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Die Neuregelungen zur Lageberichterstattung

Konkreter und unternehmensbezogener: Die Neuregelungen zur Lageberichterstattung

Für das nach dem 31.12.2012 beginnende Geschäftsjahr gilt der neue Standard zur Konzernberichterstattung, DRS 20. Dieser tritt an die Stelle der bisherigen DRS 15, DRS 5, DRS 5-10 sowie DRS 5-20. Damit haben Mutterunternehmen die darin enthaltenen Neuregelungen bei der Aufstellung des Konzernlageberichts für das am 31.12.2013 endende Geschäftsjahr (bzw. für das abweichende Geschäftsjahr 2013/2014) erstmals zwingend zu beachten. Ebenso wird eine entsprechende Anwendung des Standards auch für den Lagebericht nach § 289 HGB (Einzelabschluss) empfohlen. Besonderheiten gelten für kapitalmarktorientierte Unternehmen.

Was ist neu?

Der Grund­satz der Wesent­lich­keit, wonach der (Kon­zern-)Lage­be­richt nur die wesent­li­chen Infor­ma­tio­nen zu ent­hal­ten hat, ist erst­mals als eigen­stän­di­ger Grund­satz betont wor­den. So sind z.B. Infor­ma­tio­nen über die Ent­wick­lung der Gesamt­wirt­schaft und der jewei­li­gen Bran­che nur in dem Maße dar­zu­s­tel­len, wie diese für das Ver­ständ­nis des Geschäfts­ver­laufs, der Lage und der vor­aus­sicht­li­chen Ent­wick­lung des Kon­zerns (oder Unter­neh­mens) erfor­der­lich sind. Zudem hän­gen nach dem neuen Grund­satz der Infor­ma­ti­ons­ab­stu­fung die Aus­führ­lich­keit und der Detail­lie­rungs­grad der Anga­ben ins­be­son­dere von der Art der Geschäft­stä­tig­keit, der Kon­zern- bzw. Unter­neh­mens­größe und von einer even­tu­el­len Inan­spruch­nahme des Kapi­tal­mark­tes ab. Die Größe und Kom­ple­xi­tät der (Kon­zern-)Struk­tur sol­len sich in der Lage­be­rich­t­er­stat­tung wie­der­fin­den. Hier­durch wird eine stär­kere Fokus­sie­rung auf den Kon­zern bzw. das Unter­neh­men erreicht.

Ebner Stolz Konkreter und unternehmensbezogener: Die Neuregelungen zur Lageberichterstattung © ThinkStock

Neuer Wirt­schafts­be­richt

Die Aus­füh­run­gen zur Lage und zum Geschäfts­ver­lauf, die Dar­stel­lung, Ana­lyse und Beur­tei­lung der Ver­mö­gens-, Finanz- und Ertrags­lage sowie die wesent­li­chen Aus­sa­gen zur Ent­wick­lung der Gesamt­wirt­schaft und der Bran­che kön­nen zusam­men­ge­fasst in dem neu geschaf­fe­nen “Wirt­schafts­be­richt“ erfol­gen. Dabei kommt der sog. mana­ge­ment approach zum Tra­gen - soll hei­ßen: bei der Ana­lyse des Geschäfts­ver­laufs und der Lage des Kon­zerns (oder des Unter­neh­mens) auf Basis der bedeut­sams­ten finan­zi­el­len (z. B. EBIT, EBITDA oder Eigen­ka­pi­tal­quote) sowie nicht finan­zi­el­len Leis­tungs­in­di­ka­to­ren (z. B. Kun­den- oder Mit­ar­bei­ter­be­lange) sol­len auch die Kenn­grö­ßen ein­be­zo­gen wer­den, die intern zur Kon­zern- bzw. Unter­neh­mens­steue­rung ein­ge­setzt wer­den. Die Aus­füh­run­gen zum Geschäfts­ver­lauf und zur Lage sind zu einer Gesamt­aus­sage zu ver­dich­ten und die Geschäfts­lei­tung hat absch­lie­ßend eine Beur­tei­lung abzu­ge­ben, ob die Geschäfts­ent­wick­lung ins­ge­s­amt güns­tig oder ungüns­tig ver­lau­fen ist.

Ver­kürz­ter Prog­no­se­zei­traum

Hin­sicht­lich des Prog­no­se­be­richts gibt es zunächst eine erfreu­li­che Nach­richt: der Prog­no­se­zei­traum wird von min­des­tens zwei Jah­ren auf nun ein Jahr ver­kürzt. Aller­dings sind über den Prog­no­se­zei­traum hin­aus­ge­hende abseh­bare Son­de­r­ein­flüsse auf die wirt­schaft­li­che Unter­neh­mens­lage auch wei­ter­hin zu berück­sich­ti­gen.

Erhöhte Prog­no­se­ge­nau­ig­keit

Auf wenig Gegen­liebe dürfte dage­gen bei den Unter­neh­men die gefor­derte Erhöh­ung der Prog­no­se­ge­nau­ig­keit sto­ßen. So müs­sen die Prog­no­se­aus­sa­gen einen posi­ti­ven oder nega­ti­ven Trend erken­nen las­sen und des­sen Inten­si­tät (stark, erheb­lich, gering­fü­gig, leicht stei­gend bzw. fal­lend) ist anzu­ge­ben. Rein kom­pa­ra­tive Aus­sa­gen, wie z. B. „wir erwar­ten einen stei­gen­den Umsatz“, sind nicht mehr zuläs­sig. Viel­mehr sind künf­tig Prog­no­sen mit einem Zah­len­wert, mit einer Band­b­reite zwi­schen zwei Zah­len­wer­ten oder ver­g­lei­chend und bewer­tend (z. B. „erheb­lich stei­gen­der Umsatz“) dar­zu­s­tel­len.
Beson­ders zu beach­ten ist ein neu geschaf­fe­nes Zusam­men­spiel: Künf­tig sind im Prog­no­se­be­richt die bedeut­sams­ten finan­zi­el­len und nicht­fi­nan­zi­el­len Leis­tungs­in­di­ka­to­ren so zu ermit­teln, dass ein Abg­leich mit den Ist-Wer­ten im fol­gen­den Berichts­jahr mög­lich ist. Im Fol­ge­jahr ist im Rah­men des Wirt­schafts­be­richts die letzt­jäh­rige Prog­nose mit der tat­säch­lich ein­ge­t­re­te­nen Geschäfts­ent­wick­lung zu ver­g­lei­chen (Prog­nose-Ist-Ver­g­leich). Weicht diese sig­ni­fi­kant von der tat­säch­li­chen Ent­wick­lung ab, dürfte dies beim inter­es­sier­ten Leser zug­leich Zwei­fel an der Wer­tig­keit der dies­jäh­ri­gen Prog­nose her­vor­ru­fen.

Berich­t­er­stat­tung zu Chan­cen und Risi­ken

Um sch­ließ­lich auch noch die Aus­sa­ge­kraft der Risiko- und Chan­cen­be­rich­t­er­stat­tung zu erhöhen, ist künf­tig aus­ge­wo­gen sowohl über Risi­ken als auch Chan­cen zu berich­ten. Zur über­sicht­li­che­ren Dar­stel­lung kön­nen ein­zelne Risi­ken oder Chan­cen ent­we­der in einer Rang­folge geord­net oder - wie bis­her - in Kate­go­rien zusam­men­ge­fasst wer­den. Ansch­lie­ßend sind diese zu einem Gesamt­bild der Risiko- und Chan­cen­lage zusam­men­zu­füh­ren. Ins­ge­s­amt muss aus der Dar­stel­lung die Bedeu­tung der Risi­ken und Chan­cen für den Kon­zern (bzw. für das Unter­neh­men) ersicht­lich sein. Zudem sind die zu erwar­ten­den Kon­se­qu­en­zen für den Fall ihres Ein­tritts zu ana­ly­sie­ren und zu beur­tei­len. Sofern sich die Risi­ken und Chan­cen nach Ende des Berichts­zei­traums in ihrer Bedeu­tung ändern, neu auf­t­re­ten oder ent­fal­len, ist auch hier­über eine Ein­schät­zung im (Kon­zern-)Lage­be­richt abzu­ge­ben.

Fazit

Im Ergeb­nis bleibt fest­zu­hal­ten: Bei der Erstel­lung des Lage­be­richts und des Kon­zern­la­ge­be­richts für das Geschäfts­jahr 2013 ist stär­ker als bis­her eine Fokus­sie­rung auf das Unter­neh­men und das Unter­neh­men­s­um­feld bzw. den Kon­zern samt Umfeld erfor­der­lich. All­ge­mein gül­tige Aus­sa­gen ent­fal­len. Zudem ist mehr Gewicht auf die Aus­sa­ge­kraft des Berichts im All­ge­mei­nen und auf die Genau­ig­keit der Prog­nose der zu erwar­ten­den Geschäfts­ent­wick­lung im Beson­de­ren zu legen. Eine Her­aus­for­de­rung, die es zu meis­tern gilt.

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