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Keine Steuerbefreiung für Subunternehmer von Einrichtungen mit sozialem Charakter

FG Köln 22.10.2014, 4 K 2056/11

Für die An­er­ken­nung ei­nes Un­ter­neh­mers als eine Ein­rich­tung mit so­zia­lem Cha­rak­ter auf­grund der Über­nahme der Kos­ten für seine Leis­tun­gen durch Kran­ken­kas­sen oder an­dere Ein­rich­tun­gen der so­zia­len Si­cher­heit (Art. 132 Abs. 1h MwSt­Sys­tRL) und so­mit für eine Steu­er­be­frei­ung nach § 4 Nr. 25 UStG reicht es nicht aus, dass der Un­ter­neh­mer le­dig­lich als Sub­un­ter­neh­mer für eine vom Mit­glied­staat ausdrück­lich oder zu­min­dest auf­grund un­mit­tel­ba­rer ver­trag­li­cher Be­zie­hun­gen zu dem ört­li­chen Träger der So­zi­al­ver­si­che­rung an­er­kannte Ein­rich­tung tätig wird.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin ist eine 2001 gegründete GmbH, die nach ih­rem Ge­sell­schafts­ver­trag aus­schließlich und un­mit­tel­bar ge­meinnützige Zwecke ver­folgt. Der Sat­zungs­zweck wird durch Hil­fen zur Er­zie­hung nach §§ 27 ff. KJHG, hier ins­be­son­dere die Un­ter­hal­tung ei­ner Kin­der- und Ju­gend­hil­feein­rich­tung für sta­tionäre und am­bu­lante Hil­fen, zur Bekämp­fung von Ver­wahr­lo­sung, un­ter an­de­rem bei Dro­gen­miss­brauch, körper­li­cher und see­li­scher Miss­hand­lung, ver­wirk­licht.

Die Kläge­rin er­bringt u.a. Be­treu­ungs­leis­tun­gen der Kin­der- und Ju­gend­hilfe nach dem SGB VIII. Ent­spre­chende Be­triebs­er­laub­nisse gem. § 45 SGB VIII sind ihr durch den Land­schafts­ver­band er­teilt wor­den. Die Ent­gelte für diese Be­treu­ungs­leis­tun­gen stellte die Kläge­rin als Sub­un­ter­neh­me­rin ge­genüber der als Träge­rin der freien Ju­gend­hilfe nach § 75 i.V.m. § 45 SGB VIII an­er­kann­ten A-GbR in Rech­nung. Diese rech­nete die un­ter Ein­schal­tung der Kläge­rin er­brach­ten Leis­tun­gen mit den öff­ent­li­chen Trägern der Kin­der- und Ju­gend­hilfe ab.

Nach ei­ner Be­triebsprüfung kam das Fi­nanz­amt für Groß- und Kon­zern­be­triebsprüfung zu der An­sicht, dass die von der Kläge­rin im Jahr 2007 er­brach­ten Leis­tun­gen im Rah­men der Kin­der- und Ju­gend­hilfe nach dem SGB VIII i.H.v. 137.230 € brutto um­satz­steu­er­pflich­tig seien. Die Vor­aus­set­zun­gen der Steu­er­be­frei­ung des Art. 132 Abs. 1h MWST­Sys­tRL lägen nicht vor, da die Kläge­rin keine vom na­tio­na­len Ge­setz­ge­ber an­er­kannte Ein­rich­tung mit so­zia­lem Cha­rak­ter sei. Die Steu­er­be­frei­ung nach § 4 Nr. 25 UStG gelte nicht, wenn - wie im Streit­fall - eine Ein­rich­tung als Sub­un­ter­neh­mer nicht un­mit­tel­bar mit den öff­ent­li­chen Trägern ab­rechne.

Das FG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab. Al­ler­dings wurde we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Rechts­sa­che die Re­vi­sion zum BFH zu­ge­las­sen.

Die Gründe:
Die streit­be­fan­ge­nen Leis­tun­gen der Kläge­rin wa­ren nicht nach § 4 Nr. 25 UStG von der Um­satz­steuer be­freit.

Die Be­frei­ung nach § 4 Nr. 25 UStG kam schon des­halb nicht in Be­tracht, weil die Kläge­rin keine der in Nr. 25 be­zeich­ne­ten Tätig­kei­ten ausführt. Für die be­gehrte Steu­er­be­frei­ung konnte sie sich ge­rade nicht auf Art. 132 Abs. 1h MwSt­Sys­tRL be­ru­fen. Da­nach ist die Steu­er­be­frei­ung an zwei Vor­aus­set­zun­gen geknüpft, zum einen muss es sich um Leis­tun­gen han­deln, die eng mit der Kin­der- und Ju­gend­be­treu­ung ver­bun­den sind, was bei der Kläge­rin noch zu­traf. Al­ler­dings sind diese Leis­tun­gen nur steu­er­frei, wenn sie von "Ein­rich­tun­gen des öff­ent­li­chen Rechts oder an­de­ren (pri­va­ten) Ein­rich­tun­gen, die von dem be­tref­fen­den Mit­glied­staat als Ein­rich­tung mit im we­sent­li­chen so­zia­len Cha­rak­ter an­er­kannt wur­den", er­bracht wer­den. Und diese Vor­aus­set­zun­gen erfüllt die Kläge­rin nicht.

Art. 132 Abs. 1h MwSt­Sys­tRL legt die Vor­aus­set­zun­gen und Mo­da­litäten der An­er­ken­nung nicht fest. Es ist da­her Sa­che des in­ner­staat­li­chen Rechts je­des Mit­glied­staats, die Re­geln auf­zu­stel­len, nach de­nen Ein­rich­tun­gen die er­for­der­li­che An­er­ken­nung gewährt wer­den kann. Die Mit­glied­staa­ten verfügen in­so­weit über ein Er­mes­sen. Es ist darüber hin­aus Sa­che der na­tio­na­len Ge­richte, an­hand al­ler maßgeb­li­chen Umstände zu be­stim­men, ob der Steu­er­pflich­tige eine als Ein­rich­tung mit so­zia­lem Cha­rak­ter an­er­kannte Ein­rich­tung i.S.d. Be­stim­mung ist. In­so­weit ha­ben die Ge­richte zu prüfen, ob die zuständi­gen Behörden die Gren­zen des ih­nen ein­geräum­ten Er­mes­sens un­ter Be­ach­tung der Grundsätze des Uni­ons­rechts ein­ge­hal­ten ha­ben, zu de­nen ins­be­son­dere der Grund­satz der Gleich­be­hand­lung gehört, der im Mehr­wert­steu­er­be­reich im Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­lität zum Aus­druck kommt.

Für die An­er­ken­nung ei­nes Un­ter­neh­mers als eine Ein­rich­tung mit so­zia­lem Cha­rak­ter auf­grund der Über­nahme der Kos­ten für seine Leis­tun­gen durch Kran­ken­kas­sen oder an­dere Ein­rich­tun­gen der so­zia­len Si­cher­heit reicht es aber nicht aus, dass der Un­ter­neh­mer - wie hier - le­dig­lich als Sub­un­ter­neh­mer für eine vom Mit­glied­staat ausdrück­lich oder zu­min­dest auf­grund un­mit­tel­ba­rer ver­trag­li­cher Be­zie­hun­gen zu dem ört­li­chen Träger der So­zi­al­ver­si­che­rung an­er­kannte Ein­rich­tung tätig wird. Die An­er­ken­nung durch den be­tref­fen­den Mit­glied­staat als Ein­rich­tung mit so­zia­lem Cha­rak­ter setzt zu­min­dest eine un­mit­tel­bare ver­trag­li­che - In­halt, Um­fang so­wie Ver­ant­wor­tung für die ver­trags­gemäße Durchführung kon­kre­ti­sie­rende - Be­zie­hung zwi­schen die­sem bzw. sei­nen Un­ter­glie­de­run­gen und dem Un­ter­neh­mer vor­aus.

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