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Steuerberatung

Aufwendungen für Fitnessclub als außergewöhnliche Belastungen

FG Köln v. 30.1.2019 - 7 K 2297/17

Es ist fraglich, ob und inwieweit es sich bei den Fitnessstudiobeiträgen und den aus den Fitnessstudiobesuchen folgenden Fahrtkosten überhaupt um unmittelbare Krankheitskosten und nicht vielmehr um Kosten für vorbeugende oder allgemein gesundheitsfördernde Maßnahmen handelt, die zu den nicht abziehbaren Kosten der Lebensführung nach § 12 Nr. 1 EStG gehören.

Der Sach­ver­halt:
Die Klä­ge­rin hatte in ihrer Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung 2015 u.a. den Jah­res­bei­trag für einen Fit­ness- und Gesund­heits­club i.H.v. 588 € sowie Kos­ten für 148 Fahr­ten dort­hin mit einer Stre­cke von jeweils 56 km i.H.v. 2.486 € als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen gel­tend gemacht. Dies lehnte das Fia­nanz­amt jedoch ab, da es sich bei den in Rede ste­hen­den Maß­nah­men nicht um eine Heil­be­hand­lung i.S.d. § 33 EStG han­dele. So seien etwa keine kon­k­re­ten ärzt­li­chen Anwei­sun­gen über Art und Umfang des Sports vor­ge­legt wor­den und es sei keine ärzt­li­che Lei­tung und Auf­sicht oder zumin­dest Lei­tung und Beauf­sich­ti­gung durch eine andere fach­kun­dige Per­son, wie etwa einen Phy­sio­the­ra­peu­ten, erfolgt.

Mit ihrer Klage ver­folgte die Klä­ge­rin ihr Begeh­ren auf Berück­sich­ti­gung der gel­tend gemach­ten außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tun­gen wei­ter. Sie war der Ansicht, durch die ärzt­li­chen Bestä­ti­gun­gen habe sie die Not­wen­dig­keit der The­ra­pie nach­ge­wie­sen. Die Ärzte wür­den hierzu jedoch keine Ver­ord­nung im eigent­li­chen Sinne ertei­len, weil die Teil­nahme nicht ver­ord­net wer­den könne. Der Fit­ness- und Gesund­heits­club biete die Kran­ken­gym­nas­tik nicht als ein­zelne Leis­tung an und rechne sie nicht als sol­che ab, son­dern nur im Rah­men eines Ver­tra­ges über die Nut­zung einer Gesamt­leis­tung.

Das FG wies die Klage ab.

Die Gründe:
Das Finanz­amt hat die in Rede ste­hen­den Kos­ten von 3.074 € zutref­fend nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen i.S.d. § 33 EStG steu­er­min­dernd berück­sich­tigt.

Zum einen ist bereits frag­lich, ob und inwie­weit es sich bei den Fit­ness­stu­di­o­bei­trä­gen und den aus den Fit­ness­stu­di­o­be­su­chen fol­gen­den Fahrt­kos­ten über­haupt um unmit­tel­bare Krank­heits­kos­ten und nicht viel­mehr um Kos­ten für vor­beu­gende oder all­ge­mein gesund­heits­för­dernde Maß­nah­men han­delt, die zu den nicht abzieh­ba­ren Kos­ten der Lebens­füh­rung nach § 12 Nr. 1 EStG gehö­ren. Zum ande­ren stellt zumin­dest auch ein nicht uner­heb­li­cher Teil der von der Klä­ge­rin tat­säch­lich in Anspruch genom­me­nen Leis­tun­gen wie die Wir­bel­säu­len­gym­nas­tik und das Gerä­te­trai­ning - mög­li­cher­weise sogar die Ther­mal­was­ser­gym­nas­tik - nicht spe­zi­fisch medi­zi­nisch indi­zierte Maß­nah­men dar, die von einer Viel­zahl gesun­der Men­schen präv­en­tiv oder zur Erhal­tung der Fit­ness durch­ge­führt wer­den und nach den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen als all­ge­mein gesund­heits­för­dernde Maß­nah­men nicht i.R.v. § 33 EStG berück­sich­ti­gungs­fähig sind.

Diese Fra­gen kön­nen letzt­lich jedoch unbe­ant­wor­tet blei­ben. Denn selbst wenn man zuguns­ten der Klä­ge­rin bei den Auf­wen­dun­gen für die Bewe­gungs­the­ra­pie im Bewe­gungs­bad, die Gym­nas­tik und das Gerä­te­trai­ning von Krank­heits­kos­ten aus­ge­hen würde, wäre deren Zwangs­läu­fig­keit nicht in der gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Weise nach­ge­wie­sen. Bei die­sen Maß­nah­men kann es sich allen­falls um - sämt­lich ver­ord­nungs­fähige - Heil­mit­tel i.S.e. phy­si­ka­li­schen The­ra­pie (§ 32 SGB V, § 92 SGB V i.V.m. § 19 der Heil­mit­tel-Richt­li­nie) han­deln, für die das Nach­weis­er­for­der­nis nach § 33 Abs. 4 EStG i.V.m. § 64 Abs. 1 Nr. 1 EStDV gilt. Eine danach zum Nach­weis erfor­der­li­che Ver­ord­nung eines Arz­tes oder Heil­prak­ti­kers für jede durch­ge­führte Ein­zel­maß­nahme hatte die Klä­ge­rin jedoch nicht vor­ge­legt. Bei den von ihr vor­ge­leg­ten Unter­la­gen han­delt es sich ledig­lich um pau­schale ärzt­li­che Beschei­ni­gun­gen, nach denen die Klä­ge­rin all­ge­mein Sportthe­ra­pie, Kran­ken­gym­nas­tik, Bewe­gungs­übun­gen, Mas­sa­gen und Bewe­gungs­übun­gen im Bewe­gungs­bad unter the­ra­peu­ti­scher Anlei­tung benö­t­igt und Auf­bau­trai­ning der Mus­ku­la­tur durch Bewe­gungs­bä­der, Mus­kel­trai­ning sowie Gym­nas­tik­kurse ange­ra­ten wer­den. Diese stell­ten jedoch kein Rezept oder eine Ver­sch­rei­bung dar.

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