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Steuerberatung

Zolltarifliche Einreihung von schwerem Heizöl: 2707 oder 2710?

Die Ge­ne­ral­zoll­di­rek­tion (GZD) hat in Ab­stim­mung mit dem Bun­des­mi­nis­te­rium der Fi­nan­zen Re­ge­lun­gen für die zoll­ta­rif­li­che Ein­rei­hung von schwe­rem Heizöl so­wie für die da­mit ver­bun­dene en­er­gie­steu­er­recht­li­che Be­hand­lung fest­ge­legt.

Aus­gangs­punkt wa­ren ver­mehrte An­fra­gen von Un­ter­neh­mens­verbänden und der Wunsch nach ei­ner ein­heit­li­chen Re­ge­lung. Vor al­lem wa­ren viel­fach Pro­bleme mit Blick auf Beförde­run­gen von schwe­rem Heizöl un­ter Steu­er­aus­set­zung auf­ge­tre­ten. Wird in Po­si­tion (Pos.) 2710 des Eu­ropäischen Zoll­ta­rifs ein­ge­reih­tes schwe­res Heizöl un­ter Steu­er­aus­set­zung befördert und stellt sich später her­aus, dass die­ses En­er­gie­er­zeug­nis in Pos. 2707 ein­zu­rei­hen ge­we­sen wäre, hätte ein Steu­er­aus­set­zungs­ver­fah­ren nicht wirk­sam eröff­net wer­den können.

Hintergrund

Die Ein­rei­hung von schwe­rem Heizöl in den Zoll­ta­rif er­folgt u. a. an­hand des Aro­ma­ten­ge­halts. Ver­ein­facht ge­sagt gilt fol­gen­des: Beläuft sich der Aro­ma­ten­ge­halt auf mehr als 50 %, ist die Ware in Pos. 2707 ein­zu­rei­hen; bei einem Aro­ma­ten­ge­halt un­ter­halb von 50 % in Pos. 2710. Zur Be­stim­mung des Aro­ma­ten­ge­halts durf­ten bis­lang un­ter­schied­li­che Me­tho­den ge­nutzt wer­den, die an­ge­wen­det auf iden­ti­sch be­schaf­fene En­er­gie­er­zeug­nisse zu un­ter­schied­li­chen Re­sul­ta­ten führen konn­ten. So führte die Me­thode nach An­hang A der Erläute­run­gen zu Ka­pi­tel 27 des Zoll­ta­rifs, die sog. An­hang-A-Me­thode, u. U. zu an­de­ren Er­geb­nis­sen als die Ana­lyse nach der Me­thode ASTM°D°2700. In Abhängig­keit von der an­ge­wand­ten Mess­me­thode wur­den iden­ti­sche Pro­dukte ent­we­der in die Un­ter­po­si­tion (UPos.) 2707 9999 oder UPos. 2710 1964 ein­ge­reiht und auf Grund des­sen en­er­gie­steu­er­recht­lich un­ter­schied­lich be­han­delt: Während Wa­ren der UPos. 2710 1964 in den An­wen­dungs­be­reich des Steu­er­aus­set­zungs­ver­fah­rens (§ 4 En­er­gie­steu­er­ge­setz) fal­len, ist dies für UPos. 2707 9999 nicht der Fall. Dies führte in der Pra­xis u. a. dazu, dass das elek­tro­ni­sche Steu­er­aus­set­zungs­ver­fah­ren (EMCS-Ver­fah­ren) nicht ord­nungs­gemäß be­en­det wer­den konnte.

Übergangsbestimmungen und neue Regelungen

Um zukünf­tig eine der­ar­tige Un­gleich­be­hand­lung zu ver­mei­den hat die GZD neue Re­ge­lun­gen fest­ge­legt, die ab dem 1.1.2021 ver­pflich­tend an­zu­wen­den sind. In der Überg­angs­zeit bis zum 31.12.2020 können wei­ter­hin un­ter­schied­li­che Mess­me­tho­den zur Be­stim­mung des Aro­ma­ten­ge­halts an­ge­wen­det wer­den.

Für Un­stim­mig­kei­ten auf­grund un­ter­schied­li­cher Mess­me­tho­den hat die GZD bis zum 31.12.2020 fol­gende Überg­angs­re­ge­lun­gen fest­ge­legt:

  • Of­fene EMCS-Vorgänge wer­den von den Haupt­zollämtern ma­nu­ell ge­schlos­sen.
  • Ein­ge­hende EMCS-Vorgänge sind mit Ein­gangs­mel­dung „2 = Emp­fang der Wa­ren er­folgt trotz Be­an­stan­dung“ zu er­le­di­gen
  • Er­laub­nisse (z. B. Ver­tei­ler), die Wa­ren der Pos. 2710 be­inhal­ten, gel­ten für Pos. 2707 um­fas­send (so­fern diese Pos. un­ter An­wen­dung der An­hang A-Me­thode er­mit­telt wurde).

Ab dem 1.1.2021 ist für die Be­stim­mung des Aro­ma­ten­ge­halts aus­schließlich die so­ge­nannte An­hang A-Me­thode zu­ge­las­sen.

Dar­aus er­gibt sich fol­gen­der Hand­lungs­be­darf für Un­ter­neh­men:

  • Die An­wen­dung der An­hang A-Me­thode zur Be­stim­mung des Aro­ma­ten­ge­halts ist si­cher­zu­stel­len.
  • Er­laub­nisse soll­ten um die Pos. 2707 er­wei­tert wer­den.
  • Die Er­wei­te­rung von Er­laub­nis­sen sollte zeit­nah be­an­tragt wer­den, um das Vor­lie­gen ei­ner gülti­gen Er­laub­nis nach Ab­lauf der Überg­angs­zeit si­cher­zu­stel­len.
  • Be­ach­tung der Neu­re­ge­lun­gen für die Be­en­di­gung von EMCS-Ver­fah­ren aus an­de­ren EU-Mit­glied­staa­ten.
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