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Rechtsberatung

Modernisierung des Personengesellschaftsrechts verabschiedet

Der Bun­des­tag hat am 25.06.2021 das sog. Ge­setz zur Mo­der­ni­sie­rung des Per­so­nen­ge­sell­schafts­rechts (Mo­PeG) ver­ab­schie­det. Da­mit wird ein struk­tu­rel­ler Wan­del im Recht der Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten voll­zo­gen. Die Neu­re­ge­lun­gen tre­ten über­wie­gend zum 01.01.2024 in Kraft.

Reform der Gesellschaft bürgerlichen Rechts

Im Mit­tel­punkt der Re­form steht die Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR). Ne­ben rich­tungs­wei­sen­den Neu­re­ge­lun­gen, wie der Ab­schaf­fung des Ge­samt­hand­ver­mö­gens oder der Ein­füh­rung ei­nes Ge­sell­schafts­re­gis­ters, trägt die Neu­re­ge­lung in ers­ter Li­nie zu ei­ner er­leich­ter­ten Teil­nahme der GbR am Ge­schäfts­ver­kehr bei und macht diese im Er­geb­nis zu ei­ner für das Wirt­schafts­le­ben bes­ser ge­eig­ne­ten Ge­sell­schafts­form.

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Vor­ge­se­hen ist zunächst die Ein­füh­rung ei­nes öff­ent­li­chen Re­gis­ters für die Ge­sell­schaf­ten bür­ger­li­chen Rechts. Im sog. Ge­sell­schafts­re­gis­ter kön­nen die für den Ge­schäfts­ver­kehr benö­t­ig­ten In­for­ma­tio­nen, bspw. zur Firma oder zu den Ver­t­re­tungs­be­rech­tig­ten der je­wei­li­gen Ge­sell­schaft, ein­ge­se­hen wer­den.

Die Ein­tra­gung im Ge­sell­schafts­re­gis­ter ist we­der verpf­lich­tend noch an eine be­stimmte Frist ge­bun­den. Beab­sich­ti­gen die Ge­sell­schaf­ter je­doch mit der GbR am Rechts­ver­kehr teil­zu­neh­men, insb. Rechte an Grund­stü­cken zu begrün­den oder Ge­sell­schaft­s­an­teile an ande­ren Un­ter­neh­men - bspw. an ei­ner GmbH oder Akti­en­ge­sell­schaft - zu er­wer­ben, ist dies nur nach vor­he­ri­ger Ein­tra­gung der GbR im Ge­sell­schafts­re­gis­ter zuläs­sig.

Im Ge­sell­schafts­re­gis­ter ein­ge­tra­gene Ge­sell­schaf­ten sind dazu ver­pflich­tet, den Zu­satz „ein­ge­tra­gene Ge­sell­schaft bürger­li­chen Rechts“ oder „eGbR“ zu tra­gen, § 707a Abs. 2 BGB.

Will eine GbR nicht nach außen hin in Er­schei­nung tre­ten, son­dern dient der Zu­sam­men­schluss aus­sch­ließ­lich einem zwi­schen den Ge­sell­schaf­tern be­ste­hen­den Zweck - bspw. der in­ter­nen Ab­stim­mung von Stimm­rechts­kon­sor­tien - ist auch wei­ter­hin keine Ein­tra­gung er­for­der­lich.

Das Ver­mö­gen der Ge­sell­schaft wird auf­grund der Re­form der GbR selbst und nicht mehr wie bis­her den Ge­sell­schaf­tern in ih­rer Ge­samt­heit (Ge­samt­hand) zuge­rech­net.

Sind an Ge­sell­schaf­ten bür­ger­li­chen Rechts aus­sch­ließ­lich Ge­sell­schaf­ten be­tei­ligt, ob­lie­gen den Orga­nen der be­tei­lig­ten Ge­sell­schaf­ten bei Zah­lung­s­un­fähig­keit oder Über­schul­dung der GbR ges­tei­gerte Hand­lungs- und Un­ter­las­sungspf­lich­ten. So muss mit Ein­tritt von In­sol­venz­grün­den prin­zi­pi­ell jede hier­nach von den Ge­schäfts­füh­r­ern der be­tei­lig­ten Ge­sell­schaf­ten für die GbR ge­leis­tete Zah­lung voll­um­fäng­lich er­stat­tet wer­den. Fer­ner sind die Or­gane zur Stel­lung ei­nes In­sol­venz­an­trags verpf­lich­tet.

Im Grund­buch wird nur noch die GbR selbst ein­ge­tra­gen, die na­ment­li­che Nen­nung sämt­li­cher Ge­sell­schaf­ter ist da­mit obso­let. Bei einem Wech­sel im Ge­sell­schaf­ter­be­stand erüb­rigt sich da­mit die zeit- und kos­ten­in­ten­sive Be­rich­ti­gung des Grund­buchs.

An­teilsüber­tra­gun­gen bei der GbR sind nach der Re­form grundsätz­lich zulässig. Diese sind je­doch an die Zu­stim­mung der übri­gen Ge­sell­schaf­ter geknüpft. Die Über­tra­gung be­darf kei­ner Form, was auch für den Fall gel­ten soll, dass die GbR über Grund­be­sitz oder An­teile an Ge­sell­schaf­ten ver­fügt. Ab­wei­chende Rege­lun­gen im Ge­sell­schafts­ver­trag sind zulässig.

Sch­ließ­lich wurde im Zuge der Re­form die Be­tei­li­gung der GbR an in­ner­staat­li­chen Um­wand­lun­gen ermög­licht. Die GbR kann so­wohl pas­siv wie auch ak­tiv an Ver­sch­mel­zun­gen, Spal­tun­gen und ande­ren Um­wand­lungs­ak­ten teil­neh­men.

Reform der GmbH & Co. KG

Das Re­form­vor­ha­ben er­streckte sich zu­dem auf die im Mit­tel­stand be­liebte Rechts­form der GmbH & Co. KG.

Öff­nung der GmbH & Co. KG für Frei­be­ruf­ler

Nun­mehr können sich Ge­sell­schaf­ter auch zur ge­mein­sa­men Aus­übung der sog. „Freien Beru­fe“ - z. B. Ärzte, Wirt­schafts­prü­fer, Steu­er­be­ra­ter, Rechts­an­wälte - in der Rechts­form der Kom­man­dit­ge­sell­schaft bzw. GmbH & Co. KG zu­sam­men­sch­lie­ßen. Bis­lang war dies aus­sch­ließ­lich Un­ter­neh­mun­gen mit ge­werb­li­chem Ge­gen­stand vor­be­hal­ten.

Dies steht je­doch un­ter dem Vor­be­halt, dass die be­rufs­recht­li­chen Vor­schrif­ten des je­wei­li­gen Be­rufs­stan­des einen Zu­sam­men­schluss in der Rechts­form der (GmbH & Co.) KG zu­las­sen. Die aktu­ell gel­ten­den Be­schrän­kun­gen auf Ebene des Lan­des­rechts sol­len auf­ge­weicht und spe­zi­fi­sche Rege­lun­gen im sach­nähe­ren Be­rufs­recht ge­schaf­fen wer­den. Die Ent­wick­lung die­ser Vor­gabe auf Lan­des­e­bene ist da­her auf­merk­sam zu beo­b­ach­ten.

Un­ter der ge­nann­ten Prä­misse tritt die GmbH & Co. KG bei Be­rufs­trä­gern da­her in di­rekte Kon­kur­renz zur Part­ner­schafts­ge­sell­schaft mit be­schränk­ter Be­rufs­haf­tung (PartmbB).

Die Wahl zwi­schen die­sen bei­den Rechts­for­men dürfte im We­sent­li­chen von der Ge­wich­tung nach­fol­gen­der Ge­sichts­punkte abhän­gen: 

  • Die GmbH & Co. KG er­zielt im Falle der ge­werb­lich gepräg­ten Per­so­nen­ge­sell­schaft Ein­künfte aus Ge­wer­be­be­trieb, wel­che der Ge­wer­be­steuer un­ter­lie­gen. Die PartmbB hin­ge­gen wird nicht als Ge­wer­be­be­trieb qua­li­fi­ziert und un­ter­liegt dem­zu­folge kei­ner Ge­wer­be­steu­erpf­licht.
  • Die Haf­tung der Part­ner ei­ner PartmbB ist nur inso­weit be­schränkt, als diese auf ei­ner feh­ler­haf­ten Be­rufs­aus­übung, bspw. auf Bera­tungs­feh­lern, be­ruht. Nur un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen ist eine Haf­tung des Be­rufs­trä­gers auf die Ver­si­che­rungs­summe der Be­rufs­haftpf­licht­ver­si­che­rung be­schränkt. Für sons­tige Ver­bind­lich­kei­ten - bspw. aus Miet­ver­hält­nis­sen oder ge­gen­über Ange­s­tell­ten - haf­tet der Part­ner hin­ge­gen unbe­schränkt und mit sei­nem Pri­vat­ver­mö­gen.
  • Die GmbH & Co. KG bie­tet inso­weit den Vor­teil, dass eine Haf­tung der Kom­man­di­tis­ten hin­sicht­lich al­ler Ver­bind­lich­kei­ten (auf die Haft­ein­lage) be­schränkt wer­den kann, unab­hän­gig da­von, ob die Ver­bind­lich­keit bei spe­zi­fi­scher Be­rufs­aus­übung oder in sons­ti­ger Weise begrün­det wurde.
Strei­tig­kei­ten über Ge­sell­schaf­ter­be­schlüsse

Will ein Ge­sell­schaf­ter ei­ner OHG oder (GmbH & Co.) KG die Rechts­wid­rig­keit ei­nes in der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung ge­fass­ten Be­schlus­ses ge­richt­lich gel­tend ma­chen, ist hier­für - mit Aus­nahme be­son­ders schwer­wie­gen­der Ver­stöße ge­gen die Re­geln der Ein­be­ru­fung und Ab­hal­tung der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung - eine Frist von drei Mona­ten zu be­ach­ten. Lässt er die Frist ver­st­rei­chen, ist der be­tref­fende Be­schluss unan­fecht­bar.

Um den da­mit ver­bun­de­nen Zeit­druck der Ge­sell­schaf­ter zur ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung der Be­schluss­män­gel abzu­mil­dern und die Mög­lich­keit ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Streit­bei­le­gung nicht zu gefähr­den, wird der Lauf die­ser Frist bei Ver­g­leichs­ver­hand­lun­gen ge­hemmt.

Haf­tungs­ver­schär­fung für Kom­man­di­tis­ten

Der Grund­satz, dass Kom­man­di­tis­ten bis zur Ein­tra­gung ih­rer Haft­ein­lage im Han­dels­re­gis­ter ei­ner unbe­schränk­ten Haf­tung un­ter­lie­gen, gilt nach der Re­form auch dann, wenn dem Gläu­bi­ger die (noch nicht ein­ge­tra­gene) Kom­man­di­tis­ten­stel­lung be­kannt war.

Zu­dem dürfen sich Kom­man­di­tis­ten in Zu­kunft nicht mehr auf die in gu­tem Glau­ben er­rich­tete Bi­lanz ver­las­sen, son­dern müs­sen be­reits aus­ge­schüt­tete (Schein-) Ge­winne bei sich nach­träg­lich her­aus­s­tel­len­den Bi­lan­zie­rungs­feh­lern mit Ge­winn­aus­wir­kung zurück­zah­len.

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