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Wirtschaftsprüfung

FISG: Vorsicht bei der Beauftragung bestimmter Prüfungsleistungen

Mit dem Fi­nanz­markt­in­te­gritätsstärkungs­ge­setz (FISG) wurde das Bi­lanz­kon­troll­ver­fah­ren grund­le­gend re­for­miert und die Ab­schlussprüfung wei­ter re­gu­liert. Da­mit wurde dem Um­stand Rech­nung ge­tra­gen, dass das Ver­fah­ren im We­sent­li­chen der In­te­grität und Sta­bi­lität des Ka­pi­tal­markts dient und das Ver­trauen der An­le­ger in den deut­schen Ka­pi­tal­markt stärkt. Die­ses Ziel be­sit­zen auch die wei­te­ren re­gu­la­to­ri­schen Maßnah­men. So dürfen Ab­schlussprüfer und auch Wirt­schaftsprüfer, die be­stimmte sons­tige Prüfungs­auf­ga­ben er­brin­gen, zusätz­lich keine un­zulässi­gen Nichtprüfungs­leis­tun­gen über­neh­men.

Ein An­lie­gen des Ge­setz­ge­bers war es, die Un­abhängig­keit der Ab­schlussprüfer zu stärken. Dazu wurde auch für Ka­pi­tal­markt­un­ter­neh­men eine ver­pflich­tende ex­terne Prüfer­ro­ta­tion nach zehn Jah­ren ein­geführt und die Pflicht zur Tren­nung von Prüfung und Be­ra­tung bei Un­ter­neh­men von öff­ent­li­chem In­ter­esse we­sent­lich aus­ge­wei­tet.

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Während in der Ver­gan­gen­heit Be­ra­tungs­leis­tun­gen (wie bspw. Steu­er­be­ra­tungs- und Be­wer­tungs­leis­tun­gen) in ge­wis­sem Um­fang zusätz­lich zur Prüfungs­leis­tung er­bracht wer­den durf­ten, ist nun­mehr der Ka­ta­log ver­bo­te­ner Nichtprüfungs­leis­tun­gen nach Art. 5 der Ab­schlussprüfer-VO (VO (EU) 537/2014), kurz EU-APrVO, in Deutsch­land un­ein­ge­schränkt an­wend­bar - da­bei geht es längst nicht nur um die Tren­nung von Prüfung und Steu­er­be­ra­tung.

Gemäß der EU-APrVO sind Nichtprüfungs­leis­tun­gen alle Leis­tun­gen, die nicht ge­setz­li­che Ab­schlussprüfungs­leis­tun­gen sind. So­weit diese Leis­tun­gen nicht durch die Black­list des Art. 5 Abs. 1 EU-APrVO aus­ge­schlos­sen sind, können sie grundsätz­lich durch den Ab­schlussprüfer er­bracht wer­den. Mit In­kraft­tre­ten des FISG ist in Deutsch­land für den Ab­schlussprüfer ei­nes PIE die Er­brin­gung sämt­li­cher in der Black­list (Art. 5 Abs. 1 EU-APrVO) auf­geführ­ten Leis­tun­gen für nach dem 31.12.2021 be­gin­nende Ge­schäfts­jahre ver­bo­ten.

Mit dem FISG wurde darüber hin­aus für ver­schie­dene Tätig­kei­ten des Wirt­schaftsprüfers ein Ver­bot der gleich­zei­ti­gen Er­brin­gung von Nichtprüfungs­leis­tun­gen nach Art. 5 Abs. 1 EU-APrVO ge­re­gelt. Da­mit gilt die sog. Black­list nicht mehr nur für Ab­schlussprüfer, son­dern auch für Wirt­schaftsprüfer, die fol­gende Prüfungs­leis­tun­gen an Un­ter­neh­men von öff­ent­li­chem In­ter­esse er­brin­gen:

  • Son­derprüfun­gen gemäß § 143 AktG zur Prüfung von Vorgängen bei der Gründung oder der Ge­schäftsführung, ins­be­son­dere auch bei Maßnah­men der Ka­pi­tal­be­schaf­fung und Ka­pi­tal­her­ab­set­zung.
  • Son­derprüfung im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Ka­pi­tal­erhöhung aus Ge­sell­schafts­mit­teln (§ 209 Abs. 4 AktG, § 57f Abs. 3 GmbHG)
  • Son­derprüfung we­gen un­zulässi­ger Un­ter­be­wer­tung, § 258 Abs. 4 AktG
  • Prüfung von Un­ter­neh­mens­verträgen (§ 293d Abs. 1 AktG)
  • Ver­schmel­zungsprüfun­gen, § 11 Abs. 1 UmwG
  • Prüfung von Un­ter­la­gen über Ge­schäfts­an­ge­le­gen­hei­ten von Un­ter­neh­men ei­nes Fi­nanz­kon­glo­me­rats, § 29 Abs. 2 Satz 3 2. HS FKAG
  • Prüfung ei­nes Um­satz­verhält­nis­ses, § 4 Abs. 1 Mit­be­stEgG
  • Wei­tere Prüfun­gen, für die auf die ge­nann­ten Vor­schrif­ten ver­wie­sen wird (z.B. Gründungsprüfun­gen i. S. v. § 33 Abs. 5 AktG).

Gerne ste­hen wir Ih­nen zur Verfügung, so­fern Ihr Ab­schlussprüfer die gewünsch­ten Leis­tun­gen auf­grund der Neu­re­ge­lun­gen im FISG nicht mehr er­brin­gen darf. Ne­ben der klas­si­schen Ab­schlussprüfung bie­tet Eb­ner Stolz zahl­rei­che wei­tere Prüfungs­leis­tun­gen an:

  • Son­derprüfun­gen nach Ak­tien-, GmbH- und Um­wand­lungs­ge­setz (Ver­tragsprüfun­gen, Prüfung von Sach­ein­la­gen etc.)
  • Prüfung von Um­wand­lungs­vorgängen (z.B. Ver­schmel­zun­gen, Spal­tun­gen, Form­wech­sel)
  • Bestäti­gungs­leis­tun­gen im Rah­men von Un­ter­neh­mens­verkäufen
  • Über­schul­dungsprüfun­gen, Prüfun­gen ein­ge­tre­te­ner oder dro­hen­der Zah­lungs­unfähig­keit von Un­ter­neh­men
  • Sa­nie­rungsprüfun­gen und In­de­pen­dent Busi­ness Re­views
  • Un­ter­schla­gungsprüfun­gen
  • Prüfun­gen nach dem Haus­halts­grundsätze­ge­setz
  • Prüfun­gen nach dem Ver­pa­ckungs­ge­setz (z.B. Dua­les Sys­tem)
  • Prüfung von In­ter­nen Kon­troll­sys­te­men, Ri­si­ko­ma­nage­ment­sys­te­men und Com­pli­ance Ma­nage­ment Sys­te­men
  • Prüfung von Börsen­mak­lern
  • Prüfung und Tes­tie­rung von Fi­nanz­aus­ga­ben im Zu­sam­men­hang mit EU-Förder­mit­teln
  • Mit­tel­ver­wen­dungsprüfung (ESF, Zu­wen­dun­gen von Stif­tun­gen)
  • Prüfung nach den Vor­schrif­ten des KWKG und EEG

 

 

 

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