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Cash Conversion Cycle im Benchmark

Aus der zu­neh­men­den An­zahl von Kran­kenhäusern, die auf­grund von Li­qui­ditätsengpässen akut in­sol­venz­gefähr­det sind, ist die Not­wen­dig­keit ei­nes ef­fek­ti­ven Li­qui­ditätsma­nage­ments ab­zu­lei­ten.

Die Kenn­zahl „Cash Con­ver­sion Cy­cle“ (Geld­um­schlags­dauer; im Fol­gen­den CCC ) ermöglicht eine kran­ken­hausüberg­rei­fende Ana­lyse der li­qui­ditätsre­le­van­ten Kern­pro­zesse.

© adobestock

Im Fol­gen­den wer­den zunächst die kom­plexe Kenn­zahl so­wie ihre ein­zel­nen Be­stand­teile erläutert. Dar­auf­hin er­folgt eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung über die An­wend­bar­keit des CCC auf den Li­qui­ditäts­kreis­lauf von Kran­kenhäusern. Da­bei wird die Kenn­zahl auf die Be­son­der­heit des per­so­nal­in­ten­si­ven Ge­schäftsmo­dells von Kli­ni­ken an­ge­passt. An­schließend ana­ly­sie­ren wir das Li­qui­ditätsma­nage­ment von Kran­kenhäusern, in­dem wir die Kenn­zahl im Rah­men ei­nes Bench­marks un­ter­su­chen.

Durchschnittliche Geldumschlagsdauer laut CCC

Der CCC ist eine we­sent­li­che Steue­rungs­größe des Working Ca­pi­tal Ma­nage­ments und spie­gelt den Li­qui­ditäts­kreis­lauf in einem Un­ter­neh­men wi­der. Mit Hilfe die­ser Kenn­zahl wird die durch­schnitt­li­che Geld­um­schlags­dauer und da­mit auch die Mit­tel­ bzw. Ka­pi­tal­bin­dung in einem Un­ter­neh­men dar­ge­stellt. Je nied­ri­ger der CCC ist, desto nied­ri­ger ist der ef­fek­tive Ka­pi­tal­be­darf für den ope­ra­ti­ven Be­trieb. Be­rech­net wird die Kenn­zahl aus der Summe der De­bi­to­ren­lauf­zeit (DSO) und der durch­schnitt­li­chen La­ger­dauer (DIO) abzüglich der Kre­di­to­ren­lauf­zeit (DPO). Die De­bi­to­ren­ und Kre­di­to­ren­lauf­zeit stel­len im CCC die Ka­pi­tal­bin­dung un­abhängig des Wert­schöpfungs­pro­zes­ses dar. Während die De­bi­to­ren­lauf­zeit den durch­schnitt­li­chen Zeit­raum zwi­schen Leis­tungs­er­brin­gung (im Kran­ken­haus die Ent­las­sung des Pa­ti­en­ten) und Zah­lungs­ein­gang in Ta­gen be­misst, wird bei der Kre­di­to­ren­lauf­zeit er­mit­telt, wie schnell die Lie­fe­ran­ten­ver­bind­lich­kei­ten be­gli­chen wer­den. Da­bei wirkt sich eine höhere De­bi­to­ren­lauf­zeit ne­ga­tiv auf den CCC aus, da der Zeit­raum zwi­schen Leis­tungs­er­brin­gung und Li­qui­ditätsge­ne­rie­rung verlängert wird. Im Ge­gen­zug verzögert eine lange Kre­di­to­ren­lauf­zeit den Li­qui­ditätsab­fluss, was einen po­si­ti­ven Ef­fekt auf den CCC hat. Die durch­schnitt­li­che La­ger­dauer zeigt die durch­schnitt­li­che Dauer der Vor­rats­hal­tung. Eine zeit­nahe Ver­wen­dung der Vorräte hat dem­nach zur Folge, dass die Ma­te­ria­lien im Wert­schöpfungs­pro­zess schnel­ler in li­quide Mit­tel um­ge­wan­delt wer­den, wo­durch der CCC im Um­kehr­schluss verkürzt wird.

Das fol­gende Zah­len­be­spiel soll hel­fen, ein Verständ­nis für die ein­zel­nen Ele­mente des CCC zu ge­win­nen:

© Abb. 1: Darstellung CCC

Anwendung des CCC im Krankenhausbereich

An­hand die­ses Bei­spiels wird un­ter an­de­rem deut­lich, dass die herkömm­li­che Kenn­zahl des CCC bei Kran­kenhäusern an ihre Gren­zen stößt. Sie eig­net sich für die In­ter­pre­ta­tion von Li­qui­ditätsma­nage­ment insb. im pro­du­zie­ren­den Ge­werbe, des­sen Wert­schöpfungs­kette sich vor al­lem im Hin­blick auf die Ein­satz­fak­to­ren we­sent­lich von der der Kran­kenhäuser un­ter­schei­det. Da  im Kran­ken­haus­be­reich der we­sent­li­che Ein­satz­fak­tor das Hu­man­ka­pi­tal ist, muss dies bei der Un­ter­su­chung des CCC berück­sich­tigt wer­den.

Des­halb wird in der fol­gen­den Ana­lyse der CCC so an­ge­passt, dass die Per­so­nal­in­ten­sität im Wert­schöpfungs­pro­zess ent­spre­chend Berück­sich­ti­gung fin­det (CCCadj). Der CCC wird ver­ein­facht in zwei ver­schie­dene Kom­po­nen­ten (CCCMA, PA) zer­legt. Diese wer­den im An­schluss mit ei­ner ent­spre­chen­den Ge­wich­tung wie­der zu­sam­menge­fügt.

Hier­bei ver­deut­licht auch wie­der un­ser Zah­len­bei­spiel die Vor­ge­hens­weise. Ergän­zend wird in un­se­rem Mus­ter­kli­ni­kum ein Per­so­nal­auf­wand (PA) in Höhe von TEUR 1.400 an­ge­nom­men.

Der an­ge­passte CCCadj wird wie folgt be­rech­net:

CCCadj = CCCMA * (MA/(MA+PA)) + CCCPA * (PA/(MA+PA))

Der CCCMA ent­spricht dem ur­sprüng­li­che be­rech­ne­ten CCCMA und wird ent­spre­chend dem Verhält­nis des Ma­te­ri­al­auf­wan­des zu den ver­ein­fach­ten Ge­samt­auf­wen­dun­gen (MA+PA) berück­sich­tigt.

Zur Er­mitt­lung des CCCPA wer­den von der De­bi­to­ren­lauf­zeit 15 Tage ab­ge­zo­gen. Die 15 Tage ent­spre­chen dem durch­schnitt­li­chen Zah­lungs­ziel für die Ar­beits­leis­tung der Mit­ar­bei­ter. Hier er­folgt eine Ge­wich­tung mit dem An­teil des Per­so­nal­auf­wan­des zu den ver­ein­fach­ten Ge­samt­auf­wen­dun­gen (MA+PA).

Durch die Ge­wich­tung wird der ent­spre­chend ho­hen Per­so­nal­kos­ten­ so­wie der re­la­tiv nied­ri­gen Ma­te­ri­al­kos­ten­in­ten­sität Rech­nung ge­tra­gen (s. Abb. 2).Nach der An­pas­sung ent­steht ein ad­jus­tier­ter CCC in Höhe von 17,0 Ta­gen. Die Verän­de­rung re­sul­tiert aus zwei ge­genläufi­gen Ef­fek­ten: Während die DIO durch ihre ge­rin­gere Ge­wich­tung zu ei­ner Re­du­zie­rung des CCC führt, be­wirkt das im Ver­gleich zu den Lie­fe­ran­ten­rech­nun­gen kürzere Zah­lungs­ziel für die Ar­beits­leis­tung der Mit­ar­bei­ter eine Ver­schlech­te­rung der Kenn­zahl.

© Abb. 2: Darstellung CCCadj

Benchmarking des CCCadj

Für un­se­ren an­ge­pass­ten CCCadj ha­ben wir auf Ba­sis ei­ner Grund­ge­samt­heit von über 200 veröff­ent­lich­ten Jah­res­ab­schlüssen deut­scher Kran­kenhäuser ein Bench­mar­king vor­ge­nom­men. Bei der Ana­lyse wird grundsätz­lich zwi­schen öff­ent­li­chen, priva­ten und frei­ge­meinnützi­gen Träger­schaf­ten un­ter­schie­den. Darüber hin­aus wird für eine an­ge­mes­sene Berück­sich­ti­gung von Ex­trem­wer­ten der Me­dian ver­wen­det. Der Me­dian des CCCadj im Bench­mark liegt bei 43,7 Ta­gen un­abhängig von der je­wei­li­gen Träger­schaft. Da­bei bil­den öff­ent­li­che Kran­kenhäuser mit 45,4 Ta­gen das Schluss­licht, dicht ge­folgt von Kli­ni­ken in frei­ge­mein­nützi­ger Träger­schaft mit 43,7 Ta­gen. Kran­kenhäuser aus ei­ner pri­va­ten Träger­schaft ste­hen mit 39,6 Ta­gen am bes­ten da. Die Er­geb­nisse zei­gen, wie er­war­tet, dass Kran­kenhäuser der öff­ent­li­chen Hand nicht un­er­heb­li­che Po­ten­ziale in den leis­tungs­wirt­schaft­li­chen und ad­mi­nis­tra­ti­ven Pro­zes­sen auf­wei­sen. Insb. wir­ken sich hier die schlech­te­ren Pro­zess­kenn­zah­len im Be­reich der De­bi­to­ren­lauf­zeit aus. Häufig er­folgt die Fall­frei­gabe erst mit Verzöge­run­gen und da­mit deut­lich nach Ent­lass­da­tum, was dazu führt, dass sich der bran­chenim­ma­nente Vor­fi­nan­zie­rungs­ef­fekt durch ver­meint­li­che Pro­zess­schwächen wei­ter verstärkt.

© Abb. 3: Darstellung CCCadj im Krankhaus­ Benchmark

Fazit

Der Vor­teil des CCC ist, dass sich mit ihm der  Li­qui­ditäts­kreis­lauf des Kran­ken­haus­un­ter­neh­mens ganz­heit­lich ana­ly­sie­ren und ab­bil­den lässt. In sei­ner Rein­form ist die­ser nicht kom­pro­miss­los auf Kran­kenhäuser anzu­wen­den. Da­bei führen vor al­lem die man­gelnde bran­chen­spe­zi­fi­sche Re­le­vanz der Kenn­zah­len der Kre­di­to­ren­lauf­zeit und der durch­schnitt­li­chen La­ger­dauer zu Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen. Eine Berück­sich­ti­gung der ho­hen Per­so­nal­in­ten­sität ist für eine Steue­rung über diese Kenn­zahl zwin­gend not­wen­dig. Die­ses wird über den CCCadj adäquat ab­ge­bil­det.

Gerne un­terstützen wir Sie hier­bei mit un­se­rer Pro­jekt­er­fah­rung so­wie mit un­se­rem in­te­grier­ten Pla­nungs­tool, wel­ches un­ter an­de­rem über eine ver­ein­fachte Funk­tion zur Be­rech­nung und Pla­nung der Kenn­zahl CCCadj verfügt.

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