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Steuerberatung

Ausfall von Gesellschafterdarlehen und Refinanzierungszinsen

In sei­nem Ur­teil vom 9.7.2019 (Az. X R 9/17, DStR 2019, S. 2626) hatte der BFH darüber zu ent­schei­den, ob Re­fi­nan­zie­rungs­zin­sen ei­nes Ge­sell­schaf­ters für Dar­le­hen, die er ei­ner GmbH gewährt hatte, an der er zunächst un­mit­tel­bar, später dann mit­tel­bar be­tei­ligt war, so­wie der Aus­fall die­ser Dar­le­hen steu­er­lich gel­tend ge­macht wer­den können.

Da­bei lehnt der BFH zunächst eine Berück­sich­ti­gung im Rah­men ge­werb­li­cher Einkünfte ab. Die Ver­gabe von Kre­di­ten an Ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten, an wel­chen der Kre­dit­ge­ber un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar be­tei­ligt ist, sei auch dann nicht als ge­werb­li­che Tätig­keit ein­zu­stu­fen, wenn er­heb­li­che Kre­dit­vo­lu­mina ver­ge­ben wer­den. Nach Auf­fas­sung des BFH müssen für eine Über­schrei­tung der Grenze der pri­va­ten Vermögens­ver­wal­tung Dar­le­hen an ver­schie­dene Per­so­nen bank­ge­schäftsähn­lich ver­ge­ben wer­den.

Der Aus­fall der Ka­pi­tal­for­de­run­gen kann laut BFH auch nicht als Ver­lust bei den Einkünf­ten aus Ka­pi­tal­vermögen Berück­sich­ti­gung fin­den. Zwar be­jahte der BFH in sei­nem Ur­teil vom 24.10.2017 (Az. VIII R 13/15, DStR 2017, S. 2801) eine sol­che Berück­sich­ti­gung nach Einführung der Ab­gel­tung­steuer, da da­mit nicht nur die Erträge aus der Ka­pi­tal­for­de­rung, son­dern auch die Ka­pi­tal­for­de­rung selbst dem steu­er­lich re­le­van­ten Be­reich zu­ge­ord­net wer­den. Dies gelte, so der BFH nun in sei­nem ak­tu­el­len Ur­teil, je­doch nur dann, wenn die Ka­pi­tal­for­de­rung nach dem 31.12.2008 begründet oder an­ge­schafft wor­den ist, was im Streit­fall nicht ge­ge­ben war.

Ebenso we­nig war un­ter Be­zug­nahme auf das Ur­teil des BFH vom 11.7.2017 (Az. IX R 36/15, BStBl. II 2019, S. 208) und der darin ent­hal­te­nen Ver­trau­ens­schutz­re­ge­lung ein Ab­zug als nachträgli­che An­schaf­fungs­kos­ten gemäß § 17 EStG möglich, da der Ge­sell­schaf­ter in den Streit­jah­ren nur noch mit­tel­bar an der Schuld­ner-GmbH be­tei­ligt war.

Al­ler­dings kommt laut Auf­fas­sung des BFH im Streit­fall mögli­cher­weise ein Ab­zug der Re­fi­nan­zie­rungs­kos­ten als Wer­bungs­kos­ten bei den Einkünf­ten aus Ka­pi­tal­vermögen in Be­tracht, wenn an­stelle der Ab­gel­tung­steuer die Be­steue­rung mit dem ta­rif­li­chen Steu­er­satz zur An­wen­dung kommt. Es könnte der Aus­nah­me­fall von Ka­pi­tal­erträgen von ei­ner dem An­teils­eig­ner na­he­ste­hen­den Per­son vor­lie­gen, so­fern Zins­erträge und keine Be­tei­li­gungs­erträge ge­ge­ben sind (§ 32d Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 Buchst. b Satz 2 EStG). Das für die An­wen­dung die­ser Re­ge­lung er­for­der­li­che Näheverhält­nis lag im Streit­fall laut BFH vor, da der (mit­tel­bar be­tei­ligte) Ge­sell­schaf­ter auf­grund sei­ner Be­tei­li­gung an der An­teils­eig­ner-Ka­pi­tal­ge­sell­schaft der Schuld­ne­rin in der Lage war, in der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung der An­teils­eig­ner-Ka­pi­tal­ge­sell­schaft sei­nen Wil­len durch­zu­set­zen.

Hinweis

Der BFH wies die Sa­che an das FG Köln zurück, das nun u. a. zu ent­schei­den hat, ob die in den Jah­ren 2006 bis 2008 be­ge­be­nen Dar­le­hen ggf. ei­gen­ka­pi­ta­ler­set­zen­den Cha­rak­ter ha­ben und so­mit dar­aus Be­tei­li­gungs­erträge re­sul­tie­ren würden.

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