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Grundstücksverwaltende Gesellschaften und erweiterte GewSt-Kürzung

BFH v. 25.9.2018 - GrS 2/16

Ei­ner grundstücks­ver­wal­ten­den, nur kraft ih­rer Rechts­form der Ge­wer­be­steuer un­ter­lie­gen­den Ge­sell­schaft ist die sog. er­wei­terte Kürzung nach § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG nicht des­halb zu ver­weh­ren, weil sie an ei­ner rein grundstücks­ver­wal­ten­den, nicht ge­werb­lich geprägten Per­so­nen­ge­sell­schaft be­tei­ligt ist. Auch aus dem his­to­ri­schen Re­ge­lungs­kon­text und der Ent­ste­hungs­ge­schichte der Norm sah sich der Große Se­nat bei die­ser Aus­le­gung, die zu­guns­ten der Steu­er­pflich­ti­gen wirkt und für den Im­mo­bi­li­en­be­reich von großer Be­deu­tung ist, bestätigt.

Der Sach­ver­halt:
Kläge­rin in dem Re­vi­si­ons­ver­fah­ren, das zur Vor­lage an den Großen Se­nat führte, war eine ge­werb­lich geprägte GmbH & Co. KG, die an ei­ner rein vermögens­ver­wal­ten­den GbR be­tei­ligt war. Die GbR war wie­derum Ei­gentüme­rin ei­ner Im­mo­bi­lie. Die Kläge­rin machte für ihre aus der Be­tei­li­gung an der GbR be­zo­ge­nen an­tei­li­gen Mie­terträge aus den Streit­jah­ren 2007 bis 2011 die er­wei­terte Kürzung  gem. § 9 Nr. 1 Sätze 2 ff. GewStG gel­tend.

Das Fi­nanz­amt lehnte dies ab, weil die Be­tei­li­gung an der GbR i.S.d. § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG kein ei­ge­ner Grund­be­sitz der Kläge­rin sei, son­dern Grund­be­sitz der GbR. Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Die Kläge­rin habe ei­ge­nen Grund­be­sitz ver­wal­tet und ent­schei­dend sei nicht das zi­vil­recht­li­che Ei­gen­tum der GbR an der Im­mo­bi­lie, son­dern dass diese als Ge­samt­hand­sei­gen­tum nach § 39 Abs. 2 Nr. 2 AO er­trag­steu­er­recht­lich dem Be­triebs­vermögen der Kläge­rin zu­zu­rech­nen seien.

Auch der vor­le­gende IV. Se­nat wollte der Auf­fas­sung des Fi­nanz­am­tes nicht fol­gen, sah sich aber an ei­ner ent­spre­chen­den Ent­schei­dung durch ein Ur­teil des I. Se­nats vom 19.10.2010, Az. I R 67/09 (BFHE 232,194, BStBl II 2011,367) ge­hin­dert. Er rief da­her mit Vor­la­ge­be­schluss vom 21.7.2016, Az. IV R 26/14, BFHE 254, 371, BStBl II 2017, 202 den Großen Se­nat zur Klärung der Rechts­frage an.

Der IV. Se­nat war der An­sicht, dass steu­er­recht­lich das Ei­gen­tum ei­ner vermögens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft den hin­ter ihr ste­hen­den Ge­sell­schaf­tern an­tei­lig zu­zu­rech­nen sei. Ein im zi­vil­recht­li­chen Ei­gen­tum der Per­so­nen­ge­sell­schaft ste­hen­des Grundstück sei da­her ei­ge­ner Grund­be­sitz der Ge­sell­schaf­ter der GbR. Die­ser An­sicht folgte auch der Große Se­nat.

Gründe:
Ei­ner grundstücks­ver­wal­ten­den, nur kraft ih­rer Rechts­form der Ge­wer­be­steuer un­ter­lie­gen­den Ge­sell­schaft ist die sog. er­wei­terte Kürzung nach § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG nicht des­halb zu ver­weh­ren, weil sie an ei­ner rein grundstücks­ver­wal­ten­den, nicht ge­werb­lich geprägten Per­so­nen­ge­sell­schaft be­tei­ligt ist.

Ge­werb­lich tätige Per­so­nen- und Ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten un­ter­lie­gen der Ge­wer­be­steuer. So­weit sich al­ler­dings sol­che Ge­sell­schaf­ten auf die Ver­wal­tung ih­res ei­ge­nen Grund­be­sit­zes be­schränken, ist der dar­aus er­wirt­schaf­tete Ge­winn durch den Tat­be­stand der er­wei­ter­ten Kürzung in die­sem Um­fang vollständig von der Ge­wer­be­steuer aus­ge­nom­men.

Ob ei­ge­ner Grund­be­sitz i.S.d. ge­wer­be­steu­er­recht­li­chen Kürzung vor­liegt, rich­tet sich nach den all­ge­mei­nen er­trags­steu­er­recht­li­chen Grundsätzen. Nach der Sys­te­ma­tik und dem Re­ge­lungs­zweck der er­wei­ter­ten Kürzung so­wie un­ter Berück­sich­ti­gung des ge­wer­be­steu­er­recht­li­chen Be­las­tungs­grun­des ist un­ter ei­ge­nem Grund­be­sitz i.S.d. § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG der zum Be­triebs­vermögen des Un­ter­neh­mers gehörende Grund­be­sitz zu ver­ste­hen. Auch aus dem his­to­ri­schen Re­ge­lungs­kon­text und der Ent­ste­hungs­ge­schichte der Norm sah sich der Große Se­nat bei die­ser Aus­le­gung, die zu­guns­ten der Steu­er­pflich­ti­gen wirkt und für den Im­mo­bi­li­en­be­reich von großer Be­deu­tung ist, bestätigt.

Link­hin­weis:

 

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH veröff­ent­licht.
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