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Steuerberatung

Ermäßigter Steuersatz für das Legen eines Hauswasseranschlusses

BFH 7.2.2018, XI R 17/17

Das Le­gen ei­nes Haus­was­ser­an­schlus­ses ist auch dann als "Lie­fe­rung von Was­ser" i.S.d. § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Nr. 34 der An­lage 2 zum UStG an­zu­se­hen, wenn diese Leis­tung nicht von dem Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men er­bracht wird, das das Was­ser lie­fert.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin ist eine GmbH, die Tief­bau­ar­bei­ten ausführt. So er­rich­tet sie u.a. Trink­was­ser­an­schlüsse als Ver­bin­dun­gen vom öff­ent­li­chen Trink­was­ser­netz zum je­wei­li­gen Gebäude­be­reich. Zu den ver­trag­li­chen Be­zie­hun­gen bei der Er­brin­gung die­ser Leis­tun­gen in den Streit­jah­ren 2009 bis 2012 hat das FG fest­ge­stellt, dass die Auf­trags­ver­gabe je­weils vom zuständi­gen Was­ser- und Ab­was­ser­zweck­ver­band an die Kläge­rin er­folgte, die Ab­rech­nung je­doch di­rekt zwi­schen der Kläge­rin und dem je­wei­li­gen Grundstücks­ei­gentümer statt­fand. Die Rech­nungs­le­gung er­folgte ge­trennt: Für die Her­stel­lung des An­schlus­ses von der Haupt­ver­sor­gungs­lei­tung bis zur Grundstücks­grenze ge­genüber dem Was­ser- und Ab­was­ser­zweck­ver­band und von der Grundstücks­grenze bis ins Haus ge­genüber dem Grundstücks­ei­gentümer oder Bau­herrn. In kei­nem Fall war die Her­stel­lung der An­schlüsse mit wei­te­ren Bau­leis­tun­gen ver­bun­den.

Für die Her­stel­lung der Trink­was­ser­an­schlüsse er­teilte die Kläge­rin den Grundstücks­ei­gentümern bzw. Bau­her­ren in den Streit­jah­ren Rech­nun­gen un­ter Aus­weis von Um­satz­steuer i.H.v. 7 %, weil sie da­von aus­ging, es han­dele sich bei die­sen Leis­tun­gen um "Lie­fe­run­gen von Was­ser" i.S.d. § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Nr. 34 der An­lage 2 zum UStG. Nach ei­ner Außenprüfung bei der Kläge­rin war das Fi­nanz­amt der Auf­fas­sung, dass es sich in­so­weit um Leis­tun­gen han­dele, die dem Re­gel­steu­er­satz un­ter­lie­gen, da es sich bei der Kläge­rin um ein Bau­un­ter­neh­men han­dele. Für die An­wen­dung des ermäßig­ten Steu­er­sat­zes müsse die Er­stel­lung des Haus­was­ser­an­schlus­ses und die Was­ser­be­reit­stel­lung durch ein und den­sel­ben Un­ter­neh­mer er­fol­gen. Hieran fehle es vor­lie­gend.

Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Die Re­vi­sion des Fi­nanz­am­tes blieb vor dem BFH er­folg­los.

Gründe:
Das FG hat zu­tref­fend auf die hier strei­ti­gen Leis­tun­gen der Kläge­rin den ermäßig­ten Steu­er­satz an­ge­wen­det.

Nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG ermäßigt sich die Steuer auf 7 % für die Lie­fe­run­gen, die Ein­fuhr und den in­ner­ge­mein­schaft­li­chen Er­werb der in der An­lage 2 zum UStG be­zeich­ne­ten Ge­genstände. Der EuGH hat in sei­nem Ur­teil Zweck­ver­band zur Trink­was­ser­ver­sor­gung und Ab­was­ser­be­sei­ti­gung Tor­gau-Wes­tel­bien (BStBl II 2009, 328) ent­schie­den, dass Art. 12 Abs. 3 a und An­hang H Ka­te­go­rie 2 der Sechs­ten Richt­li­nie 77/388/EWG des Ra­tes vom 17.5. 1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Um­satz­steu­ern (Richt­li­nie 77/388/EWG) da­hin aus­zu­le­gen sind, dass un­ter den Be­griff "Lie­fe­run­gen von Was­ser" auch das Le­gen ei­nes Haus­an­schlus­ses fällt, das in der Ver­le­gung ei­ner Lei­tung be­steht, die die Ver­bin­dung des Was­ser­ver­tei­lungs­net­zes mit der Was­ser­an­lage ei­nes Grundstücks ermöglicht (Leit­satz 2, S. 1). Da der Haus­an­schluss für die Was­ser­ver­sor­gung der All­ge­mein­heit un­ent­behr­lich sei, weil ohne den Haus­an­schluss dem Ei­gentümer oder Be­woh­ner des Grundstücks kein Was­ser be­reit­ge­stellt wer­den könnte, falle er un­ter den Be­griff "Lie­fe­run­gen von Was­ser" in An­hang H Ka­te­go­rie 2 der Richt­li­nie 77/388/EWG.

Der BFH hat zur Steu­er­ermäßigung für das Le­gen ei­nes Haus­was­ser­an­schlus­ses als Lie­fe­rung von Was­ser be­reits in 2016 ent­schie­den, dass nicht nur das erst­ma­lige Le­gen ei­nes Haus­an­schlus­ses, son­dern auch Ar­bei­ten zur Er­neue­rung oder zur Re­du­zie­rung von Was­ser­an­schlüssen un­ter die Steu­er­ermäßigung fal­len (BFH v. 10.8.2016, Az.: XI R 41/14) und es auf die Frage, ob es sich bei der Leis­tung um eine Lie­fe­rung ei­nes Ge­gen­stan­des oder um eine sons­tige Leis­tung (Dienst­leis­tung) han­delt, nicht an­kommt. Da­bei ist es un­er­heb­lich, ob der Leis­tungs­empfänger der Ver­le­gung des Haus­an­schlus­ses iden­ti­sch mit dem Leis­tungs­empfänger der Was­ser­lie­fe­run­gen ist und ob die Leis­tung von dem­sel­ben Un­ter­neh­mer er­bracht wird, der das Was­ser lie­fert.

An die­ser Recht­spre­chung hält der Se­nat auch wei­ter­hin fest. Das Ar­gu­ment der Fi­nanz­ver­wal­tung, dass Nr. 34 der An­lage 2 zum UStG auf die Un­ter­pos. 2201 9000 des Zoll­ta­rifs ver­weise, wes­halb die Steu­er­ermäßigung für das Le­gen ei­nes Haus­an­schlus­ses aus­ge­schlos­sen sei, ist nicht stich­hal­tig (s. hierzu BGH-Urt. v. 8.10. 2008, Az.: V R 61/03).

Link­hin­weis:

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