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Steuerberatung

Zur Aufteilung von Abbruchkosten und Restwert

FG Münster v. 21.8.2020 - 4 K 855/19 E

Die Abbruchkosten und der Restwert eines zuvor zeitweise vollständig fremdvermieteten und zeitweise teilweise selbst genutzten Gebäudes sind sowohl nach dem räumlichen als auch nach dem zeitlichen Nutzungsumfang aufzuteilen.

Der Sach­ver­halt:
Die Klä­ge­rin erwarb im Dezem­ber 2011 einen Bun­ga­low, den sie zunächst voll­stän­dig ver­mie­tete. Nach dem Tod der Mie­te­rin ver­mie­tete sie ab dem 1.9.2014 ledig­lich einen Teil des Objekts an eine neue Mie­te­rin. Zwei Kel­l­er­räume über­ließ ihr Ehe­mann an eine AG, deren Vor­stands­vor­sit­zen­der er war. Nach­dem die Klä­ge­rin einen Kos­ten­vor­an­schlag für einen Gebäu­de­ab­bruch ein­ge­holt hatte, kün­digte sie den Miet­ver­trag zum 31.10.2016. Die AG räumte die Kel­l­er­räume im Januar 2017 und der Abbruch erfolgte im März 2017. In der Fol­ge­zeit errich­tete die Klä­ge­rin ein Mehr­par­tei­en­haus, das sie aus­sch­ließ­lich zur Ein­künf­te­er­zie­lung nutzte.

Die Klä­ge­rin machte den Rest­wert des Gebäu­des, des Inven­tars sowie die Abbruch­kos­ten im Streit­jahr 2017 in vol­lem Umfang als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung gel­tend. Das Finanz­amt kürzte den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug um den Anteil der nicht mit­ver­mie­te­ten Kel­l­er­räume.

Das FG gab der hier­ge­gen gerich­te­ten Klage statt. Die Revi­sion zum BFH wurde zur Fort­bil­dung des Rechts zuge­las­sen.

Die Gründe:
Die strei­ti­gen, noch nicht abge­schrie­be­nen Anschaf­fungs­kos­ten des Gebäu­des nebst Inven­tar und Mar­kise (bzw. deren Abset­zung für AfaA) sowie die Abbruch­kos­ten des Gebäu­des sind bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung der Klä­ge­rin in vol­lem Umfang als Wer­bungs­kos­ten anzu­set­zen.

Dem Grunde nach sind neben den Abbruch­kos­ten auch die Rest­werte im Wege einer tech­ni­schen oder wirt­schaft­li­chen Abnut­zung als Wer­bungs­kos­ten abzugs­fähig. Sie sind vor­ran­gig durch die bis­he­rige Nut­zung des Objekts ver­an­lasst, weil die­ses nicht in Abbruch­ab­sicht erwor­ben wor­den und auch noch kein voll­stän­di­ger Ver­brauch der Sub­stanz ein­ge­t­re­ten ist.

Die Auf­tei­lung ist aller­dings sowohl zei­t­an­tei­lig als auch nach der Art der Nut­zung flächen­an­tei­lig vor­zu­neh­men. Maß­geb­lich ist die gesamte Nut­zungs­dauer des Objekts seit der Anschaf­fung durch die Klä­ge­rin von 57 Mona­ten. Hier­von ent­fal­len 31 Monate auf eine voll­stän­dige Ver­mie­tung und die übri­gen 26 Monate auf eine flächen­mä­ßig antei­lige Ver­mie­tung zu 78,4 %. Dies führt zu einer pri­va­ten Ver­an­las­sung des Abbruchs von 9,8 %. Nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen zum Ver­an­las­sung­s­prin­zip ist eine Ver­an­las­sung von unter 10 % steu­er­lich uner­heb­lich. Dem­ent­sp­re­chend sind die Kos­ten in vol­lem Umfang abzugs­fähig.

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