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Umsatzsteuerliche To Dos in Sachen Brexit

Mit dem Vollzug des Brexits werden umfassende Änderungen im Bereich der Umsatzsteuer eintreten. Dann findet nämlich das gemeinsame Mehrwertsteuersystem der EU in Großbritannien keine Anwendung mehr.

Umsatzsteuerliche To Dos in Sachen Brexit © Unsplash

Für Unter­neh­men ergibt sich ins­be­son­dere in fol­gen­den Berei­chen Anpas­sungs­be­darf:

  • Da die an bri­ti­sche Unter­neh­men ver­ge­be­nen Umsatz­steuer-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mern nicht mehr gül­tig sein wer­den, benö­t­i­gen inlän­di­sche Unter­neh­mer einen ande­ren Nach­weis der Unter­neh­mer­ei­gen­schaft ihrer bri­ti­schen Geschäft­s­part­ner.
  • Nach Voll­zug des Bre­x­its lie­gen keine inn­er­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­run­gen nach Großbri­tan­nien mehr vor. Diese kön­nen allen­falls als Aus­fuhr­lie­fe­run­gen mit den ent­sp­re­chen­den Nach­weispf­lich­ten umsatz­steu­er­f­rei sein. In die­sem Zusam­men­hang ent­fal­len dann jedoch die ent­sp­re­chen­den Berichtspf­lich­ten in der zusam­men­fas­sen­den Mel­dung und bei Intras­tat. Sta­tis­ti­sche Mel­dun­gen erfol­gen dann ggf. über ent­sp­re­chende Zoll­mel­dun­gen.
  • Waren aus Großbri­tan­nien stel­len nach dem EU-Aus­tritt keine inn­er­ge­mein­schaft­li­chen Erwerbe mehr dar, son­dern unter­lie­gen der Ein­fuhr­um­satz­steuer.
  • Emp­fan­gen deut­sche Unter­neh­mer sons­tige Leis­tun­gen von bri­ti­schen Unter­neh­mern, bleibt es im Grund­fall beim Emp­fän­ger­ort­s­prin­zip und damit bei der Umkehr der Steu­er­schuld­ner­schaft (Reverse-Charge-Ver­fah­ren). Wie sons­tige Leis­tun­gen von deut­schen Unter­neh­mern an bri­ti­sche Unter­neh­mer zukünf­tig behan­delt wer­den, hängt von der Aus­ge­stal­tung der neuen bri­ti­schen Vor­schrif­ten ab. Nahe­lie­gend ist, dass es auch hier bei der Umkehr der Steu­er­schuld­ner­schaft (Reverse-Charge-Ver­fah­ren) blei­ben wird. Die Mel­depf­lich­ten über die zusam­men­fas­sende Mel­dung wer­den aber ent­fal­len.
  • Ggf. gibt es zusätz­li­che Regi­s­trie­rungspf­lich­ten für deut­sche Unter­neh­mer, die in Großbri­tan­nien bei der Aus­füh­rung von Wer­k­lie­fe­run­gen oder im Ver­sand­han­del zu beach­ten sind.
  • Wer­den Leis­tun­gen an Nicht­un­ter­neh­mer in Großbri­tan­nien aus­ge­führt, die in Großbri­tan­nien der Umsatz­be­steue­rung unter­lie­gen, kön­nen diese Umsätze zwar nicht mehr in das regu­läre für Unter­neh­mer aus dem EU-Aus­land gel­tende Mini-one-stop-shop-Ver­fah­ren (Moss-Ver­fah­ren) ein­be­zo­gen wer­den. Mit dem sog. Jahres­steu­er­ge­setz 2018 wurde jedoch das Moss-Ver­fah­ren mit Wir­kung ab 1.1.2019 auch für Unter­neh­mer aus Nicht-EU-Staa­ten geöff­net. Diese Rege­lun­gen gel­ten somit nach Voll­zug des Aus­tritts auch in Bezug auf Großbri­tan­nien.
  • Vor­steu­er­ver­gü­tung­s­an­träge kön­nen nicht mehr auf Basis der EU-Rege­lun­gen beim Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern elek­tro­nisch ein­ge­reicht wer­den. Es gel­ten viel­mehr die Rege­lun­gen für Unter­neh­mer in Nicht-EU-Staa­ten, so dass sich u. a. die Antrags­frist von bis­lang neun auf sechs Monate nach Ablauf des Kalen­der­jah­res ver­kürzt.
  • Da sons­tige Leis­tun­gen und Lie­fe­run­gen zukünf­tig in ande­ren Zei­len in den Umsatz­steuer-Vor­an­mel­dun­gen und der Umsatz­steuer-Jah­re­s­er­klär­ung zu mel­den sind, wer­den auch EDV-tech­ni­sche Anpas­sun­gen bei den für bri­ti­sche Unter­neh­men gespei­cher­ten Stamm­da­ten not­wen­dig sein.


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