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EBM-Reform: Des einen Freud ist des anderen Leid

Nach jah­re­lan­gen Ver­hand­lun­gen ha­ben sich die Kas­senärzt­li­che Bun­des­ver­ei­ni­gung (KBV) und der GKV-Spit­zen­ver­band am 11.12.2019 auf eine Re­form des Ein­heit­li­chen Be­wer­tungsmaßstabs (EBM) ge­ei­nigt. Der neue EBM setzt den Be­schluss des Be­wer­tungs­aus­schus­ses von 2012 und Vor­ga­ben aus dem Ter­min­ser­vice- und Ver­sor­gungs­ge­setz (TSVG) um. Er tritt zum 1.4.2020 in Kraft.

Erklärtes Ziel der Wei­ter­ent­wick­lung des EBM war die Förde­rung der sog. „spre­chen­den Me­di­zin“. Gleich­zei­tig sollte die An­ge­mes­sen­heit der Be­wer­tung von Leis­tun­gen mit einem ho­hen tech­ni­schen Leis­tungs­an­teil, z. B. Ul­tra­schall- oder Rönt­gen­un­ter­su­chun­gen, überprüft wer­den.

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Das Be­stre­ben be­ruhte auf der Vor­gabe des Ge­setz­ge­bers, zu­wen­dungs­in­ten­sive Leis­tun­gen künf­tig bes­ser zu vergüten. Die dafür not­wen­di­gen Fi­nanz­mit­tel soll­ten durch Ab­wer­tun­gen im me­di­zi­ni­schen Be­reich ge­schaf­fen wer­den, um die Re­form punkt­sum­men- und aus­ga­ben­neu­tral hal­ten zu können, also durch Ho­no­rar­ver­schie­bun­gen.

Die Ver­schie­bun­gen im Ho­no­rar­sys­tem wur­den von den Be­rufs­verbänden leid­tra­gen­der Fach­grup­pen mas­siv kri­ti­siert. Eine Stärkung der „spre­chen­den Me­di­zin“ auf der einen Seite er­schwere an­de­ren Fach­grup­pen den Pra­xi­sall­tag und schüre schließlich die Furcht vor der Selbständig­keit.

Die KBV trat der Kri­tik mit der Veröff­ent­li­chung ei­ner Si­mu­la­ti­ons­be­rech­nung ent­ge­gen, wel­che die Wir­kun­gen auf das Ho­no­rar­gefüge be­le­gen soll­ten.

In­wie­weit diese Zah­len repräsen­ta­tiv sind, bleibt ab­zu­war­ten, denn künf­tige Verände­run­gen in der Men­gen­ent­wick­lung könn­ten sich auf die Zah­len aus­wir­ken, da sich die Si­mu­la­ti­ons­be­rech­nun­gen auf die Aus­wir­kun­gen des ab­ge­rech­ne­ten Leis­tungs­be­darfs gemäß re­gio­na­ler Euro-Gebühren­ord­nung be­zie­hen. Je­doch lässt die Be­rech­nung zu­min­dest ver­mu­ten, wel­che Fach­grup­pen von der EBM-Re­form pro­fi­tie­ren und wel­che be­son­ders harte Ver­luste er­lei­den.

Die größten Ge­win­ner der Re­form sind dem­nach die Anästhe­sis­ten, sie können Ho­no­rar­zuwächse von 6,8 % ver­zeich­nen. Eine ähn­lich po­si­tive Stei­ge­rungs­rate von 6,2 % er­war­tet Kin­der- und Ju­gend­psych­ia­ter und -psy­cho­the­ra­peu­ten so­wie Ner­venärzte. Bei den Neu­ro­lo­gen und Psych­ia­ter lie­gen die Zuwächse bei 4,1 % bzw. 6,4 %. Die Stei­ge­rungs­ra­ten der übri­gen von der Re­form pro­fi­tie­ren­den Fach­grup­pen lie­gen un­ter 2,6 %.

Ver­lie­rer sind die Fach­grup­pen der Ra­dio­lo­gie und Strah­len­the­ra­pie mit ei­ner Min­de­rungs­rate von -8,8 % bzw. -8,6 %. Es fol­gen die Nu­kle­ar­me­di­zi­ner (-7,6 %), An­gio­lo­gen (-6,4 %), Gastro­en­tero­lo­gen (-5,3 %) und Pneu­mo­lo­gen (-5,2 %).

Ne­ben der Stärkung der „spre­chen­den Me­di­zin“ wur­den mit der EBM-Re­form auch die Zeit­pro­file der ärzt­li­chen und psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Leis­tun­gen an­ge­passt, um die Ärzte vor un­ver­schul­de­ten Plau­si­bi­litätsprüfun­gen zu schützen. Im Rah­men ei­nes Ver­gleichs der Zeit­ansätze al­ler EBM-Leis­tun­gen mit den tatsäch­lich von den Ärz­ten ge­leis­te­ten Ar­beits­zei­ten hatte sich her­aus­ge­stellt, dass die bis­her ver­wen­de­ten Kal­ku­la­ti­ons­zei­ten in vie­len Be­rei­chen zu hoch be­mes­sen wa­ren. Die rea­litätsfrem­den Kal­ku­la­ti­ons­zei­ten trie­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zahl­rei­che Ärzte in un­be­rech­tigte Plau­si­bi­litätsprüfun­gen. Auf­grund des Fort­schritts im me­di­zin-tech­ni­schen Be­reich und der De­le­ga­ti­onsfähig­keit von Leis­tun­gen wur­den die Zei­ten durch­schnitt­lich um rund 30 % her­ab­ge­setzt.

Das Stan­dart­be­wer­tungs­sys­tem wurde in zwei wei­te­ren Punk­ten geändert: Der kal­ku­la­to­ri­sche Arzt­lohn wurde auf Ba­sis der Stei­ge­rungs­werte des Ori­en­tie­rungs­wer­tes der ver­gan­ge­nen Jahre von 105.000 Euro auf 117.000 Euro an­ge­ho­ben und die Pra­xis­kos­ten wur­den auf Ba­sis der Kos­ten­struk­tur­sta­tis­tik des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes ak­tua­li­siert.

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