de en
Nexia Ebner Stolz

Aktuelles

Beteiligungsverlust als Werbungskosten des Arbeitnehmers absetzbar

FG Köln 21.10.2015, 14 K 2767/12

Wer vergeblich versucht, sich durch die Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft einen Vorstandsposten zu sichern, kann die entstandenen Kosten als vorweggenommene Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit abziehen. Voraussetzung ist allerdings, dass diese künftige Erwerbstätigkeit schon hinreichend konkret feststeht.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger ist ange­s­tell­ter Jurist. Er zahlte der A-GmbH 75.000 € für eine 10-Pro­zent-Betei­li­gung an einer noch zu grün­den­den Akti­en­ge­sell­schaft (AG). Im Gegen­zug sollte er bei die­ser AG eine Vor­stands­po­si­tion mit einem jähr­li­chen Brut­to­ge­halt i.H.v. 90.000 € erhal­ten.

In der Folge ver­wen­dete die GmbH das Geld abre­de­wid­rig zur Beg­lei­chung ihrer Schul­den. Dar­auf­hin kam es weder zu einer Betei­li­gung des Klä­gers an der AG, noch zu sei­ner Anstel­lung als Vor­stand. Da die GmbH den Betrag nicht mehr zurück­zah­len konnte, machte der Klä­ger den Ver­lust i.H.v. 75.000 € in sei­ner Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung 2002 gel­tend. Das Finanz­amt ord­nete den Ver­lust der pri­va­ten Ver­mö­gens­e­bene zu und lehnte die Berück­sich­ti­gung ab.

Das FG gab der hier­ge­gen gerich­te­ten Klage statt und erkannte die ver­geb­li­chen Auf­wen­dun­gen des Klä­gers als vor­weg­ge­nom­mene Wer­bungs­kos­ten an. Das Urteil ist nicht rechts­kräf­tig. Die Revi­sion des Finanzamts wird beim BFH unter dem Az. VI R 1/16 geführt.

Die Gründe:
Die von den Klä­gern gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen sind als ver­geb­li­che vor­weg­ge­nom­mene Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten des Klä­gers aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit zu berück­sich­ti­gen (§ 9 Abs. 1 S. 1 und 2, § 19 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 EStG).

Nach § 9 Abs. 1 S. 2 EStG sind Wer­bungs­kos­ten bei der Ein­kunfts­art abzu­zie­hen bei der sie erwach­sen sind. Ste­hen die Auf­wen­dun­gen zu meh­re­ren Ein­kunfts­ar­ten in einem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang, ent­schei­det nach stän­di­ger Recht­sp­re­chung der engere und wirt­schaft­lich vor­ran­gige Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang. Diese Rechts­grund­sätze hat der BFH in stän­di­ger Recht­sp­re­chung in Bezug auf die Frage, ob Bürg­schafts­ver­luste durch das Arbeits­ver­hält­nis ver­an­lasst sind, kon­k­re­ti­siert. Danach spricht umso mehr für eine innere wirt­schaft­li­che Ver­bin­dung zu den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen und damit für nach­träg­li­che Anschaf­fungs­kos­ten einer Betei­li­gung, je höher die Betei­li­gung des Gesell­schaf­ters ist.

Bei einem an der Gesell­schaft in nur sehr gerin­gem Umfang betei­lig­ten Arbeit­neh­mer, der eine Bürg­schaft für sei­nen Arbeit­ge­ber über­nimmt, gilt dies als Indiz dafür, dass die Bürg­schafts­über­nahme durch das Arbeits­ver­hält­nis ver­an­lasst ist. Dies gilt erst recht, wenn der Arbeit­neh­mer an der Gesell­schaft über­haupt nicht betei­ligt ist und durch die Bürg­schafts­über­nahme keine wei­te­ren Ein­künfte erzielt und dem­ent­sp­re­chend damit aus­sch­ließ­lich seine Lohn­ein­künfte zu sichern und zu erhal­ten sucht. Nichts ande­res gilt im Grund­satz auch dann, wenn der Arbeit­neh­mer an sei­nem Arbeit­ge­ber noch nicht gesell­schafts­recht­lich betei­ligt ist, aber eine sol­che Betei­li­gung anst­rebt. Denn es ist grund­sätz­lich nicht aus­ge­sch­los­sen, dass ein Erwerbsauf­wand nicht durch eine schon tat­säch­lich gege­bene und gegen­wär­tig aus­ge­übte Tätig­keit, son­dern durch eine zunächst nur ange­st­rebte andere Erwerb­s­tä­tig­keit über­wie­gend ver­an­lasst ist.

Der­ar­tige Auf­wen­dun­gen kön­nen als vorab ent­stan­dene (vor­weg­ge­nom­mene) Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar sein. Das setzt aller­dings stets vor­aus, dass diese künf­tige Erwerb­s­tä­tig­keit schon hin­rei­chend kon­k­ret fest­steht. Vor­lie­gend beste­het ein hin­rei­chend enger Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang zwi­schen den Auf­wen­dun­gen für den fehl­ge­schla­ge­nen Betei­li­gung­s­er­werb und den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit. Dem Klä­ger ging es im Wesent­li­chen darum, eine adäquate nicht­selb­stän­dige Arbeit zu fin­den und ein regel­mä­ß­i­ges Gehalt zu gene­rie­ren. Die geplante Kapi­tal­be­tei­li­gung an der AG tritt dahin­ter zurück.

Link­hin­weis:

nach oben