ben. Die Fest­stel­lun­gen des FG erlau­ben jedoch keine absch­lie­ßende Ent­schei­dung des BFH über alle von den Klä­gern gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen, so dass eine Zurück­ver­wei­sung gebo­ten war.

Reno­vie­rungs- oder Repa­ra­tur­auf­wen­dun­gen, die wie z.B. Schuld­zin­sen, Gebäude-AfA oder Müll­ab­fuhr­ge­büh­ren für das gesamte Gebäude anfal­len, sind zwar nach dem Flächen­ver­hält­nis auf­zu­tei­len und damit antei­lig zu berück­sich­ti­gen. Nicht antei­lig abzugs­fähig sind jedoch Kos­ten für einen Raum, der wie im Streit­fall das Bade­zim­mer und der Flur der Klä­ger aus­sch­ließ­lich - oder mehr als in nur unter­ge­ord­ne­tem Umfang - pri­va­ten Wohn­zwe­cken dient. Erfol­gen Bau­maß­nah­men in Bezug auf einen pri­vat genutz­ten Raum, fehlt es an Gebäu­de­kos­ten, die nach dem Flächen­ver­hält­nis auf­zu­tei­len und antei­lig abzugs­fähig sind.

Da das FG vor­lie­gend keine hin­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen zu eben­falls strei­ti­gen Auf­wen­dun­gen für Arbei­ten an Roll­lä­den des Hau­ses der Klä­ger getrof­fen hat, konnte der BFH in der Sache nicht absch­lie­ßend ent­schei­den. Dies Sache war daher an das FG zurück­zu­ver­wei­sen. Sollte es dabei um die Roll­la­den­an­lage des Wohn­zim­mers gegan­gen sein, lägen auch inso­weit keine abzieh­ba­ren Auf­wen­dun­gen vor.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH ver­öf­f­ent­licht.
  • Um direkt zum Voll­text zu kom­men, kli­cken Sie bitte hier.
nach oben