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MWSt-Richtlinie: Kein korrekte Anwendung der Sonderregelung für Reisebüros

EuGH 8.2.2018, C-380/16

Deutsch­land hat ge­gen seine aus der Mehr­wert­steu­er­richt­li­nie (Richt­li­nie 2006/112/EG) re­sul­tie­rende Ver­pflich­tun­gen ver­stoßen, in­dem es Rei­sebüros ge­stat­tet, die Mehr­wert­steu­er­be­mes­sungs­grund­lage pau­schal für Grup­pen von Leis­tun­gen oder für die ge­sam­ten in­ner­halb ei­nes Be­steue­rungs­zeit­raums er­brach­ten Leis­tun­gen zu er­mit­teln.

Der Sach­ver­halt:
Die EU-Kom­mis­sion be­an­stan­det zum einen, Deutsch­land habe Rei­se­leis­tun­gen von der Son­der­re­ge­lung aus­ge­schlos­sen, die ge­genüber steu­er­pflich­ti­gen Un­ter­neh­men er­bracht würden, die sie für ihr Un­ter­neh­men nutz­ten, in­dem sie sie ent­we­der an an­dere Wirt­schafts­teil­neh­mer oder an End­ver­brau­cher wei­ter­ver­kauf­ten, sie als In­cen­tive-Reise ih­ren ei­ge­nen Ar­beit­neh­mern anböten oder sie im Rah­men von Ge­schäfts­rei­sen selbst nutz­ten.

Mit der zwei­ten Rüge macht die Kom­mis­sion gel­tend, § 25 Abs. 3 S. 3 UStG ver­stoße ge­gen die Art. 73 und 306 ff. der Mehr­wert­steu­er­richt­li­nie. Deutsch­land ge­statte da­mit den Rei­sebüros, auf die die deut­sche Re­ge­lung An­wen­dung finde, für Grup­pen von Leis­tun­gen oder für die ge­sam­ten in­ner­halb ei­nes Be­steue­rungs­zeit­raums er­brach­ten Leis­tun­gen eine pau­schale Steu­er­be­mes­sungs­grund­lage her­an­zu­zie­hen.

Der EuGH gab bei­den Rügen der Kom­mis­sion statt.

Die Gründe:
Im Hin­blick auf die er­ste Rüge der Kom­mis­sion ist daran zu er­in­nern, dass die Son­der­re­ge­lung die Mehr­wert­steu­er­vor­schrif­ten für Rei­sebüros ver­ein­fa­chen und die Ein­nah­men aus der Er­he­bung der Mehr­wert­steuer aus­ge­wo­gen zwi­schen den Mit­glied­staa­ten auf­tei­len soll. Deutsch­land hat un­strei­tig den B2B-Be­reich von der Son­der­re­ge­lung aus­ge­schlos­sen, in­dem es da­von die Rei­se­leis­tun­gen aus­ge­schlos­sen hat, die ge­genüber steu­er­pflich­ti­gen Leis­tungs­empfängern er­bracht wer­den, die sie in der vor­ste­hend ge­nann­ten Weise für ihr Un­ter­neh­men nut­zen.

Mit die­sem Aus­schluss ver­hin­dert Deutsch­land aber, dass steu­er­pflich­tige Un­ter­neh­men, die Rei­se­leis­tun­gen an an­dere steu­er­pflich­tige Un­ter­neh­men ver­kau­fen, in den Ge­nuss der Son­der­re­ge­lung kom­men können. Da­mit schränkt Deutsch­land die An­wen­dung die­ser Re­ge­lung in ei­ner Weise ein, die de­ren Ziel­set­zung be­einträch­tigt. Aus der Recht­spre­chung er­gibt sich, dass die An­wen­dung der Son­der­re­ge­lung auf den Ver­kauf von Rei­sen an alle Ar­ten von Kun­den, ein­schließlich der steu­er­pflich­ti­gen Un­ter­neh­men, am bes­ten ge­eig­net ist, den Schwie­rig­kei­ten für die Rei­sebüros zu be­geg­nen.

Hin­sicht­lich der zwei­ten Rüge der Kom­mis­sion ist fest­zu­stel­len, dass die Steu­er­be­mes­sungs­grund­lage im Rei­sebüro-Be­reich auf in­di­vi­du­el­ler Ba­sis gem. dem in Art. 73 der Mehr­wert­steu­er­richt­li­nie vor­ge­se­he­nen Ver­fah­ren und nicht pau­schal zu er­mit­teln ist. Aus die­sen Erwägun­gen er­gibt sich, dass die Steu­er­be­mes­sungs­grund­lage der Ge­winn­marge von Rei­sebüros un­ter Be­zug­nahme auf jede ein­heit­li­che Dienst­leis­tung des Rei­sebüros zu er­mit­teln ist und dass die Berück­sich­ti­gung von Grup­pen von Leis­tun­gen oder von sämt­li­chen in­ner­halb ei­nes be­stimm­ten Be­steue­rungs­zeit­raums er­brach­ten Leis­tun­gen, wie sie nach deut­schem Recht vor­ge­se­hen ist, nicht mit Art. 308 der Mehr­wert­steu­er­richt­li­nie ver­ein­bar ist.

Link­hin­weis:

Für den auf den Web­sei­ten des EuGH veröff­ent­lich­ten Voll­text der Ent­schei­dung kli­cken Sie bitte hier.

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