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Durchschnittssatzbesteuerung kann auch bei landwirtschaftlichen Dienstleistungen an fremde Betriebe gelten

FG Münster 20.1.2015, 15 K 2845/13 U

Die Durch­schnitts­satz­be­steue­rung für Land­wirte gem. § 24 UStG gilt auch für Dienst­leis­tun­gen, die in Form von Bo­den­be­ar­bei­tung, An­pflan­zen und Ern­ten in einem frem­den Be­trieb durch­geführt wur­den. Der § 24 UStG ist nach ständi­ger BFH-Recht­spre­chung (zu­letzt Urt. v. 10.9.2014, Az.: XI R 33/13) uni­ons­rechts­kon­form aus­zu­le­gen.

Der Sach­ver­halt:
Der Kläger be­trieb im Streit­jahr 2011 einen land­wirt­schaft­li­chen Gemüse­bau, des­sen An­baufläche zunächst 40 ha be­trug und bis 2011 auf ca. 30 ha re­du­ziert wurde. Ab dem Wirt­schafts­jahr 2009/2010 führte der Kläger an die Firma G-GmbH, mit der er nicht or­gan­schaft­lich ver­bun­den war, Dienst­leis­tun­gen ge­gen Ent­gelt aus, nämlich die Bo­den­be­ar­bei­tung, das Pflan­zen von Sa­lat­pflan­zen, den Pflan­zen­schutz und die Ernte auf dazu dem Kläger von der G-GmbH zu­ge­wie­se­nen Grundstücken. Dafür setzte der Kläger von ihm be­schäftigte Ar­beitskräfte und von ihm ge­stellte land­wirt­schaft­li­che Geräte ein.

Laut der Bi­lanz im Wirt­schafts­jahr 2007/2008 be­trug das Verhält­nis des vom Kläger ver­aus­gab­ten Ar­beits­loh­nes zu sei­nen Umsätzen aus land­wirt­schaft­li­cher Ur­pro­duk­tion ca. 22,25 %; im Wirt­schafts­jahr 2010/2011 wa­ren es 35 %. Der Kläger un­ter­warf seine ge­sam­ten Umsätze (Ur­pro­duk­tion und Dienst­leis­tun­gen) der Durch­schnitts­satz­be­steue­rung nach § 24 UStG. Da­von ab­wei­chend nahm das Fi­nanz­amt an, die Umsätze an die G-GmbH un­terlägen der Re­gel­be­steue­rung. Der Kläger habe an sie keine Umsätze im Rah­men ei­nes land­wirt­schaft­li­chen Be­triebs i.S.v. § 24 UStG aus­geführt.

Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Die Re­vi­sion wurde nicht zu­ge­las­sen.

Die Gründe:
Die Umsätze des Klägers im Hin­blick auf die G-GmbH un­ter­la­gen nicht der Re­gel­be­steue­rung. Mit sei­nen Dienst­leis­tun­gen an die GmbH führte der Kläger viel­mehr der Durch­schnitts­satz­be­steue­rung i.S.d. § 24 Abs. 1 UStG un­ter­lie­gende Umsätze aus, für die we­der Steuer noch Vor­steuer zu berück­sich­ti­gen wa­ren.

Der § 24 UStG ist nach ständi­ger BFH-Recht­spre­chung (zu­letzt Urt. v. 10.9.2014, Az.: XI R 33/13) uni­ons­rechts­kon­form aus­zu­le­gen. Er be­ruht auf Art. 25 der Richt­li­nie 77/388/EWG (seit dem 1.1.2007 Art. 295 ff der MwSt­Sys­tRL). Der deut­sche Ge­setz­ge­ber hat die Vor­ga­ben bei­der Richt­li­nien aber nicht vollständig, son­dern le­dig­lich da­durch "um­ge­setzt", dass er die im Zeit­punkt der Ver­ab­schie­dung der Richt­li­nie 77/388/EWG be­ste­hen­den na­tio­na­len Re­ge­lun­gen wei­test­ge­hend fortführte. Die uni­ons­recht­li­che Pau­schal­re­ge­lung für land­wirt­schaft­li­che Er­zeug­nisse und Dienst­leis­tun­gen gilt nur für die in Art. 295 Abs.1 Nr. 5 der MwSt­Sys­tRL i.V.m. den in den Anhängen VII und VIII der MwSt­Sys­tRL de­fi­nier­ten Lie­fe­run­gen und sons­ti­gen Leis­tun­gen (EuGH-Ur­teil v. 8.3.2012, Rs.: C-524/10). Die Umsätze des die Pau­scha­lie­rung in An­spruch neh­men­den Land­wir­tes un­ter­lie­gen der all­ge­mei­nen Be­steue­rung, so­fern auf die Umsätze nicht die Re­ge­lun­gen der Art. 295 ff der MwSt­Sys­tRL an­wend­bar sind. Die im Uni­ons­recht in den Art. 295 ff ein­schließlich der Anhänge VII und VIII der MwSt­Sys­tRL ver­wen­de­ten Be­griffe sind au­to­nom und ein­heit­lich aus­zu­le­gen.

Das Ziel und der Zweck der Son­der­re­ge­lung des Art. 25 der Richt­li­nie 77/388/EWG be­ste­hen darin, die Be­las­tung durch die Steuer auf die von den Land­wir­ten be­zo­ge­nen Ge­genstände und Dienst­leis­tun­gen da­durch aus­zu­glei­chen, das den land­wirt­schaft­li­chen Er­zeu­gern, die ihre Tätig­keit im Rah­men ei­nes land-, forst- oder fi­sche­rei­wirt­schaft­li­chen Be­triebs ausüben, ein Pau­schal­aus­gleich ge­zahlt wird, wenn sie land­wirt­schaft­li­che Er­zeug­nisse lie­fern oder land­wirt­schaft­li­che Dienst­leis­tun­gen er­brin­gen. Dem­ent­spre­chend hat der BFH etwa die Ver­pach­tung ei­nes Ei­gen­jagd­be­zirks durch eine Kom­mune ebenso wie die Ab­ho­lung und Ent­sor­gung von Spei­se­abfällen aus Re­stau­rants und Großküchen bzw. die Zur­verfügung­stel­lung ei­nes Grundstücks durch einen Land­wirt für öko­lo­gi­sche Aus­gleichmaßnah­men nicht als eine der Re­ge­lung des § 24 UStG un­ter­fal­lende land­wirt­schaft­li­che Dienst­leis­tung an­ge­se­hen.

Mit sei­nen ent­gelt­lich an die GmbH aus­geführ­ten Dienst­leis­tun­gen er­brachte der Kläger je­doch der uni­ons­recht­li­chen Pau­scha­lie­rungs­re­ge­lung un­ter­lie­gende land­wirt­schaft­li­che Dienst­leis­tun­gen. Er setzte seine für die Erfüllung land­wirt­schaft­li­cher Tätig­kei­ten be­schäftig­ten Ar­beitskräfte und die von ihm für sei­nen land­wirt­schaft­li­chen Be­trieb vor­ge­hal­tene Ausrüstung für Tätig­kei­ten der land­wirt­schaft­li­chen Er­zeu­gung i.S.d. Zif­fer 1b des An­hangs VII der MwSt­Sys­tRL ein. Nach Zif­fer 1b des An­hangs VII zu Art. 295 der MwSt­Sys­tRL um­fasst die Tätig­keit der land­wirt­schaft­li­chen Er­zeu­gung u.a. den Gemüse­bau. Die an die GmbH er­brach­ten Tätig­kei­ten wa­ren zu­dem land­wirt­schaft­li­che Er­zeu­gertätig­kei­ten i.S.d. Zif­fer 1 des An­hangs VIII zu Art. 295 Abs. 1 Nr. 5 der MwSt­Sys­tRL, der u.a. den An­bau und Ern­tear­bei­ten ein­schließlich Säen und Pflan­zen um­fasst. So­mit übte der Kläger Dienst­leis­tun­gen aus, die i.S.d. Uni­ons­rechts zur land­wirt­schaft­li­chen Er­zeu­gung bei­tru­gen.

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