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Mittelbar über Treuhänder beteiligte Gesellschafter können direkten Auskunftsanspruch gegen Mitgesellschafter haben

BGH 16.12.2014, II ZR 277/13

Einem mittelbar über einen Treuhänder beteiligten Gesellschafter, der aufgrund der Regelungen im Gesellschafts- und Treuhandvertrag im Innenverhältnis einem unmittelbaren Gesellschafter gleichgestellt ist, steht nicht nur gegen die Gesellschaft, sondern gegen jeden Mitgesellschafter, der die Auskunft unschwer erteilen kann (hier: den das Anlegerregister führenden Treuhänder), ein Auskunftsanspruch hinsichtlich der Namen und Anschriften der anderen Anleger (Treugeber und unmittelbare Gesellschafter) zu.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger hatte sich im Jahr 2006 über die Beklagte als Treu­hän­de­rin mit einem Kom­man­di­t­an­teil i.H.v. 10.000 € zzgl. Agio an der P-GmbH & Co. KG (Fonds­ge­sell­schaft) betei­ligt. Die beklagte Treu­hän­de­rin ist Grün­dungs­kom­man­di­tis­tin des Fonds und hält einen Eige­n­an­teil i.H.v. 1.000 €. Die Fonds­ge­sell­schaft ihrer­seits hält sämt­li­che Anteile an der P-Limi­ted Part­nership, die über ein Port­fo­lio bri­ti­scher Zweit­markt-Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen ver­fügt und damit han­delt. Mit­tel­bar haben sich mehr als 5000 Anle­ger über die Beklagte an der Fonds­ge­sell­schaft betei­ligt.

Der Klä­ger, der mit der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung des Fonds unzu­frie­den war und des­halb zur Bes­se­rung der Situa­tion in Kon­takt mit den ande­ren Gesell­schaf­tern tre­ten wollte, for­derte die Beklagte, die nach Gesell­schafts- und Treu­hand­ver­trag das Anle­ger­re­gis­ter der Fonds­ge­sell­schaft mit den per­sön­li­chen und betei­li­gungs­be­zo­ge­nen Daten aller Anle­ger führte, auf, ihm eine Liste mit den Namen und Anschrif­ten der ande­ren Anle­ger zu über­las­sen. Nach­dem die Beklagte dies abge­lehnt hatte, begehrte er mit der vor­lie­gen­den Klage Aus­kunft über die Namen und Adres­sen der wei­te­ren Treu­ge­ber­kom­man­di­tis­ten und der direkt bei­ge­t­re­te­nen Kom­man­di­tis­ten der Fonds­ge­sell­schaft.

AG und LG wie­sen die Klage ab. Auf die Revi­sion des Klä­gers hob der BGH die Vor­ent­schei­dun­gen auf und gab der Klage statt.

Gründe:
Dem Klä­ger steht ein Anspruch auf Aus­kunft über Namen und Anschrif­ten sei­ner Ver­trag­s­part­ner, den unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­tern und den die­sen im Innen­ver­hält­nis gleich­ge­s­tell­ten (ande­ren) Treu­ge­bern, zu. Wie der Senat bereits mit Beschluss v. 21.9.2009 (Az.: II ZR 264/08) und mit Urteil v. 11.1.2011 (Az.: II ZR 187/09) ent­schie­den hat, ist bei einem Gesell­schafts­ver­trag einer Per­so­nen- bzw. Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft das Recht, sei­nen Ver­trag­s­part­ner zu ken­nen, selbst­ver­ständ­lich. Es ist ledig­lich durch das Ver­bot der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung (§ 242 BGB) und das Schi­ka­ne­ver­bot gem. § 226 BGB beg­renzt.

Einem mit­tel­bar über einen Treu­hän­der betei­lig­ten Gesell­schaf­ter, der auf­grund der Rege­lun­gen im Gesell­schafts- und Treu­hand­ver­trag im Innen­ver­hält­nis einem unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ter gleich­ge­s­tellt ist, steht nicht nur gegen die Gesell­schaft, son­dern gegen jeden Mit­ge­sell­schaf­ter, der die Aus­kunft unschwer ertei­len kann (hier: den das Anle­ger­re­gis­ter füh­r­en­den Treu­hän­der), ein Anspruch auf Aus­kunft über Namen und Anschrif­ten der ande­ren Anle­ger (Treu­ge­ber und unmit­tel­bare Gesell­schaf­ter) zu. Der qua­li­fi­zierte Treu­ge­ber unter­schei­det sich von einem Voll­ge­sell­schaf­ter ledig­lich dadurch, dass beim (qua­li­fi­zier­ten) Treu­ge­ber die ding­li­che Berech­ti­gung am Gesamt­hands­ver­mö­gen und die mit der for­ma­len Gesell­schaf­ter­stel­lung ver­bun­dene Außen­haf­tung feh­len.

Die Beklagte hatte kein Recht, dem Klä­ger die Aus­kunft auf­grund der Rege­lun­gen zum "Daten­schutz" im Gesell­schafts- bzw. Treu­hand­ver­trag zu ver­wei­gern. Das Recht, die Ver­trag­s­part­ner des Gesell­schafts­ver­tra­ges, d.h. alle ande­ren zu den Bedin­gun­gen des Gesell­schafts­ver­trags der Fonds­ge­sell­schaft Bei­ge­t­re­te­nen, zu ken­nen, kann im Gesell­schafts­ver­trag, auch einer Pub­li­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft, nicht aus­ge­sch­los­sen wer­den. Dem Aus­kunfts­an­spruch des Klä­gers stand letzt­lich weder ein schüt­zens­wer­tes Geheim­hal­tungs­in­ter­esse der Mit­t­reu­ge­ber und Kom­man­di­tis­ten aus daten­schutz­recht­li­chen Grün­den ent­ge­gen noch eine kon­k­rete Gefahr des Miss­brauchs der Daten.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BGH ver­öf­f­ent­licht.
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