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Rollstuhlgerechte Umbaumaßnahmen im Garten

FG Münster v. 15.1.2020 - 7 K 2740/18 E

Auf­wen­dun­gen für die An­lage ei­nes roll­stuhl­ge­rech­ten We­ges im Gar­ten ei­nes Ein­fa­mi­li­en­hau­ses sind nicht zwangsläufig, wenn sich auf der an­de­ren Seite des Hau­ses eine Ter­rasse be­fin­det, die mit dem Roll­stuhl er­reich­bar ist. Al­ler­dings wurde - auch mit Blick auf das beim BFH anhängige Re­vi­si­ons­ver­fah­ren VI R 42/18 - die Re­vi­sion zu­ge­las­sen, da die Frage, ob und ge­ge­be­nen­falls un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Auf­wen­dun­gen für den be­hin­der­ten­ge­rech­ten Um­bau ei­nes Gar­tens nach § 33 EStG ab­ge­zo­gen wer­den können, grundsätz­li­che Be­deu­tung hat.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläger sind Ehe­leute, die ein in ih­rem Ei­gen­tum ste­hen­des Ein­fa­mi­li­en­haus mit Gar­ten be­woh­nen. Die Kläge­rin lei­det an einem Post-Po­lio-Syn­drom, wes­we­gen für sie ein Grad der Be­hin­de­rung von 70 mit den Merk­zei­chen G und aG fest­ge­stellt wurde. Auf der Rück­seite des Ein­fa­mi­li­en­hau­ses be­fin­det sich eine Ter­rasse, die mit einem Roll­stuhl er­reicht wer­den kann. Auf der Vor­der­seite be­fan­den sich ur­sprüng­lich Beete, auf de­nen die Kläge­rin Bee­ren­sträucher und Kräuter an­ge­baut hatte und die le­dig­lich durch einen schma­len Fußweg zu er­rei­chen wa­ren. Die­sen Weg ließen die Kläger zu ei­ner ge­pflas­ter­ten Fläche um­bauen und leg­ten dort Hoch­beete an.

Die Kos­ten i.H.v. rund 6.000 € mach­ten die Kläger als außer­gewöhn­li­che Be­las­tun­gen gel­tend. Sie wa­ren der An­sicht, die Maßnahme sei me­di­zi­ni­sch not­wen­dig ge­we­sen und auch der Gar­ten gehöre zum exis­tenz­not­wen­di­gen Wohn­be­darf. Das Fi­nanz­amt ver­sagte al­ler­dings den Ab­zug un­ter Hin­weis dar­auf, dass Auf­wen­dun­gen für den Um­bau ei­nes Gar­tens nicht berück­sich­tig t wer­den könn­ten, weil dies den durch­schnitt­li­chen Wohn­kom­fort über­steige. Im Kla­ge­ver­fah­ren be­an­trag­ten die Kläger hilfs­weise, den in der Rech­nung ent­hal­te­nen Lohn­an­teil nach § 35a EStG zu berück­sich­ti­gen.

Das FG hat die Klage mit dem Haupt­an­trag ab­ge­wie­sen und dem Hilfs­an­trag im Hin­blick auf 20 % der Lohn­kos­ten statt­ge­ge­ben. Al­ler­dings wurde die Re­vi­sion zum BFH zu­ge­las­sen.

Die Gründe:
Das Fi­nanz­amt ist zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass die gel­tend ge­mach­ten Auf­wen­dun­gen nicht nach § 33 EStG ab­ge­zo­gen wer­den können.

Zwar kann grundsätz­lich auch das Haus­grundstück mit Gar­ten zum exis­ten­zi­ell not­wen­di­gen Wohn­be­reich gehören. Ab­zugsfähig sind al­ler­dings nur sol­che Auf­wen­dun­gen, die den Zu­gang zum Gar­ten und da­mit die Nut­zung des Gar­tens dem Grunde nach ermögli­chen. Diese Möglich­keit be­steht im vor­lie­gen­den Fall auf­grund der vor­han­de­nen Ter­rasse auf der Rück­seite des Ein­fa­mi­li­en­hau­ses. Dem­ge­genüber dient die Ver­brei­te­rung des We­ges auf der Vor­der­seite zum An­bau von Pflan­zen le­dig­lich ei­ner Frei­zeit­ak­ti­vität, die nicht den exis­tenz­not­wen­di­gen Wohn­be­darf be­trifft. Nichts an­de­res er­gibt sich aus dem BTHG vom 23.12.2016 und dem Ge­setz zu dem Übe­rein­kom­men der Ver­ein­ten Na­tio­nen vom 13.12.2006 über die Rechte von Men­schen mit Be­hin­de­rung so­wie zu dem Fa­kul­ta­tiv­pro­to­koll vom 13.12.2006.

Der Ein­kom­men­steu­er­be­scheid für 2016 ist je­doch rechts­wid­rig und ver­letzt die Kläger in ih­ren Rech­ten, so­weit Lohn­kos­ten i.H.v. 2.165 € im Rah­men des § 35a Abs. 3 EStG un­berück­sich­tigt ge­blie­ben sind. Auf­grund des Ein­ver­neh­mens der Be­tei­lig­ten darüber ver­zich­tete der Se­nat in­so­fern auf wei­tere Ausführun­gen. Al­ler­dings wurde - auch mit Blick auf das beim BFH anhängige Re­vi­si­ons­ver­fah­ren VI R 42/18 - die Re­vi­sion zu­ge­las­sen, da die Frage, ob und ge­ge­be­nen­falls un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Auf­wen­dun­gen für den be­hin­der­ten­ge­rech­ten Um­bau ei­nes Gar­tens nach § 33 EStG ab­ge­zo­gen wer­den können, grundsätz­li­che Be­deu­tung hat.

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