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Landzuteilung im Flurbereinigungsverfahren nur bei wertmäßiger Mehrzuteilung grunderwerbsteuerpflichtig

BFH 22.10.2014, II R 10/14

Eine Land­zu­tei­lung im Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren ist gem. § 1 Abs. 1 Nr. 3 S. 2 Buchst. a GrEStG grund­er­werb­steu­er­frei, so­weit der Wert der dem Teil­neh­mer bei Be­en­di­gung zu­ge­teil­ten Grundstücke nicht den Wert der von ihm ein­ge­brach­ten Grundstücke über­steigt. Dies gilt auch, wenn ein Teil­neh­mer der Flur­be­rei­ni­gung ei­ner­seits durch Land­ver­zichts­erklärung ei­nes an­de­ren Teil­neh­mers gem. § 52 Abs. 3 S. 2 FlurbG einen Ab­fin­dungs­an­spruch in Land er­wirbt und zum an­de­ren für von ihm selbst in das Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren ein­ge­brachte Grundstücke zu­guns­ten ei­nes Drit­ten auf eine Ab­fin­dung in Land ver­zich­tet.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin war Teil­neh­me­rin an einem Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren, in das sie Flächen in ei­ner Größe von ca. 61 ha ein­brachte. Der eben­falls an dem Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren be­tei­ligte E stimmte mit Erklärung nach § 52 FlurbG vom 10.5.2001 in ei­ner Ver­hand­lung vor der zuständi­gen Behörde zu­guns­ten der Kläge­rin zu, für zwei ein­ge­brachte Flurstücke statt in Land in Geld ab­ge­fun­den zu wer­den. Die Kläge­rin ver­pflich­tete sich, an E eine Geld­ab­fin­dung von 14.820 DM (7.577 €) zu zah­len.

Gemäß der im Jahre 2009 er­gan­ge­nen Ausführungs­an­ord­nung des Flur­be­rei­ni­gungs­plans er­hielt die Kläge­rin eine Fläche von ca. 21 ha. Die in der Land­ver­zichts­erklärung des E be­zeich­ne­ten Flächen wur­den der Kläge­rin nicht zu­ge­wie­sen. Diese Flächen wur­den je­doch bei der Be­rech­nung der der Kläge­rin zu­ste­hen­den Land­ab­fin­dung durch Zu­wei­sung von Er­satz­grundstücken berück­sich­tigt. Das Fi­nanz­amt setzte ge­genüber der Kläge­rin für ih­ren Er­werb aus dem Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren Grund­er­werb­steuer i.H.v. 265 € fest. Be­mes­sungs­grund­lage war die von der Kläge­rin an E ge­zahlte Geld­ab­fin­dung von 7.577 €.

Das FG wies die Klage ab. Auf die Re­vi­sion der Kläge­rin hob der BFH das Ur­teil auf und ver­wies die Sa­che an das FG zurück.

Die Gründe:
Das FG hat zwar zu­tref­fend er­kannt, dass die Land­zu­tei­lung an den Teil­neh­mer ei­ner Flur­be­rei­ni­gung in dem Um­fang, in dem zu sei­nen Guns­ten ein Drit­ter ei­ner Ab­fin­dung in Geld statt in Land zu­ge­stimmt hat, grundsätz­lich nicht gem. § 1 Abs. 1 Nr. 3 S. 2 Buchst. a GrEStG steu­er­be­freit ist. Das FG hat aber nicht berück­sich­tigt, dass diese Steu­er­be­frei­ung auf alle Land­zu­tei­lun­gen zu­guns­ten des Teil­neh­mers an­zu­wen­den ist, de­ren Wert nicht den Wert der vom Teil­neh­mer in das Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren ein­ge­brach­ten Grundstücke über­schrei­tet.

Für die Ei­gen­tumsüber­tra­gung auf die Kläge­rin war nicht schon des­halb Grund­er­werb­steuer fest­zu­set­zen, weil sie auf­grund der zu ih­ren Guns­ten er­folg­ten Land­ver­zichts­erklärung des E einen An­spruch auf Land­ab­fin­dung er­wor­ben hat. Das Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren ist ein ge­setz­lich ge­re­gel­ter Grundstück­stausch. Es wird be­herrscht von dem Grund­satz der wert­glei­chen Ab­fin­dung. Je­der Teil­neh­mer des Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­rens ist gem. § 44 FlurbG für seine Grundstücke un­ter Berück­sich­ti­gung der nach § 47 FlurbG vor­ge­nom­me­nen Abzüge mit Land von glei­chem Wert (zur Wert­er­mitt­lung vgl. §§ 27 ff. FlurbG) ab­zu­fin­den. Die Ab­fin­dung er­folgt gem. § 44 Abs. 1 FlurbG grundsätz­lich als Land­ab­fin­dung. Un­ge­ach­tet ei­nes et­wai­gen Wert­aus­gleichs auf­grund in Geld aus­zu­glei­chen­der un­ver­meid­ba­rer Mehr- oder Min­der­aus­wei­sun­gen von Land (§ 44 Abs. 3 FlurbG) tritt die Land­ab­fin­dung an die Stelle der al­ten Grundstücke (§ 68 Abs. 1 S. 1 FlurbG).

Der Ver­zicht auf Land­ab­fin­dung gem. § 52 Abs. 1 FlurbG, durch den mit sei­ner Un­wi­der­ruf­lich­keit der An­spruch auf Ab­fin­dung in Land er­lischt, kann "zu­guns­ten ei­nes be­stimm­ten Drit­ten" er­fol­gen. Mit der späte­ren Ei­gen­tums­zu­wei­sung an den Drit­ten wird des­sen auf § 44 FlurbG be­ru­hen­der Ab­fin­dungs­an­spruch erfüllt. Die­ser Er­werb wird zwar vom Wort­laut des § 1 Abs. 1 Nr. 3 S. 2 Buchst. a GrEStG er­fasst. Diese Vor­schrift be­darf aber aus­ge­hend von ih­rem Zweck, den Er­werb des Ei­gen­tums durch die Ab­fin­dung in Land in dem Um­fang von der Grund­er­werb­steuer zu be­freien, in dem der Teil­neh­mer ei­ge­nes Land her­ge­ben mus­ste, ei­ner ein­schränken­den Aus­le­gung.

Aus­ge­hend da­von ist die Ei­gen­tums­zu­wei­sung an einen Drit­ten, der erst durch den Land­ab­fin­dungs­ver­zicht ei­nes Teil­neh­mers in das Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren ein­be­zo­gen wurde, nicht gem. § 1 Abs. 1 Nr. 3 S. 2 Buchst. a GrEStG steu­er­frei. Dies muss grundsätz­lich auch dann gel­ten, wenn der durch die Land­ver­zichts­erklärung begüns­tigte Dritte be­reits Teil­neh­mer der Flur­be­rei­ni­gung war und auf­grund der Ver­zichts­erklärung eine (wei­tere) Zu­tei­lung von Land be­an­spru­chen kann. In Aus­nahme von die­sen Rechts­grundsätzen ist eine Land­zu­tei­lung im Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren gem. § 1 Abs. 1 Nr. 3 S. 2 Buchst. a GrEStG dann grund­er­werb­steu­er­frei, wenn die vom Teil­neh­mer in das Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren ein­ge­brach­ten Grundstücke ih­rem Wert nach den die­sem Teil­neh­mer bei Be­en­di­gung des Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­rens zu­ge­teil­ten Flächen ent­spre­chen.

In die­sem Fall ist für eine ein­schränkende Aus­le­gung des § 1 Abs. 1 Nr. 3 S. 2 Buchst. a GrEStG kein Raum. Das kann etwa der Fall sein, wenn ein Teil­neh­mer der Flur­be­rei­ni­gung ei­ner­seits durch Land­ver­zichts­erklärung ei­nes an­de­ren Teil­neh­mers gem. § 52 Abs. 3 S. 2 FlurbG einen Ab­fin­dungs­an­spruch in Land er­wirbt und zum an­de­ren für von ihm selbst in das Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren ein­ge­brachte Grundstücke zu­guns­ten ei­nes Drit­ten auf eine Ab­fin­dung in Land ver­zich­tet. In die­sem Fall ist eine Ei­gen­tums­zu­wei­sung an den Teil­neh­mer auf­grund der Ausführungs­an­ord­nung zum Flur­be­rei­ni­gungs­plan nur in­so­weit steu­er­pflich­tig, als der Wert der zu­ge­teil­ten Grundstücke den Wert der in die Flur­be­rei­ni­gung ein­ge­brach­ten Grundstücke über­steigt.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH veröff­ent­licht.
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