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Zur Steuerbefreiung für die Pflege des Erblassers

BFH 11.9.2013, II R 37/12

Pflege i.S.d. § 13 Abs. 1 Nr. 9 ErbStG liegt bei re­gelmäßiger und dau­er­haf­ter Fürsorge für das körper­li­che, geis­tige oder see­li­sche Wohl­be­fin­den ei­ner we­gen Krank­heit, Be­hin­de­rung, Al­ters oder ei­nes sons­ti­gen Grun­des hilfs­bedürf­ti­gen Per­son. Es ist da­bei ge­rade nicht er­for­der­lich, dass der Erb­las­ser pfle­ge­bedürf­tig i.S.d. § 14 Abs. 1 SGB XI und ei­ner Pfle­ge­stufe nach § 15 Abs. 1 S. 1 SGB XI zu­ge­ord­net war.

Der Sach­ver­halt:
Der Kläger hatte eine alte Dame ge­pflegt, die im De­zem­ber 2009 ver­st­arb. Er hatte seit 2004 eine Ge­ne­ral- und Ver­sor­gungs­voll­macht, or­ga­ni­sierte den Haus­halt, er­le­digte Behörden- so­wie Bo­tengänge und be­glei­tete die Dame bei Arzt­be­su­chen. Nach einem Kran­ken­haus­auf­ent­halt war sie von Juli 2009 bis zu ih­rem Tod in einem Pfle­ge­heim un­ter­ge­bracht. Seit Mai 2009 war sie in Pfle­ge­stufe I und seit Juli 2009 in Pfle­ge­stufe II ein­ge­ord­net.

Mit die­ser Dame war der Kläger we­der ver­wandt noch ver­schwägert. Die Dame ver­machte ihm zwei Ei­gen­tums­woh­nun­gen im Ge­samt­wert von 103.104 €. Tes­ta­men­ta­ri­scher Al­lein­erbe war der Neffe der Dame. Das Fi­nanz­amt setzte ge­gen den Kläger Erb­schaft­steuer fest, wo­bei es den Wert der Woh­nun­gen gem. § 13c ErbStG mit 90 % der fest­ge­stell­ten Grund­be­sitz­werte zu­grunde legte und zunächst Pfle­ge­auf­wen­dun­gen für den Zeit­raum Mai 2008 bis Ende 2009 i.H.v. ins­ge­samt 11.688 € an­er­kannte.

Später erhöhte das Fi­nanz­amt die Erb­schaft­steuer auf 21.270 €. Da­bei berück­sich­tigte es nur noch einen Frei­be­trag für Pfle­ge­leis­tun­gen für die Mo­nate Mai und Juni 2009 i.H.v. 755 €, da der Pfle­ge­frei­be­trag erst ab Vor­lie­gen der Pfle­ge­bedürf­tig­keit i.S.d. SGB XI und nur bis zum Zeit­punkt ei­ner voll­sta­tionären Pflege zu gewähren sei. Außer­dem sei der Wert der Pfle­ge­leis­tun­gen an­tei­lig zu kürzen, weil we­gen der Steu­er­be­frei­ung nach § 13c ErbStG der Steu­er­wert des Vermächt­nis­ses nur 89,9 % des Ver­kehrs­wer­tes be­trage.

Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage teil­weise statt. So er­kannte es einen Frei­be­trag für Pfle­ge­leis­tun­gen i.H.v. 4.725 € an und setzte die Erb­schaft­steuer ge­gen den Kläger auf 20.070 € herab. Die Re­vi­sion des Fi­nanz­am­tes blieb vor dem BFH er­folg­los.

Die Gründe:
Zu Recht hatte das FG ent­schie­den, dass der Er­werb des Klägers we­gen der er­brach­ten Pfle­ge­leis­tun­gen i.H.v. 4.725 € steu­er­frei war.

Nach § 13 Abs. 1 Nr. 9 ErbStG bleibt ein steu­er­pflich­ti­ger Er­werb bis zu 20.000 € steu­er­frei, der Per­so­nen anfällt, die dem Erb­las­ser un­ent­gelt­lich oder ge­gen un­zu­rei­chen­des Ent­gelt Pflege oder Un­ter­halt gewährt ha­ben, so­weit das Zu­ge­wen­dete als an­ge­mes­se­nes Ent­gelt an­zu­se­hen ist. Die Vor­schrift re­gelt nicht den Ab­zug ei­nes Pausch­be­trags, son­dern die Berück­sich­ti­gung ei­nes Frei­be­trags, wo­bei die mögli­che Steu­er­be­frei­ung auf ma­xi­mal 20.000 € be­grenzt ist. Liegt der Wert der er­brach­ten Leis­tun­gen un­ter 20.000 €, so ist nur ein Er­werb in die­ser Höhe steu­er­frei.

Pflege i.S.d. § 13 Abs. 1 Nr. 9 ErbStG ist die re­gelmäßige und dau­er­hafte Fürsorge für das körper­li­che, geis­tige oder see­li­sche Wohl­be­fin­den ei­ner we­gen Krank­heit, Be­hin­de­rung, Al­ters oder ei­nes sons­ti­gen Grun­des hilfs­bedürf­ti­gen Per­son. Es ist da­bei ge­rade nicht er­for­der­lich, dass der Erb­las­ser pfle­ge­bedürf­tig i.S.d. § 14 Abs. 1 SGB XI und ei­ner Pfle­ge­stufe nach § 15 Abs. 1 S. 1 SGB XI zu­ge­ord­net war. Die Gewährung des Pfle­ge­frei­be­trags setzt viel­mehr vor­aus, dass Pfle­ge­leis­tun­gen re­gelmäßig und über eine längere Dauer er­bracht wur­den, über ein übli­ches Maß der zwi­schen­mensch­li­chen Hilfe hin­aus­ge­hen und im all­ge­mei­nen Ver­kehr einen Geld­wert ha­ben. Der Er­wer­ber muss zur Berück­sich­ti­gung ei­nes Pfle­ge­frei­be­trags die Hilfs­bedürf­tig­keit des Erb­las­sers so­wie Art, Dauer, Um­fang und Wert der er­brach­ten Pfle­ge­leis­tun­gen schlüssig dar­le­gen und glaub­haft ma­chen. Hieran sind al­ler­dings keine über­stei­ger­ten An­for­de­run­gen zu stel­len.

Die Steu­er­be­frei­ung des Er­werbs gem. § 13c ErbStG recht­fer­tigt auch keine Kürzung des für den Frei­be­trag nach § 13 Abs. 1 Nr. 9 ErbStG maßgeb­li­chen Werts der Pfle­ge­leis­tun­gen. § 13c Abs. 1 ErbStG führt nicht dazu, dass der Wert der Pfle­ge­leis­tun­gen ent­spre­chend dem Verhält­nis zwi­schen dem ver­min­der­ten Wert­an­satz des Grundstücks und dem fest­ge­stell­ten Grund­be­sitz­wert zu min­dern ist. In­so­weit fehlt es an ei­ner ge­setz­li­chen Grund­lage, die eine verhält­nismäßige Kürzung an­ord­net. Die nach § 13 Abs. 1 Nr. 9 ErbStG begüns­tig­ten Pfle­ge­leis­tun­gen begründen we­gen der dem Erb­las­ser un­ent­gelt­lich oder ge­gen un­zu­rei­chen­des Ent­gelt gewähr­ten Pflege keine Schul­den oder Las­ten i.S.v. § 10 Abs. 6 S. 5 ErbStG. In­fol­ge­des­sen war der Er­werb des Klägers we­gen der Pflege der al­ten Dame i.H.v. 4.725 € steu­er­frei.

Link­hin­weis:

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