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Steuerberatung

Änderungen des Gemeinnützigkeitsrechts durch das Jahressteuergesetz 2020

Kurz vor Ende des Jahres 2020 hat der Gesetzgeber im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2020 (JStG 2020) die lang erwarteten Änderungen im Gemeinnützigkeitsrecht beschlossen. Mit Gesetz vom 21.12.2020, das am 28.12.2020 im Bundesgesetzblatt verkündet wurde, sind die Änderungen in Kraft getreten.

Im Fol­gen­den geben wir einen Über­blick über alle gemein­nüt­zig­keits­re­le­van­ten Ände­run­gen im JStG 2020 und beleuch­ten detail­liert die Vor­schrif­ten mit den weit­rei­chends­ten Aus­wir­kun­gen.

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Anhe­bung der Frei­be­träge und Frei­g­ren­zen

  • Übungs­lei­ter­f­rei­be­trag
    Neben­be­ruf­li­che Tätig­kei­ten als Übungs­lei­ter, Aus­bil­der, Erzie­her, Orga­nist, o. ä. kön­nen ab dem Ver­an­la­gungs­zei­traum 2021 in einem höhe­ren Umfang steu­er­f­rei ver­gü­tet wer­den. Der jähr­li­che Frei­be­trag wurde von 2.400 Euro auf 3.000 Euro erhöht, § 3 Nr. 26 EStG.

  • Ehrenamts­f­rei­be­trag
    Ana­log wurde auch die Ehrenamts­pausch­schale ange­ho­ben, wel­che für neben­be­ruf­li­che Ein­nah­men greift, die nicht unter die Übungs­lei­ter­pau­schale fal­len (z. B. Kas­sie­rer eines Ver­eins). Ab 1.1.2021 kön­nen im Jahr 840 Euro, statt bis­lang 720 Euro, steu­er­f­rei ver­gü­tet wer­den, § 3 Nr. 26a EStG.

    Hin­weis: Bis­lang hat der Gesetz­ge­ber ver­säumt, die kor­res­pon­die­ren­den Ver­gü­tungs­g­ren­zen beim Haf­tung­s­pri­vi­leg nach §§ 31a, 31b BGB eben­falls anzu­he­ben. Es ist aber davon aus­zu­ge­hen, dass dies noch vor­ge­nom­men wird, sodass ehrenamt­lich tätige Vor­stände oder Ver­eins­mit­g­lie­der 840 Euro erhal­ten kön­nen und dann für einen bei der Wahr­neh­mung ihrer Pflich­ten ver­ur­sach­ten Scha­den nur bei Vor­lie­gen von Vor­satz oder grober Fahr­läs­sig­keit haf­ten.

  • Erhöh­ung der Grenze für den ver­ein­fach­ten Zuwen­dungs­nach­weis
    Die Grenze, bis zu wel­cher der ver­ein­fachte Zuwen­dungs­nach­weis für den Spen­den­ab­zug aus­reicht, wurde erhöht. Nach § 50 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 EStDV genügt der Bar­ein­zah­lungs­be­leg, Über­wei­sungs­trä­ger oder die Buchungs­be­stä­ti­gung aus dem Online-Ban­king bei einer Spende bis 300 Euro (bis­lang 200 Euro). Diese Ände­rung gilt bereits rück­wir­kend für Zuwen­dun­gen, die der Emp­fän­ger­kör­per­schaft nach dem 31.12.2019 zuge­f­los­sen sind.

Frei­g­renze in § 64 Abs. 3 AO

Die Frei­g­renze, bis zu der eine gemein­nüt­zige Kör­per­schaft Ein­nah­men (ein­sch­ließ­lich Umsatz­steuer) im Rah­men eines wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­triebs, der kein Zweck­be­trieb ist, erzie­len darf, wurde von 35.000 Euro auf 45.000 Euro erhöht. Die als Ver­ein­fa­chungs­re­ge­lung ein­ge­führte Frei­g­renze dient dazu, dass neben einer ide­el­len Tätig­keit gering­fü­g­ige Umsätze mit wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trie­ben erzielt wer­den dür­fen.

Hin­weis: Bei die­ser Vor­schrift han­delt es sich um eine Frei­g­renze und nicht um einen Frei­be­trag. Das bedeu­tet, dass eine Kör­per­schaft, deren Brut­to­ein­nah­men 45.000 Euro über­s­tei­gen, den gesam­ten Gewinn aus wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trie­ben der Kör­per­schaft- und Gewer­be­steuer zu unter­wer­fen hat.

Diese Ände­rung gilt bereits ab dem Tag nach der Ver­kün­dung des Geset­zes, sodass die Grenze bereits für das Ver­an­la­gungs­jahr 2020 ange­ho­ben wurde und in der Steue­r­er­klär­ung 2020 Anwen­dung fin­det.

Neue gemein­nüt­zige Zwe­cke

Der gesetz­li­che Kata­log gemein­nüt­zi­ger Zwe­cke nach § 52 Abs. 2 AO wurde wie folgt erwei­tert:

  • För­de­rung des Kli­ma­schut­zes
  • För­de­rung der Hilfe für Men­schen, die auf­grund ihrer gesch­lecht­li­chen Iden­ti­tät oder ihrer gesch­lecht­li­chen Ori­en­tie­rung dis­kri­mi­niert wer­den
  • För­de­rung der Orts­ver­sc­hö­ne­rung
  • För­de­rung der Unter­hal­tung und Pflege von Fried­hö­fen sowie För­de­rung der Unter­hal­tung von Gedenk­stät­ten für nicht­be­stat­tungspf­lich­tige Kin­der und Föten.

Hin­weis: Bereits beste­hende gemein­nüt­zige Kör­per­schaf­ten, die diese Zwe­cke ver­fol­gen möch­ten, müs­sen ihre Sat­zung ändern und diese Zwe­cke ergän­zen. Zu beach­ten sind dabei stets die oft­mals engen Mög­lich­kei­ten in der Sat­zung für Zwec­k­än­de­run­gen. Stif­tun­gen des pri­va­ten Rechts könn­ten zudem vor der Her­aus­for­de­rung ste­hen, dass in der Pra­xis die Stif­tungs­auf­sichts­be­hör­den bei Zwe­cker­wei­te­run­gen oft­mals einen Nach­schuss zum Stif­tungs­ver­mö­gen for­dern.

Ergän­zung Kata­log­zweck­be­triebe

Durch das JStG 2020 wur­den zudem die Kata­log­zweck­be­triebe um zwei wei­tere Zweck­be­triebe ergänzt. Im Gegen­satz zur frühe­ren Rechts­lage sind Ein­rich­tun­gen zur Ver­sor­gung, Verpf­le­gung und Bet­reu­ung von Flücht­lin­gen nun nicht mehr als Zweck­be­trieb i. S. d. § 66 AO, son­dern unter einen Kata­log­zweck­be­trieb zu sub­su­mie­ren. § 68 Nr. 1 c) AO sieht aber wei­ter­hin vor, dass die Vor­aus­set­zun­gen von § 66 Abs. 2 zu berück­sich­ti­gen sind, d. h. der Zweck­be­trieb darf „nicht des Erwerbs wegens“ aus­ge­übt wer­den. Erfreu­lich ist den­noch, dass die Kör­per­schaf­ten nun nicht mehr die büro­k­ra­ti­schen Nach­weise über die Leis­tun­gen an Flücht­linge als begüns­tig­ter Per­so­nen­kreis nach § 53 AO vor­le­gen müs­sen.

Des Wei­te­ren ist als Zweck­be­trieb die ent­gelt­li­che Durch­füh­rung der Für­sorge für psy­chi­sche und see­li­sche Erkran­kun­gen bzw. Behin­de­run­gen anzu­se­hen.

Auf­gabe der Pflicht zur zeit­na­hen Mit­tel­ver­wen­dung für klei­nere Kör­per­schaf­ten

Kör­per­schaf­ten mit Ein­nah­men von höchs­tens 45.000 Euro pro Jahr sind vom Gebot der zeit­na­hen Mit­tel­ver­wen­dung bef­reit, § 55 Abs. 1 Nr. 5 Satz 4 AO. Für die Ermitt­lung der Ein­nah­men sind die Ein­nah­men des ide­el­len Bereichs, des Zweck­be­triebs, Ver­mö­gens­ver­wal­tung und steu­erpf­lich­ti­ger wirt­schaft­li­cher Geschäfts­be­triebe zu kumu­lie­ren.

Grund für die Ein­füh­rung der Vor­schrift ist der Abbau der Büro­k­ra­tie, weil die Finanz­äm­ter die Mit­tel­ver­wen­dung nicht mehr über­prü­fen müs­sen. Stif­tun­gen, die nur geringe Ein­nah­men erzie­len, ste­hen der­zeit im Zwie­spalt, da stif­tungs­recht­lich die Erträge des Stif­tungs­ver­mö­gens aus­sch­ließ­lich für die Stif­tungs­zwe­cke ein­zu­set­zen sind und nicht lang­fris­tig ange­sam­melt wer­den dür­fen. Bei Stif­tun­gen könnte es somit zu einem Kon­f­likt zwi­schen dem Gemein­nüt­zig­keits- und dem Stif­tungs­recht kom­men. Bis­lang haben sich die Stif­tungs­auf­sichts­be­hör­den noch nicht dazu geäu­ßert.

Für die Pra­xis bedeu­tet das, dass die „klei­nen Kör­per­schaf­ten“ die Mit­tel­ver­wen­dung gegen­über der Finanz­ver­wal­tung nicht nach­wei­sen müs­sen und somit keine zweck­ge­bun­de­nen Rückla­gen zu bil­den wären. Die freie Rücklage sollte aber trotz­dem, sofern mög­lich, in höchst­mög­li­chem Umfang gebil­det wer­den, da die Mit­tel als nicht gebun­de­nes Ver­mö­gen fle­xi­bel ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Die Vor­schrift erleich­tert somit ledig­lich die zeit­li­che Dimen­sion der Mit­tel­ver­wen­dung.

Frag­lich ist der­zeit noch, ob tat­säch­lich alle Ein­nah­men der Kör­per­schaft zu kumu­lie­ren sind, da dann ggfs. auch Ein­nah­men dar­un­ter zu fas­sen sind, die vom Grund­satz gar nicht zeit­nah zu ver­wen­den sind. Das sind z. B. Ein­nah­men, die zum Ver­mö­gen nach § 62 Abs. 3 AO zäh­len (u. a. Erb­schaf­ten, Ein­nah­men auf Grund eines Spen­den­auf­rufs). Hier bleibt abzu­war­ten, ob die Finanz­ver­wal­tung im Anwen­dung­s­er­lass zur Abga­ben­ord­nung noch Ein­g­ren­zun­gen vor­sieht.

Hin­weis: Zu emp­feh­len ist, die neue Vor­schrift nur für Kör­per­schaf­ten anzu­wen­den, deren Ein­nah­men nicht an der Grenze schwan­ken, son­dern stets Ein­nah­men unter 45.000 Euro erzie­len und damit die Grenze in allen Jah­ren ein­hält.

Neu­re­ge­lung der Mit­tel­be­schaf­fung und -wei­ter­gabe

Die Wei­ter­gabe von Mit­teln an eine andere Kör­per­schaft oder eine juris­ti­sche Per­son des öff­ent­li­chen Rechts für die Ver­wir­k­li­chung steu­er­be­güns­tig­ter Zwe­cke wird künf­tig nur noch in einem ein­heit­li­chen Tat­be­stand in § 58 Nr. 1 AO gere­gelt. Die Mit­tel­wei­ter­lei­tung nach § 58 Nr. 2 AO wurde auf­ge­ho­ben, sodass die nur „teil­wei­se“ Mög­lich­keit weg­fällt.

Gesetz­lich ver­an­kert ist nun, was unter den Mit­tel­be­griff fällt. „Mit­tel“ sind danach nicht nur Bar- oder Buch­geld, son­dern auch alle ande­ren Ver­mö­gens­werte (unent­gelt­li­che oder ver­bil­ligte Nut­zungs­über­las­sung oder unent­gelt­li­che oder ver­bil­ligte Erbrin­gung einer Dienst­leis­tung). Wen­det eine Kör­per­schaft Mit­tel einer beschränkt oder unbe­schränkt steu­erpf­lich­ti­gen Kör­per­schaft des pri­va­ten Rechts zu, bestimmt das Gesetz, dass diese selbst steu­er­be­güns­tigt sein muss.

Bei der Mit­tel­wei­ter­gabe han­delt es sich aus­drück­lich um eine Art der Zweck­ver­wir­k­li­chung und nicht um einen eigen­stän­di­gen Zweck. Das Gebot der Sat­zungs­klar­heit ver­langt, dass eine Tätig­keit sat­zungs­ge­mäß ver­an­kert sein muss, wenn es sich um das ein­zige Mit­tel zur Ver­wir­k­li­chung des geför­der­ten Zwecks han­delt (bei rei­nen För­der­kör­per­schaf­ten).

Die neue Rege­lung ver­langt aus­drück­lich nicht, dass die Emp­fän­ger­kör­per­schaft die erhal­te­nen Mit­tel nur für die Sat­zungs­zwe­cke der Geber­kör­per­schaft ver­wen­den darf. Die bis­lang in § 58 Nr. 1 AO not­wen­dige teil­weise Zweck­i­den­ti­tät fällt nun weg. Die Neu­re­ge­lung führt aller­dings dazu, dass die Ver­wen­dung der Mit­tel für Sat­zungs­zwe­cke ins Zivil­recht ver­la­gert wird. Aus ver­eins-, stif­tungs- und spen­den­recht­li­chen Grün­den hat die zuwen­dende Kör­per­schaft den­noch dar­auf zu ach­ten, dass die Mit­tel­wei­ter­lei­tung sat­zungs­kon­form ist. Ansons­ten kann eine nicht zwe­ck­ent­sp­re­chende Ver­wen­dung Rück­for­de­rungs­an­sprüche von Spen­dern oder Mit­g­lie­dern aus­lö­sen. Die Finanz­ver­wal­tung erleich­tert sich aller­dings mit die­ser neuen Rege­lung eine Über­prü­fung der Gemein­nüt­zig­keit auf­grund des Weg­falls der Zweck­i­den­ti­tät. Sie muss ledig­lich über­prü­fen, ob die Mit­tel an eine andere steu­er­be­güns­tigte Kör­per­schaft gef­los­sen sind.

Aus­län­di­sche (im EU/EWR-Mit­g­lieds­staat ansäs­sige) Kör­per­schaf­ten, die in Deut­sch­land inlän­di­sche Ein­künfte erzie­len und damit der beschränk­ten Steu­er­p­licht unter­lie­gen, dür­fen nur noch geför­dert wer­den, wenn diese in Deut­sch­land als gemein­nüt­zig aner­kannt sind und somit sämt­li­che Vor­aus­set­zun­gen der Gemein­nüt­zig­keit erfül­len. Erzie­len aus­län­di­sche Kör­per­schaf­ten keine inlän­di­schen Ein­künfte, dür­fen diese wie bis­her, unter Beach­tung der erhöh­ten Nach­weispf­lich­ten geför­dert wer­den.

Hin­weis: Bei För­de­run­gen ins Aus­land ist bei der Emp­fän­ger­kör­per­schaft daher künf­tig abzu­fra­gen, ob diese inlän­di­schen Ein­künfte erzielt und somit als beschränkt steu­erpf­lich­tig gilt.

Neu ein­ge­fügt wurde der Ver­trau­ens­schutz nach § 58a AO. Nach bis­he­ri­gem Recht war nicht gere­gelt, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen eine steu­er­be­güns­tigte Kör­per­schaft schutz­wür­dig ist, die Mit­tel an eine andere steu­er­be­güns­tigte Kör­per­schaft wei­ter­lei­tet.

Steu­er­be­güns­tigte Kör­per­schaf­ten dür­fen ihre Mit­tel grund­sätz­lich nur dann ande­ren steu­er­be­güns­tig­ten Kör­per­schaf­ten über­las­sen, wenn der Emp­fän­ger der Mit­tel damit steu­er­be­güns­tigte Zwe­cke ver­wir­k­licht. Ent­fällt die Steu­er­be­güns­ti­gung des Emp­fän­gers der Mit­tel oder ver­wen­det die­ser die Mit­tel nicht für steu­er­be­güns­tigte Zwe­cke, ver­stößt die gebende Kör­per­schaft an sich gegen Rege­lun­gen des Gemein­nüt­zig­keits­rechts.

Die zuwen­dende Kör­per­schaft kann künf­tig dar­auf ver­trauen, dass die emp­fan­gende Kör­per­schaft im Zeit­punkt der Zuwen­dung steu­er­be­güns­tigt ist und die zuge­wen­de­ten Mit­tel für steu­er­be­güns­tigte Zwe­cke ver­wen­det, wenn ihr eine Aus­fer­ti­gung des zu die­sem Zeit­punkt gül­ti­gen Bescheids über die Gemein­nüt­zig­keit der Kör­per­schaft vor­liegt. Somit müss­ten die Zuwen­der im Rah­men der Mit­tel­wei­ter­lei­tung einen Frei­stel­lungs­be­scheid oder die Anlage zum Kör­per­schaft­steu­er­be­scheid - jeweils nicht älter als fünf Jahre - ein­for­dern. Im Falle der Neu­grün­dung von gemein­nüt­zi­gen Kör­per­schaf­ten reicht auch die Vor­lage des Fest­stel­lungs­be­scheids nach § 60a AO aus, wenn die Aus­stel­lung nicht län­ger als drei Jahre zurück­liegt. Durch diese Ergän­zung wer­den die Kör­per­schaf­ten berück­sich­tigt, wel­che im Zeit­punkt der Zuwen­dung noch nicht das erste Mal zur Kör­per­schaf­steuer ver­an­lagt wur­den.

Ver­trau­ens­schutz besteht nach der neuen Vor­schrift dann nicht, wenn der zuwen­den­den Kör­per­schaft die Unrich­tig­keit eines Ver­wal­tungs­akts bekannt oder in Folge grober Fahr­läs­sig­keit nicht bekannt war oder die zuwen­dende Kör­per­schaft eine Ver­wen­dung für nicht steu­er­be­güns­tigte Zwe­cke durch die emp­fan­gende Kör­per­schaft ver­an­lasst hat.

Auf Zuwen­dun­gen an juris­ti­sche Per­so­nen des öff­ent­li­chen Rechts ist die Vor­schrift nicht anwend­bar. Begrün­det wird dies damit, dass die Ver­wal­tung nach Art. 20 Abs 3 des Grund­ge­set­zes an Gesetz und Recht gebun­den ist und der Zuwen­der dar­auf ver­trauen darf, dass eine juris­ti­sche Per­son des öff­ent­li­chen Rechts die Mit­tel nicht ent­ge­gen einer Zweck­be­stim­mung für nicht steu­er­be­güns­tigte Zwe­cke ver­wen­det.

Hin­weis: Die bis­lang übli­che Pra­xis, dass die Emp­fän­ger­kör­per­schaft der zuwen­den­den Kör­per­schaft eine Zuwen­dungs­be­stä­ti­gung aus­s­tellt, führt nicht zum Ver­trau­ens­schutz im Sinne des § 58a AO. Wir emp­feh­len daher, künf­tig anstatt einer Zuwen­dungs­be­stä­ti­gung die Vor­lage des aktu­ells­ten Frei­stel­lungs­be­scheids oder der Anlage zum Kör­per­schaft­steu­er­be­scheid zu ver­lan­gen.

Mög­lich­keit der Auf­he­bung von Fest­stel­lungs­be­schei­den nach § 60a AO

Die Finanz­ver­wal­tung behält sich künf­tig vor, bei Ver­stö­ßen gegen die tat­säch­li­che Geschäfts­füh­rung zwi­schen Erlass des Fest­stel­lungs­be­scheids und der ers­ten Ver­an­la­gung zur Kör­per­schaft­steuer den Fest­stel­lungs­be­scheid nach § 60a AO wie­der auf­zu­he­ben. Ziel der neuen Rege­lung ist, die rechts­miss­bräuch­li­che Ver­wen­dung des Fest­stel­lungs­be­scheids nach § 60a AO aus­zu­sch­lie­ßen. Damit kann in Miss­brauchs­fäl­len der Rechts­schein der Gemein­nüt­zig­keit besei­tigt bzw. das Ent­ste­hen eines Rechts­scheins ver­hin­dert wer­den. Dies erhöht auch das Ver­trauen des Spen­ders auf die kor­rekte Ver­wen­dung der von ihm zuge­wen­de­ten Spende.

Hin­weis: Wir gehen davon aus, dass die Neu­re­ge­lung nur in sel­te­nen Fäl­len zur Anwen­dung kom­men wird und sehen hier keine Bedro­hung für Kör­per­schaf­ten, deren Tätig­kei­ten aus gemein­nüt­zig­keits­recht­li­cher Sicht nicht zu bean­stan­den sind.

Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ter nach § 60b AO

Ab 1.1.2024 soll vom Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern ein Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ter geführt wer­den. Die Spei­che­rung der Daten erfolgt zum Zweck des Son­der­aus­ga­ben­ab­zugs nach § 10b EstG und soll zum Abg­leich bei den digi­ta­len Zuwen­dungs­be­stä­ti­gun­gen die­nen. Die im Zuwen­dungs­emp­fän­ger­re­gis­ter gespei­cher­ten Daten lie­fert das Finanz­amt im Rah­men der Ver­an­la­gung. Nähere Infor­ma­tio­nen hierzu wer­den wir zu gege­be­ner Zeit ver­öf­f­ent­li­chen.

Wei­tere Ände­run­gen im Jahres­steu­er­ge­setz 2020

  • Umsatz­steu­er­li­che Ände­run­gen im Gesund­heits­be­reich
    Die Ände­run­gen im Umsatz­steu­er­ge­setz in § 4 Nr. 14 und 16 UStG sind insb. für den Gesund­heits­be­reich von Rele­vanz. Für die Details der rele­van­ten Rege­lun­gen ver­wei­sen wir auf den novus Gesund­heits­we­sen 3. Aus­gabe 2020.

  • Umsatz­steu­er­f­rei­heit von Verpf­le­gungs­di­enst­leis­tun­gen
    Verpf­le­gungs­di­enst­leis­tun­gen nach § 4 Nr. 23 c) UStG kön­nen mit Wir­kung ab dem 1.1.2020 steu­er­f­rei sein, wenn die Leis­tun­gen an Stu­die­rende und Schü­ler erbracht wer­den. Als Stu­die­rende und Schü­ler gel­ten alle an Hoch­schu­len im Sinne der Hoch­schul­ge­setze der Län­der, an einer staat­li­chen oder staat­lich aner­kann­ten Berufs­a­ka­de­mie, an öff­ent­li­chen Schu­len und an Ersatz­schu­len, die gemäß Art. 7 Abs. 4 des Grund­ge­set­zes staat­li­che geneh­migt oder nach Lan­des­recht erlaubt sind, sowie an staat­lich aner­kann­ten Ergän­zungs­schu­len durch Ein­rich­tun­gen des öff­ent­li­chen Rechts oder durch andere Ein­rich­tun­gen, die keine sys­te­ma­ti­sche Gewinn­er­zie­lung anst­re­ben, ein­ge­schrie­be­nen natür­li­chen Per­so­nen. Mit dem JStG 2020 sind nach § 4 Nr. 23 c) UStG auch kurz­fris­tige Beher­ber­gungs­leis­tun­gen (und nicht nur Verpf­le­gungs­leis­tun­gen) gegen­über Stu­die­ren­den und Schü­ler steu­er­f­rei. Eben­falls steu­er­f­rei sind die Bekös­ti­gungs- und/oder Beher­ber­gungs­leis­tun­gen an die „Bedi­ens­te­ten“, die mit dem Unter­richt ver­bun­den sind. Hier­mit sind z. B. die bet­reu­en­den Leh­rer gemeint.

  • Ein­füh­rung einer Home­of­fice-Pau­schale
    Liegt kein häus­li­ches Arbeits­zim­mer vor oder wird auf einen Abzug der Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer ver­zich­tet, kann der Steu­erpf­lich­tige nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 4 EStG für jeden Kalen­der­tag, an dem er seine betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit aus­sch­ließ­lich in der häus­li­chen Woh­nung aus­übt und keine außer­halb der häus­li­chen Woh­nung bele­gene Betä­ti­gungs­stätte auf­sucht, für seine gesamte betrieb­li­che und beruf­li­che Betä­ti­gung einen Betrag von 5 Euro abzie­hen, höchs­tens 600 Euro im Wirt­schafts- oder Kalen­der­jahr. Die Home­of­fice-Pau­schale wird in die Wer­bungs­kos­ten­pau­schale ein­ge­rech­net und nicht zusätz­lich gewährt.

  • Ver­län­ge­rung für Corona-Son­der­zah­lun­gen
    Die Steu­er­be­f­rei­ung für auf­grund der Corona-Krise an Arbeit­neh­mer gezahl­ten Bei­hil­fen und Unter­stüt­zun­gen bis zur Höhe von 1.500 Euro nach § 3 Nr. 11a EStG war ursprüng­lich bis zum 31.12.2020 befris­tet. Die Frist wurde durch das JStG 2020 bis Juni 2021 ver­län­gert. Die Frist­ver­län­ge­rung führt aber nicht dazu, dass eine Corona-Bei­hilfe im ers­ten Halb­jahr 2021 noch­mals in Höhe von 1.500 Euro steu­er­f­rei bezahlt wer­den kann.

  • Anhe­bung der Frei­g­renze für Sach­be­züge
    Die monat­li­che Frei­g­renze für Sach­be­züge in § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG wird ab 1.1.2022 von 44 Euro auf 50 Euro ange­ho­ben.
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