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Dienstzimmer eines Försters kann unbeschränkt steuerlich absetzbar sein

FG Köln 27.8.2014, 7 K 3561/10

Ein Förster, der im überwiegenden Interesse seines Arbeitgebers ein Dienstzimmer in seinem Wohnhaus unterhält, kann die hierfür entstehenden Kosten in vollem Umfang von der Steuer absetzen. Die Abzugsbeschränkung für häusliche Arbeitszimmer kommt in diesen Fällen nicht zur Anwendung.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger ist Dip­lom-Forst­wirt. Er lei­tete im Streit­jahr 2008 für den Lan­des­be­trieb Wald und Holz NRW als Bet­reu­ungs­förs­ter einen Forst­be­zirk. Die Forst­be­hörde legte beson­de­ren Wert dar­auf, dass er in der Nähe sei­nes Bet­reu­ungs­re­viers wohnte und in sei­nem Wohn­haus ein Dienst­zim­mer ein­rich­tete.

In dem Dienst­zim­mer soll­ten regel­mä­ß­ige Sprech­zei­ten abge­hal­ten wer­den. Außer­dem stellte die Behörde die tech­ni­sche Büro­aus­stat­tung zur Ver­fü­gung. Das Zim­mer musste im Krank­heits­fall für einen Ver­t­re­ter des Klä­gers zugäng­lich sein. Die Funk­ti­ons­fähig­keit des Dienst­zim­mers konnte von der Forst­be­hörde vor Ort über­prüft wer­den.

Für die Unter­hal­tung des Zim­mers erhielt der Klä­ger mtl. eine steu­er­f­reie Ent­schä­d­i­gung von rd. 80 €. Die dar­über hin­aus­ge­hen­den Kos­ten für das Zim­mer von rd. 3.400 € wollte der Klä­ger als Wer­bungs­kos­ten gel­tend machen. Das Finanz­amt berück­sich­tigte im Hin­blick auf die Abzugs­be­schrän­kung für häus­li­che Arbeits­zim­mer ledig­lich einen Betrag von 1.250 €.

Das FG gab der hier­ge­gen gerich­te­ten Klage teil­weise statt. Die Ent­schei­dung ist rechts­kräf­tig.

Die Gründe:
Wer­bungs­kos­ten des Klä­gers für die beruf­li­che Nut­zung des Arbeits­zim­mers sind unbe­schränkt in Ansatz zu brin­gen. Die Beschrän­kung der Wer­bungs­kos­ten für das Dienst­zim­mer auf 1.250 € nach § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b EStG fin­det hier keine Anwen­dung, weil der Raum in dem über­wie­gen­den betrieb­li­chen Inter­esse des Arbeit­ge­bers des Klä­gers unter­hal­ten wird und damit kein häus­li­ches Arbeits­zim­mer i.S.d. Abzugs­be­schrän­kung dar­s­tellt. Wei­tere mit der Kla­ge ­gel­tend gemachte Wer­bungs­kos­ten waren nur teil­weise anzu­er­ken­nen.

Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer sowie die Kos­ten sei­ner Aus­stat­tung sind grund­sätz­lich nicht abzieh­bar, es sei denn, für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit steht kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung - dann ist die Höhe der abzieh­ba­ren Auf­wen­dun­gen auf 1.250 € beg­renzt (s.o.) - oder das Arbeits­zim­mer bil­det den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung des Steu­erpf­lich­ti­gen - in die­sem Fall sind die Auf­wen­dun­gen unbe­g­renzt abzieh­bar. Im Streit­fall kommt der begehrte unbe­schränkte Wer­bungs­kos­ten­ab­zug für das Dienst­zim­mer fol­g­lich nur in Betracht, wenn die­ses den Tätig­keits­mit­tel­punkt des Klä­gers bil­det oder bereits dem Begriff des häus­li­chen Arbeits­zim­mers nicht ent­spricht, etwa weil es eine "häus­li­chen Betriebs­stätte" dar­s­tellt oder als Büro des Arbeit­ge­bers zu beur­tei­len ist.

Dies ist vor­lie­gend der Fall. Das Dienst­zim­mer ist als exter­nes Büro des Dienst­herrn zu beur­tei­len und unter­liegt nicht der Rege­lung für häus­li­che Arbeits­zim­mer. Uner­heb­lich ist inso­weit, dass zwi­schen dem Klä­ger und der Forst­be­hörde kein Miet­ver­trag über das Dienst­zim­mer gesch­los­sen wor­den ist und der Klä­ger eine steu­er­f­reie Nut­zungs­ent­schä­d­i­gung erhal­ten hat. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass das Inter­esse des Klä­gers, zur Erle­di­gung büro­mä­ß­i­ger Arbei­ten einen Raum in der eige­nen Woh­nung zur Ver­fü­gung zu haben, von den Belan­gen der Behörde über­la­gert wor­den ist.

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