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Zur steuerlichen Benachteiligung von mit in anderen Mitgliedstaaten ansässigen Unternehmen verbundenen Firmen

EuGH 5.2.2014, C-385/12

Eine Steuer, die Un­ter­neh­men be­nach­tei­ligt, die in­ner­halb ei­ner Un­ter­neh­mens­gruppe mit in einem an­de­ren Mit­glied­staat ansässi­gen Un­ter­neh­men ver­bun­den sind, stellt eine mit­tel­bare Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Sit­zes der Un­ter­neh­men dar. Dies könnte bei der un­ga­ri­schen Steuer auf den Um­satz des Ein­zel­han­dels in Ver­kaufsräumen der Fall sein, die von al­len die­sen Un­ter­neh­men von de­ren Ge­samt­um­satz ge­schul­det wird.

Der Sach­ver­halt:
Nach der un­ga­ri­schen Re­ge­lung be­tref­fend eine Steuer auf den Um­satz des Ein­zel­han­dels in Ver­kaufsräumen müssen die Steu­er­pflich­ti­gen, die in ei­ner Un­ter­neh­mens­gruppe ver­bun­dene Un­ter­neh­men bil­den, ihre Umsätze vor An­wen­dung ei­nes stark pro­gres­si­ven Steu­er­sat­zes zu­sam­men­rech­nen und so­dann den auf diese Weise er­hal­te­nen Steu­er­be­trag an­teilsmäßig nach ih­rem tatsäch­li­chen Um­satz un­ter­ein­an­der auf­tei­len.

Her­vis be­treibt in Un­garn Sport­ar­ti­kelläden und gehört ei­ner Un­ter­neh­mens­gruppe an, de­ren Mut­ter­ge­sell­schaft, die SPAR Öster­rei­chi­sche Wa­ren­han­dels AG, ih­ren Sitz in einem an­de­ren Mit­glied­staat hat. Nach dem un­ga­ri­schen Recht ist Her­vis für einen Teil der Son­der­steuer steu­er­pflich­tig, die von al­len die­ser Gruppe an­gehören­den Un­ter­neh­men ge­schul­det wird. We­gen der An­wen­dung die­ser Re­ge­lung un­ter­lag Her­vis einem deut­lich höheren durch­schnitt­li­chen Steu­er­satz, als er al­lein un­ter Berück­sich­ti­gung des Um­sat­zes ih­rer ei­ge­nen Läden ge­gol­ten hätte. Die Steu­er­ver­wal­tung in Un­garn wies das Be­geh­ren von Her­vis auf Be­frei­ung von der Son­der­steuer zurück. Hier­ge­gen wen­det sich Her­vis mit ei­ner Klage vor den na­tio­na­len Ge­rich­ten.

Das mit der Sa­che be­fasste na­tio­nale Ge­richt fragt den EuGH, ob die un­ga­ri­sche Son­der­steu­er­re­ge­lung mit den Grundsätzen der Nie­der­las­sungs­frei­heit und der Gleich­be­hand­lung ver­ein­bar ist, wenn sie po­ten­zi­ell dis­kri­mi­nie­rende Wir­kung ge­genüber Steu­er­pflich­ti­gen ent­fal­tet, die in­ner­halb ei­ner Gruppe mit Un­ter­neh­men "ver­bun­den" sind, die ih­ren Sitz in einem an­de­ren Mit­glied­staat ha­ben.

Die Gründe:
Die un­ga­ri­sche Son­der­steu­er­re­ge­lung un­ter­schei­det zwi­schen den Steu­er­pflich­ti­gen da­nach, ob sie ei­ner Un­ter­neh­mens­gruppe an­gehören oder nicht. Ob­wohl die­ses Un­ter­schei­dungs­kri­te­rium keine un­mit­tel­bare Dis­kri­mi­nie­rung einführt (da die Son­der­steuer für alle Un­ter­neh­men, die in Un­garn den Ein­zel­han­del in Ver­kaufsräumen be­trei­ben, un­ter iden­ti­schen Be­din­gun­gen er­ho­ben wird), be­wirkt es, dass ver­bun­dene Un­ter­neh­men ge­genüber Un­ter­neh­men be­nach­tei­ligt wer­den, die kei­ner Un­ter­neh­mens­gruppe an­gehören.

In­so­weit ist zum einen der Satz der Son­der­steuer, ins­bes. auf der höchs­ten Ta­rif­stufe, sehr stark pro­gres­siv. Zum an­de­ren wird die Son­der­steuer bei ver­bun­de­nen Un­ter­neh­men auf der Grund­lage des kon­so­li­dier­ten Um­sat­zes der Gruppe be­rech­net, während sich die Be­mes­sungs­grund­lage bei ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son, die zu kei­ner Gruppe gehört (wie einem un­abhängi­gen Fran­chise­neh­mer), auf den Um­satz des Steu­er­pflich­ti­gen für sich ge­nom­men be­schränkt.

Die An­wen­dung die­ses stark pro­gres­si­ven Steu­er­sat­zes auf eine am Um­satz aus­ge­rich­tete kon­so­li­dierte Be­mes­sungs­grund­lage birgt die Ge­fahr, Un­ter­neh­men zu be­nach­tei­li­gen, die in­ner­halb ei­ner Un­ter­neh­mens­gruppe mit Un­ter­neh­men ver­bun­den sind, die ih­ren Sitz in einem an­de­ren Mit­glied­staat ha­ben. Das na­tio­nale Ge­richt wird da­her zu prüfen ha­ben, ob dies auf dem un­ga­ri­schen Markt der Fall ist. Ist dies so, so wird vom na­tio­na­len Ge­richt fest­zu­stel­len sein, dass die un­ga­ri­sche Re­ge­lung eine mit­tel­bare Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Sit­zes der Un­ter­neh­men er­rich­tet, die nicht durch zwin­gende Gründe des All­ge­mein­in­ter­es­ses ge­recht­fer­tigt ist.

Link­hin­weis:

Für den auf den Web­sei­ten des EuGH veröff­ent­lich­ten Voll­text der Ent­schei­dung kli­cken Sie bitte hier.

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