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Steuerberatung

Umsatzsteuerrechtliche Gleichbehandlung von Pharmarabatten

BFH 8.2.2018, V R 42/15

Ra­batte, die Phar­ma­un­ter­neh­men für die Lie­fe­rung von Arz­nei­mit­teln zu gewähren ha­ben, min­dern um­satz­steu­er­recht­lich die Steu­er­schuld der Phar­ma­un­ter­neh­men. Es kommt da­bei nicht dar­auf an, ob es sich um eine Lie­fe­rung für ge­setz­lich oder pri­vat kran­ken­ver­si­cherte Per­so­nen han­delt.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin ist ein phar­ma­zeu­ti­sches Un­ter­neh­men, das im Streit­jahr 2011 Arz­nei­mit­tel her­stellte und sie steu­er­pflich­tig über Großhänd­ler an Apo­the­ken lie­ferte. Diese ga­ben die Arz­nei­mit­tel an ge­setz­lich Kran­ken­ver­si­cherte ab. Die Arz­nei­mit­tel wur­den an die Kran­ken­kas­sen ge­lie­fert und von die­sen ih­ren Ver­si­cher­ten zur Verfügung ge­stellt. Die Apo­the­ken gewähr­ten den Kran­ken­kas­sen einen Ab­schlag auf den Arz­nei­mit­tel­preis. Die Kläge­rin mus­ste den Apo­the­ken die­sen Ab­schlag nach so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten er­stat­ten. Die Fi­nanz­ver­wal­tung be­han­delt den Ab­schlag um­satz­steu­er­recht­lich als Ent­gelt­min­de­rung. Dies führt zu ei­ner Min­de­rung der von der Kläge­rin ge­schul­de­ten Um­satz­steuer.

Arz­nei­mit­tel für pri­vat Kran­ken­ver­si­cherte ge­ben die Apo­the­ken auf­grund von Ein­zel­verträgen mit die­sen Per­so­nen ab. Das Un­ter­neh­men der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung ist da­bei nicht selbst Ab­neh­mer der Arz­nei­mit­tel, son­dern er­stat­tet die ih­ren Ver­si­cher­ten ent­stan­de­nen Kos­ten. Auch im vor­lie­gen­den Fall mus­ste die Kläge­rin dem Un­ter­neh­men der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung einen Ab­schlag auf den Arz­nei­mit­tel­preis gewähren. Dies be­ruht auf § 1 des Ge­set­zes über Ra­batte für Arz­nei­mit­tel vom 22.12.2010 (AM­RabG). Da­nach ha­ben die phar­ma­zeu­ti­schen Un­ter­neh­mer den Un­ter­neh­men der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung und den Trägern der Kos­ten in Krank­heits-, Pflege- und Ge­burtsfällen nach be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten (Bei­hil­feträgern) für ver­schrei­bungs­pflich­tige Arz­nei­mit­tel, de­ren Kos­ten diese ganz oder teil­weise er­stat­tet ha­ben, nach dem An­teil der Kos­ten­tra­gung Ab­schläge ent­spre­chend den so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten zu gewähren.

Die Kläge­rin machte auch für die nach § 1 AM­RabG gewähr­ten Ra­batte eine Ent­gelt­min­de­rung und da­mit eine Min­de­rung ih­rer Steu­er­schuld gel­tend. Das Fi­nanz­amt ver­wei­gerte sich dem ent­spre­chend einem BMF-Schrei­ben vom 14.11.2012 (BStBl I 2012, 1170, un­ter I.2.). Die Ent­gelt­min­de­rung auf­grund ei­nes Ra­batts setze eine Lie­fer­kette vor­aus, die zwi­schen dem Ra­batt­gewähren­den und dem Ra­batt­empfänger be­ste­hen müsse. Diese liege nur im Fall der Ra­batt­gewährung an die ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen vor, nicht aber auch bei der Ra­batt­gewährung an die Un­ter­neh­men der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung und an Bei­hil­feträger, da die Lie­fer­kette hier bei der pri­vat kran­ken­ver­si­cher­ten Per­son ende.

Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Auf die Re­vi­sion des Fi­nanz­am­tes hat der er­ken­nende Se­nat das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den EuGH zur Aus­le­gung von Art. 90 Abs. 1 der Richt­li­nie 2006/112/EG des Ra­tes vom 28. No­vem­ber 2006 über das ge­mein­same Mehr­wert­steu­er­sys­tem (MwSt­Sys­tRL) ge­rich­tet. Der EuGH hat die Frage durch das Ur­teil Bo­eh­rin­ger In­gel­heim Pharma GmbH & Co. KG vom 20.12.2017 (C-462/16; EU:C:2017:1006) be­ant­wor­tet. In­fol­ge­des­sen hat der BFH die Re­vi­sion zurück­ge­wie­sen.

Gründe:
Das FG hatte zu Recht ent­schie­den, dass die Kläge­rin zu ei­ner Min­de­rung nach § 17 Abs. 1 UStG be­rech­tigt ist.

Ändert sich die Be­mes­sungs­grund­lage für einen steu­er­pflich­ti­gen Um­satz, hat der Un­ter­neh­mer, der den Um­satz aus­geführt hat, gem. § 17 Abs. 1 S. 1 UStG den dafür ge­schul­de­ten Steu­er­be­trag zu be­rich­ti­gen. Uni­ons­recht­lich be­ruht dies auf Art. 90 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL. Da­nach wird im Fall der An­nul­lie­rung, der Rückgängig­ma­chung, der Auflösung, der vollständi­gen oder teil­wei­sen Nicht­be­zah­lung oder des Preis­nach­las­ses nach der Be­wir­kung des Um­sat­zes die Be­steue­rungs­grund­lage (Steu­er­be­mes­sungs­grund­lage) un­ter von den Mit­glied­staa­ten fest­ge­leg­ten Be­din­gun­gen ent­spre­chend ver­min­dert.

Der EuGH hatte hierzu be­reits ent­schie­den, dass, wenn ein Her­stel­ler ei­nes Er­zeug­nis­ses, der zwar nicht ver­trag­lich mit dem End­ver­brau­cher ver­bun­den ist, aber das er­ste Glied ei­ner zu die­sem führen­den Kette von Umsätzen bil­det, dem End­ver­brau­cher einen Preis­nach­lass gewährt, die Be­steue­rungs­grund­lage für die Mehr­wert­steuer um die­sen Nach­lass ver­min­dert wer­den muss (EuGH-Ur­teile Elida Gibbs vom 24.10.1996, Rs. C-317/94; Ibero Tours vom 16.1.2014, Rs. C-300/12). Der EuGH hat aber eine Min­de­rung ab­ge­lehnt, wenn ein Rei­sebüro als Ver­mitt­ler dem End­ver­brau­cher aus ei­ge­nem An­trieb und auf ei­gene Kos­ten einen Nach­lass auf den Preis der ver­mit­tel­ten Leis­tung gewährt, die von dem Rei­se­ver­an­stal­ter er­bracht wird. Dies be­ruht dar­auf, dass das Rei­sebüro außer­halb ei­ner Leis­tungs­kette vom Rei­se­ver­an­stal­ter zum End­ver­brau­cher steht.

Mit dem nun­mehr vor­lie­gen­den Ur­teil Bo­eh­rin­ger In­gel­heim Pharma GmbH & Co. KG hat der EuGH klar­ge­stellt, dass der Ab­schlag, den ein phar­ma­zeu­ti­sches Un­ter­neh­men auf­grund ei­ner na­tio­na­len Ge­set­zes­re­ge­lung einem Un­ter­neh­men der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung gewährt, zu ei­ner Min­de­rung der Steu­er­be­mes­sungs­grund­lage für die­ses phar­ma­zeu­ti­sche Un­ter­neh­men führt, wenn es Arz­nei­mit­tel über Großhänd­ler an Apo­the­ken lie­fert, die die Arz­nei­mit­tel an pri­vat Kran­ken­ver­si­cherte lie­fern, de­nen von der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung die Kos­ten für den Be­zug der Arz­nei­mit­tel er­stat­tet wer­den. Dem schließt sich der er­ken­nende Se­nat an.

Link­hin­weis:

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