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Steuerberatung

Gewerbesteuerliche Kürzung von Dividenden aus Drittstaatsbeteiligung

Der EuGH entschied im September 2018, dass die im Gewerbesteuergesetz enthaltenen Regelungen bezüglich Gewinnen, die aus Beteiligungen an Kapitalgesellschaften in Drittstaaten herrühren, EU-rechtswidrig sind. Die Finanzverwaltung reagiert nun hierauf.

§ 9 Nr. 7 GewStG sieht die Kür­zung des Gewer­be­er­trags eines gewer­be­steu­erpf­lich­ti­gen Unter­neh­mens um sol­che Gewinne vor, die aus Schach­tel­be­tei­li­gun­gen an bestimm­ten aktiv täti­gen Aus­land­s­toch­ter­ge­sell­schaf­ten erzielt wer­den. In Fäl­len, in denen die aus­län­di­sche Toch­ter­ge­sell­schaft ihre Brut­to­er­träge in dem (Wirt­schafts-)Jahr, für das sie aus­schüt­tet, nicht aus­sch­ließ­lich oder fast aus­sch­ließ­lich aus eige­ner akti­ver Tätig­keit und / oder aus Betei­li­gun­gen bezo­gen hat, für die sie sog. Lan­des­hol­ding bzw. sog. Funk­ti­ons­hol­ding ist, ist hin­ge­gen eine Kür­zung kraft Geset­zes aus­ge­sch­los­sen (§ 9 Nr. 7 Satz 1 ers­ter Halb­satz GewStG).

Gemäß Urteil des EuGH vom 20.9.2018 (Rs. C-685/16, EV) stellt § 9 Nr. 7 GewStG einen Ver­stoß gegen die Kapi­tal­ver­kehrs­f­rei­heit nach Art. 63 ff. AEUV dar, soweit für die gewer­be­steu­er­li­che Kür­zung der Aus­schüt­tun­gen von Dritt­staa­ten-Toch­ter­ge­sell­schaf­ten stren­gere Vor­aus­set­zun­gen wie für inlän­di­sche Toch­ter­ge­sell­schaf­ten (§ 9 Nr. 2a GewStG) gel­ten.

Laut den gleich lau­ten­den Erlas­sen der obers­ten Finanz­be­hör­den der Län­der vom 25.1.2019 ist die gel­tende Geset­zes­fas­sung des § 9 Nr. 7 GewStG auf Dritt­staa­ten­sach­ver­halte daher mit fol­gen­den Maß­g­a­ben anzu­wen­den:

  • Die Betei­li­gung von min­des­tens 15 % an der Toch­ter­ge­sell­schaft muss zu Beginn des Erhe­bungs­zei­traums beste­hen, wenn die in § 9 Nr. 7 Satz 1 ers­ter Halb­satz GewStG ent­hal­tene Vor­aus­set­zung, nach der die Betei­li­gung seit Beginn des Erhe­bungs­zei­traums unun­ter­bro­chen beste­hen muss, eine Kür­zung aus­sch­lie­ßen würde.
  • Die beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen für die Brut­to­er­träge, die von der Toch­ter­ge­sell­schaft bezo­gen wer­den, nach § 9 Nr. 7 Satz 1 ers­ter Halb­satz GewStG müs­sen nicht erfüllt sein.
  • Die beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen für Gewinne aus Enkel­ge­sell­schaf­ten, die über die Toch­ter­ge­sell­schaft bezo­gen wer­den, nach § 9 Nr. 7 Satz 4 bis 6 GewStG und die Nach­weis­vor­schrif­ten des § 9 Nr. 7 Satz 7 GewStG hierzu sind nicht anzu­wen­den.

Vor­ste­hende Grund­sätze gel­ten in allen offe­nen Fäl­len und bis zur Anwen­dung einer gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung des § 9 Nr. 7 GewStG.

Hin­weis

In Fäl­len, in denen bis­lang die gewer­be­steu­er­li­che Kür­zung der Aus­schüt­tun­gen von Dritt­staa­ten-Toch­ter­ge­sell­schaf­ten aus­ge­sch­los­sen war, weil nach § 9 Nr. 7 GewStG stren­gere Vor­aus­set­zun­gen wie für Aus­schüt­tun­gen inlän­di­scher Toch­ter­ge­sell­schaf­ten zur Anwen­dung gekom­men sind, soll­ten ver­fah­rens­recht­li­che Schritte geprüft wer­den, um die Kür­zung noch zu errei­chen.

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