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Wirtschaftsprüfung

IASB Meeting Juli 2019

Auf der Sitzung im Juli wurden insbesondere die nachfolgenden Themen vom IASB diskutiert:

Busi­ness Com­bi­na­ti­ons under Com­mon Con­trol

Das IASB hat seine Dis­kus­sion aus der Juni-Sit­zung auf Basis der Infor­ma­tion des IASB-Staff (Agenda Papers) fort­ge­setzt.

In sei­nen Erör­te­run­gen befasste sich das IASB mit den Infor­ma­ti­ons­er­for­der­nis­sen von Eigen­ka­pi­ta­l­in­ves­to­ren für Trans­ak­tio­nen, die die nicht-beherr­schen­den Anteils­eig­ner betref­fen im Unter­schied zu sol­chen Trans­ak­tio­nen, die diese nicht betref­fen.

Einen Schwer­punkt der Dis­kus­sio­nen bil­dete die Befas­sung mit Vor­schlä­gen des IASB-Staff zu alter­na­ti­ven Bewer­tungs­an­sät­zen, die auf Busi­ness Com­bi­na­ti­ons under Com­mon Con­trol (BCUCC) Anwen­dung fin­den kön­nen.

Im Hin­blick auf Trans­ak­tio­nen, die Aus­wir­kun­gen auf nicht beherr­schende Anteils­eig­ner haben, schlägt der IASB-Staff vor, die Erwerbs­me­thode im Sinne von IFRS 3 als Aus­gangs­punkt zu nut­zen und gege­be­nen­falls gewisse Abwei­chun­gen vor­zu­se­hen, um Abwei­chun­gen von BCUCC im Ver­g­leich zu Unter­neh­mens­zu­sam­men­schlüs­sen im Anwen­dungs­be­reich von IFRS 3  Rech­nung zu tra­gen. Fer­ner schlägt das IASB vor zusätz­li­che Anhan­gan­g­a­ben vor­zu­se­hen, die es den Abschlussadres­sa­ten des auf­neh­men­den Unter­neh­mens ermög­li­chen, die Aus­wir­kun­gen der Trans­ak­tion zu ver­ste­hen.

Der IASB-Staff schlägt vor, dass der Betrag der Gegen­leis­tung, der den Fair Value des erwor­be­nen Unter­neh­mens (ohne Syn­er­gien) über­s­teigt, als Eigen­ka­pi­tal­aus­keh­rung behan­delt wer­den soll. Alter­na­tiv schlägt der IASB-Staff den Aus­weis des über­s­tei­gen­den Betra­ges im Geschäfts- oder Fir­men­wert mit zusätz­li­chen Anhan­gan­g­a­ben vor.

Für die Fälle, in denen der Fair Value des erwor­be­nen Unter­neh­mens (ohne Syn­er­gien) die Gegen­leis­tung über­s­teigt, schlägt der IASB-Staff vor, eine Ein­lage bei dem auf­neh­men­den Unter­neh­men aus­zu­wei­sen, anstatt einen Ertrag zu erfas­sen.

Das IASB hatte bereits in einer der vor­an­ge­hen­den Sit­zun­gen vor­läu­fig besch­los­sen, dass auf Trans­ak­tio­nen, die keine Aus­wir­kun­gen auf nicht beherr­schende Anteils­eig­ner haben, der soge­nannte Pre­de­ces­sor Approach zur Anwen­dung kom­men soll.

In der Pra­xis exis­tie­ren unter­schied­li­che For­men des Pre­de­ces­sor Approa­ches. Der Ein­be­zie­hung ab dem Zeit­punkt, zu dem der Unter­neh­mens­zu­sam­men­schluss statt­ge­fun­den hat, steht eine Alter­na­tive gegen­über, nach der der Abschluss so dar­ge­s­tellt wird, als ob sich die Unter­neh­men ab dem Beginn der Ver­g­leichs­pe­riode zusam­men­ge­sch­los­sen hät­ten.

Bezüg­lich der Buch­werte unter­schei­den sich die ange­wen­de­ten Alter­na­ti­ven in der Pra­xis dadurch, dass einer­seits die Werte des über­tra­gen­den Unter­neh­mens oder ande­rer­seits die Werte des die gemein­same Beherr­schung aus­üben­den Unter­neh­mens (Buch­werte im über­ge­ord­ne­ten Kon­zern­ab­schlus­ses) im Abschluss des auf­neh­men­den Unter­neh­mens über­nom­men und fort­ge­führt wer­den.

Die Dif­fe­renz aus der Gegen­leis­tung und dem Net­to­buch­wert der Ver­mö­gens­werte und Schul­den des Vor­gän­gers würde dabei im Eigen­ka­pi­tal erfasst wer­den.

Ent­schei­dun­gen wur­den dies­be­züg­lich in die­ser Sit­zung nicht gefasst. Das Board wird die Dis­kus­sio­nen in einer der fol­gen­den Sit­zun­gen fort­set­zen.

Mana­ge­ment Com­men­tary (Lage­be­richt)

Das IASB hat seine Erör­te­run­gen zur Über­ar­bei­tung des IFRS Practice Sta­te­ment 1 - Mana­ge­ment Com­men­tary -  auf Basis der Emp­feh­lun­gen des IASB-Staff fort­ge­setzt.

Die Leit­li­nien aus dem Practice Sta­te­ment sol­len dabei prin­zi­pi­en­ba­siert blei­ben und keine detail­lierte Anfor­de­rungs­liste ent­hal­ten. Der Aus­gangs­punkt für die Über­ar­bei­tung sol­len dabei die Emp­feh­lun­gen des IFRS Practice Sta­te­ment 2 - Making Mate­ria­lity Jud­ge­ments -  sein, da diese prin­zi­pi­en­ba­siert und somit grund­sätz­lich auch für die Wesent­lich­keits­ent­schei­dun­gen im Hin­blick auf den Lage­be­richt anwend­bar sind. Zusätz­lich ist aller­dings die Auf­nahme spe­zi­fi­scher Emp­feh­lun­gen im Hin­blick auf Wesent­lich­keits­ent­schei­dun­gen im Zusam­men­hang mit dem Lage­be­richt geplant, die dem Umstand Rech­nung tra­gen, dass die­ser im Ver­g­leich zum Jah­res­ab­schluss mehr qua­li­ta­tive und zukunfts­be­zo­gen Infor­ma­tio­nen ent­hält.

Die Emp­feh­lun­gen des über­ar­bei­te­ten Practice Sta­te­ments sol­len sich auf die Dar­stel­lung des Pro­zes­ses der Wesent­lich­keits­ent­schei­dung fokus­sie­ren.

Die­ser Pro­zess soll die nach­fol­gen­den vier Schritte umfas­sen:

  1. Schritt: Iden­ti­fi­ka­tion von Infor­ma­tio­nen, die poten­ti­ell wesent­lich sein kön­nen;
  2. Schritt: Ein­schät­zung, ob die in Schritt 1 iden­ti­fi­zier­ten Infor­ma­tio­nen tat­säch­lich wesent­lich sind;
  3. Schritt: Auf­be­rei­tung der Infor­ma­tio­nen für den vor­läu­fi­gen Abschluss in einer Art, dass diese klar und prä­gn­ant an die pri­mä­ren Abschlussadres­sa­ten kom­mu­ni­ziert wer­den;
  4. Schritt: Durch­sicht des vor­läu­fi­gen Abschlus­ses dahin­ge­hend, ob alle wesent­li­chen Infor­ma­tio­nen iden­ti­fi­ziert wur­den und ob eine ange­mes­sene Wesent­lich­keit mit Blick auf den gesam­ten Abschluss aus einer umfas­sen­den Per­spek­tive sowie agg­re­giert ange­wen­det wurde.

Die Ziel­set­zung von Schritt 1 ist die Iden­ti­fi­ka­tion von Infor­ma­tio­nen über die Trans­ak­tio­nen, ande­ren Ereig­nisse und die Ver­hält­nisse eines Unter­neh­mens, die die pri­mä­ren Abschlussadres­sa­ten als Ent­schei­dungs­grund­lage benö­t­i­gen.

Das Practice Sta­te­ment soll die Emp­feh­lung zu den Inhalts­be­stand­tei­len unmit­tel­bar ent­hal­ten und dies­be­züg­lich nicht auf andere IFRS ver­wei­sen. Für jeden Inhalts­be­stand­teil soll das Practice Sta­te­ment grund­sätz­li­che Infor­ma­tio­nen defi­nie­ren, die für die pri­mä­ren Abschlussadres­sa­ten einer gro­ßen Band­b­reite von Unter­neh­men rele­vant sind. Exem­pla­risch wer­den dies­be­züg­lich im Hin­blick auf das Geschäfts­mo­dell Infor­ma­tio­nen über In- und Out­put-Fak­to­ren sowie die Geschäfts­ak­ti­vi­tä­ten genannt.

Das Practice Sta­te­ment soll eine Ver­bin­dung zwi­schen der Iden­ti­fi­ka­tion von Wesent­lich­keit und der Ziel­set­zung des Lage­be­richts her­s­tel­len. Die Ziel­set­zung ist die Zur­ver­fü­g­ung­stel­lung ent­schei­dungs­nütz­li­cher Infor­ma­tio­nen. Dar­un­ter sind Infor­ma­tio­nen über die Beträge, den zeit­li­chen Anfall und die Unsi­cher­heit der (geplan­ten) zukünf­ti­gen Netto-Cash-Inf­lows sowie über den ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit den wirt­schaft­li­chen Res­sour­cen des Unter­neh­mens zu ver­ste­hen.

Eine wei­tere Ziel­set­zung des Practice Sta­te­ments ist die För­de­rung einer kohä­ren­ten Dar­stel­lung im Lage­be­richt. Dies umfasst, dass der Lage­be­richt „die ganze Geschichte erzählt“ und „keine Fra­gen unbe­ant­wor­tet läs­st“.

Im Rah­men der Ein­schät­zung, ob Infor­ma­tio­nen tat­säch­lich wesent­lich sind, soll gemäß des Practice Sta­te­ments neben der betrags­mä­ß­i­gen poten­ti­el­len Aus­wir­kung auch die Wahr­schein­lich­keit des Ein­tritts eines Ereig­nis­ses berück­sich­tigt wer­den. Wesent­lich kön­nen jedoch auch Sach­ver­halte sein, deren Ein­tritts­wahr­schein­lich­keit nie­d­rig, deren poten­ti­elle Aus­wir­kung auf das Unter­neh­men bei Ein­tritt jedoch sehr hoch ist.

Fer­ner soll das Practice Sta­te­ment Emp­feh­lun­gen bezüg­lich des ange­mes­se­nen Gra­des der Agg­re­gie­rung im Hin­blick auf Infor­ma­tio­nen im Lage­be­richt ent­hal­ten.

Die Erör­te­run­gen sol­len auf einer der fol­gen­den IASB-Sit­zun­gen fort­ge­setzt wer­den. Die Ver­öf­f­ent­li­chung eines Expo­sure Drafts hierzu ist für das 2. Halb­jahr 2020 vor­ge­se­hen.

Dis­c­lo­sure Ini­tia­tive

Das IASB ver­folgt das Ziel, die Abschlus­ser­s­tel­ler durch spe­zi­fi­sche Ziel­vor­ga­ben bei der Ent­schei­dung, wel­che Anhan­gan­g­a­ben in einen Jah­res­ab­schluss auf­ge­nom­men wer­den sol­len, zu unter­stüt­zen.

Im Hin­blick auf IAS 19 hat das IASB von Sta­ke­hol­dern das Feed­back erhal­ten, dass die der­zeit gefor­der­ten Anhan­gan­g­a­ben häu­fig nicht deren pri­märe Ziel­set­zun­gen erfül­len. Die Abschlussadres­sa­ten sind ins­be­son­dere an bes­se­ren Infor­ma­tio­nen über die erwar­te­ten Aus­wir­kun­gen von Pen­si­ons­plä­nen im Hin­blick auf die zukünf­ti­gen Cash­f­lows inter­es­siert.

Vor die­sem Hin­ter­grund erör­t­ert das IASB, durch wel­che neuen oder geän­der­ten Anga­ben den Anfor­de­run­gen der Sta­ke­hol­der bes­ser Rech­nung getra­gen wer­den kann.

Der IASB-Staff emp­fiehlt im Hin­blick auf leis­tungs­o­ri­en­tierte Ver­sor­gungs­pläne eine Auf­fang­ziel­vor­gabe. Danach sol­len die Unter­neh­men verpf­lich­tet sein, Anga­ben zu machen, die eine zei­traum­be­zo­gene Beur­tei­lung der Risi­ken und Unsi­cher­hei­ten aus den Pen­si­ons­plä­nen für das Unter­neh­men sowie eine Ein­schät­zung der Effekte auf die Ver­mö­gens-, Finanz- und Ertrags­lage ermög­li­chen. Diese Infor­ma­tio­nen sol­len einen Agg­re­ga­ti­ons­grad auf­wei­sen, der gewähr­leis­tet, dass nütz­li­che Infor­ma­tio­nen nicht ver­deckt wer­den. Dar­über hin­aus soll IAS 19 zukünf­tig eine Viel­zahl spe­zi­fi­scher Anga­bepf­lich­ten mit unter­schied­li­chen Ziel­set­zun­gen ent­hal­ten.

Im Hin­blick auf bei­trags­o­ri­en­tierte Ver­sor­gungs­pläne soll IAS 19 ledig­lich eine Auf­fang­ziel­vor­gabe ent­hal­ten, die die Unter­neh­men zu Anga­ben verpf­lich­tet, die es den Abschlussadres­sa­ten ermög­licht, die Aus­wir­kung des Ver­sor­gungs­plans auf die Finanz- und Ertrags­lage ein­zu­schät­zen zu kön­nen.

In einer der fol­gen­den Sit­zun­gen sol­len die kon­k­re­ten Ein­ze­l­an­ga­ben dis­ku­tiert wer­den.

IBOR-Reform

Das IASB hat die ein­ge­gan­ge­nen Kom­men­tie­run­gen zu ED/2019/1 „Vor­ge­schla­gene Ände­run­gen an IFRS 9 und IAS 39 - Inte­rest Rate Bench­mark Reform“ auf Grund­lage der Ana­ly­sen des IASB-Staff dis­ku­tiert.

Grund­sätz­lich wird von den meis­ten Kom­men­ta­to­ren die zeit­nahe Reak­tion des IASB auf Aus­wir­kun­gen der IBOR-Reform begrüßt und die vor­ge­schla­ge­nen Ände­run­gen wer­den all­ge­mein unter­stützt.

Viele Kom­men­ta­to­ren regen jedoch an, die Ent­schei­dung zu über­den­ken, keine Aus­nahme für den von IAS 39 gefor­der­ten retro­spek­ti­ven Effek­ti­vi­täts­test auf­zu­neh­men. Ins­be­son­dere viele Finan­z­in­sti­tute haben sich bei der erst­ma­li­gen Anwen­dung von IFRS 9 dazu ent­schie­den, wei­ter­hin die Anfor­de­run­gen für Hedge Acco­un­ting gemäß IAS 39 anzu­wen­den. Abwei­chend von der Sicht des IASB hal­ten viele Kom­men­ta­to­ren eine dies­be­züg­li­che Aus­nahme für erfor­der­lich, da ohne eine sol­che beste­hende Siche­rungs­be­zie­hun­gen ein­zig in Folge der aus der Reform resul­tie­ren­den Unsi­cher­heit been­det wer­den müss­ten.

Zusätz­lich sollte das IASB nach der Ansicht vie­ler Kom­men­ta­to­ren Anwen­dungs­leit­li­nien auf­neh­men um eine ein­heit­lich Anwen­dung der Rege­lun­gen zu för­dern.

Ent­schei­dun­gen wur­den dies­be­züg­lich in die­ser Sit­zung nicht gefasst.

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