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Auskunftsanspruch über Namen und Anschriften von Mitgesellschaftern

OLG München v. 16.1.2019 - 7 U 342/18

Es liegt auch dann keine un­zulässige Rechts­ausübung und kein Miss­brauch des Aus­kunfts­rechts vor, wenn das Aus­kunfts­er­su­chen al­lein bzw. vor­ran­gig/we­sent­lich dem Ziel dient, die Na­men, An­schrif­ten und Be­tei­li­gungshöhe der Mit­ge­sell­schaf­ter dazu zu ver­wen­den, um die­sen Mit­ge­sell­schaf­tern Kauf­an­ge­bote hin­sicht­lich ih­rer An­teile zu un­ter­brei­ten. Letzt­lich ste­hen auch die Re­ge­lun­gen der DS­GVO einem sol­chen Aus­kunfts­an­spruch nicht ent­ge­gen.

Der Sach­ver­halt:

Die Kläge­rin be­gehrte Aus­kunft über Na­men, An­schrif­ten und Be­tei­li­gungshöhe ih­rer Mit­ge­sell­schaf­ter bzw. Mittreu­ge­ber, die sich - wie die Kläge­rin - an der B. C. E. Im­mo­bi­lien GmbH & Co. S. Ö. KG (B. C. Öster­reich III) be­tei­ligt ha­ben. Da­bei han­delt es sich um einen im Jahr 2005 auf­ge­leg­ten ge­schlos­se­nen Fonds in der Form ei­ner Pu­bli­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft, der in eine Büro­im­mo­bi­lie in Wien in­ves­tiert hatte. Die Firma B. C. Treu­hand GmbH war Gründungs- und Treu­hand­kom­man­di­tis­tin. Sie ist im Jahr 2008 mit der Be­klag­ten ver­schmol­zen.

Die Be­klagte war al­ler­dings der An­sicht, dass der Kläge­rin kein Aus­kunfts­an­spruch zu­stehe, da ein­zi­ges und aus­schließli­ches Ziel der Kläge­rin nicht die Ausübung von Ge­sell­schaf­ter­rech­ten sei, son­dern der Er­werb von An­tei­len an der streit­ge­genständ­li­chen Fonds­ge­sell­schaft von an­de­ren Mit­ge­sell­schaf­tern. Dies sei rechts­missbräuch­lich.

Das LG hat die Klage ab­ge­wie­sen. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin hat das OLG das Ur­teil abgeändert und die Be­klagte ver­ur­teilt, der Kläge­rin Name, An­schrift und die Höhe der Be­tei­li­gung der an der B. C. E. Im­mo­bi­lien GmbH & Co. S. O. Öster­reich KG be­tei­lig­ten un­mit­tel­ba­ren, im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Kom­man­di­tis­ten und der in­di­rekt über die Be­klagte be­tei­lig­ten Treu­ge­ber der B.C. E. Im­mo­bi­lien GmbH & Co. S. O. Öster­reich KG schrift­lich mit­zu­tei­len.

Die Gründe:

Der Kläge­rin steht der gel­tend ge­machte Aus­kunfts­an­spruch ge­gen die Be­klagte zu.

Ein An­le­ger, der sich mit­tel­bar über eine Treuhände­rin an ei­ner Pu­bli­kums­ge­sell­schaft be­tei­ligt hat, hat einen An­spruch dar­auf, dass ihm die Na­men und die An­schrif­ten der (an­de­ren) mit­tel­bar und un­mit­tel­bar be­tei­lig­ten An­le­ger mit­ge­teilt wer­den, wenn er nach den ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen, ins­be­son­dere der Ver­zah­nung des Ge­sell­schafts- und des Treu­hand­ver­tra­ges, im In­nen­verhält­nis der Ge­sell­schaf­ter un­ter­ein­an­der und zur Ge­sell­schaft die einem un­mit­tel­ba­ren Ge­sell­schaf­ter ent­spre­chende Rechts­stel­lung er­langt hat (BGH-Urt. v. 5.2.2013, Az.: II ZR 134/11). Der Kläge­rin sind hier im In­nen­verhält­nis zur Ge­sell­schaft und zu den Mit­ge­sell­schaf­tern durch den Ge­sell­schafts­ver­trag die glei­chen Rechte ein­geräumt wie den un­mit­tel­bar Be­tei­lig­ten.

Das auf Kennt­nis sei­ner Mit­ge­sell­schaf­ter ge­rich­tete Aus­kunfts­be­geh­ren des Ge­sell­schaf­ters ist le­dig­lich durch das Ver­bot der un­zulässi­gen Rechts­ausübung (§ 242 BGB) und das Schi­ka­ne­ver­bot gem. § 226 BGB be­grenzt. In­so­fern hat das LG al­ler­dings zu Un­recht einen Aus­kunfts­an­spruch we­gen un­zulässi­ger Rechts­ausübung ver­neint. Es liegt nämlich auch dann keine un­zulässige Rechts­ausübung und kein Miss­brauch des Aus­kunfts­rechts vor, wenn das Aus­kunfts­er­su­chen al­lein bzw. vor­ran­gig/we­sent­lich dem Ziel dient, die Na­men, An­schrif­ten und Be­tei­li­gungshöhe der Mit­ge­sell­schaf­ter dazu zu ver­wen­den, um die­sen Mit­ge­sell­schaf­tern Kauf­an­ge­bote hin­sicht­lich ih­rer An­teile zu un­ter­brei­ten. In sei­ner Ent­schei­dung vom 11.1.2011, Az.: II ZR 187/09 hat der BGH ausdrück­lich fest­ge­stellt, dass der An­le­ger ei­ner Pu­bli­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft, um seine Mit­glied­schafts­rechte in­for­miert ausüben zu können, wis­sen muss, wie die Stim­men und da­mit die Macht­verhält­nisse in der Ge­sell­schaft ver­teilt sind. Es macht nämlich für seine Stel­lung als Ge­sell­schaf­ter einen ent­schei­den­den Un­ter­schied, ob der Treu­hand­kom­man­di­tist sein Stimm­recht auf­grund der Wei­sung von vie­len ver­schie­de­nen Klein­an­le­gern ausübt oder ob er als "Sprach­rohr" ei­nes oder we­ni­ger, ihre In­di­vi­dual­in­ter­es­sen ver­fol­gen­der Großan­le­ger fun­giert.

Letzt­lich ste­hen auch die Re­ge­lun­gen der DS­GVO einem sol­chen Aus­kunfts­an­spruch nicht ent­ge­gen. Dies hat der BGH zum bis­he­ri­gen Da­ten­schutz­recht be­reits ent­schie­den (Urt. v. 11.1.2011 - II ZR 187/09 und vom 22.2.2016 - II ZR 48/15). Nach § 28 Abs. 1 Nr. 1 BDSG a.F. war die Über­mitt­lung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten zulässig, wenn dies zur Durchführung ei­nes rechts­ge­schäft­li­chen Schuld­verhält­nis­ses er­for­der­lich ist. Auch nach Art. 6 Abs. 1 b DS­GVO ist die Ver­ar­bei­tung und da­mit auch die Wei­ter­gabe von Da­ten rechtmäßig, wenn sie für die Erfüllung ei­nes Ver­tra­ges, de­ren Ver­trags­par­tei die be­trof­fene Per­son ist, er­for­der­lich sind. Das ist an­zu­neh­men, wenn der Aus­kunfts­be­rech­tigte bei vernünf­ti­ger Be­trach­tung auf die Da­ten­ver­wen­dung zur Erfüllung der Pflich­ten oder zur Wahr­neh­mung der Rechte aus dem Ver­trags­verhält­nis an­ge­wie­sen ist. So liegt es im vor­lie­gen­den Fall.

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