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Was bedeutet der Brexit für die Rechnungslegung?

Das Vereinigte Königreich ist zum 1.2.2020 aus der EU ausgetreten. Das hat auch Auswirkungen auf die Finanzberichterstattung.

Der bis­he­rige Aus­tritt­s­pro­zess des Ver­ei­nig­ten Kön­ig­reichs aus der EU hat seit 2016 zu deut­li­chen Wech­sel­kurs­schwan­kun­gen des bri­ti­schen Pfunds geführt, die auch aktu­ell vor dem Hin­ter­grund eines immer wahr­schein­li­cher wer­den­den "har­ten" Bre­x­its andau­ern und in der Rech­nungs­le­gung zu berück­sich­ti­gen sind. Nach § 256a HGB sind For­de­run­gen und Ver­bind­lich­kei­ten in Fremd­wäh­rung mit dem Kurs am Bilanz­stich­tag umzu­rech­nen. 

Ralf Tenzer, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Ebner Stolz, Kronenstraße 30, 70174 Stuttgart© Ralf Tenzer Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei Ebner Stolz in Stuttgart
Die Ent­wick­lung des bri­ti­schen Pfunds kann daher im Jah­res­ab­schluss zu Kurs­ver­lus­ten füh­ren, wodurch das Ergeb­nis belas­tet wird. Eine wäh­rungs­be­dingte Wert­min­de­rung ist nach DRS 25 (Wäh­rung­s­um­rech­nung im Kon­zern­ab­schluss) unab­hän­gig davon zu erfas­sen, ob diese vor­aus­sicht­lich dau­ernd oder nur vor­über­ge­hend ist. DRS 25 ist grund­sätz­lich nur für den Kon­zern­ab­schluss verpf­lich­tend anzu­wen­den, aller­dings wird die Anwen­dung im Ein­zel­ab­schluss emp­foh­len. Für steu­er­li­che Zwe­cke ist eine Teil­wert­ab­sch­rei­bung zu berück­sich­ti­gen, sofern es sich um nach­hal­tige Wech­sel­kurs­ver­luste han­delt. (Ralf Ten­zer)

Dar­über hin­aus kön­nen sich im Ver­lauf der Bre­xit-Ver­hand­lun­gen schon bis­her Aus­wir­kun­gen auf ein­zelne Bilanz­pos­ten in der Rech­nungs­le­gung erge­ben haben:

  • Erhöh­ter Abwer­tungs­be­darf bei Ver­mö­gens­ge­gen­stände des Anlage- und Umlauf­ver­mö­gens, z. B. infolge von Restruk­tu­rie­rungs­ent­schei­dun­gen, ver­än­der­ten Pro­dukt­le­bens­zy­k­len, ver­än­der­ten Nut­zungs­mög­lich­kei­ten von Lizen­zen,
  •  Erhöh­ter Rück­stel­lungs­be­darf, z. B. Restruk­tu­rie­rungs­rück­stel­lun­gen infolge der Ver­la­ge­rung/Sch­lie­ßung von Betriebs­stät­ten oder Toch­ter­ge­sell­schaf­ten, Droh­ver­lu­st­rück­stel­lun­gen infolge von Zol­ler­he­bun­gen ohne Preis­an­pas­sungs­mög­lich­keit.

Im Rah­men des Lage­be­richts sind wesent­li­che Aus­wir­kun­gen des Bre­x­its auf das Unter­neh­men (v. a. im Prog­nose-, Chan­cen-, Risi­kobe­richt) dar­zu­s­tel­len. Ins­be­son­dere vor dem Hin­ter­grund eines der­zeit wie­der mög­li­chen "har­ten" Bre­x­its sind beste­hende Sze­na­rien/Pla­nun­gen ggf. anzu­pas­sen bzw. zu aktua­li­sie­ren.

Zwar ist das Ver­ei­nigte Kön­ig­reich zum 1.2.2020 aus der EU aus­ge­t­re­ten. Inn­er­halb der in Art. 126 des Aus­tritts­ab­kom­mens gere­gel­ten Über­gangs­phase bis 31.12.2020, in der das EU-Recht im und gegen­über dem Ver­ei­nig­ten Kön­ig­reich grund­sätz­lich wei­ter gilt, erge­ben sich zunächst ein­mal keine unmit­tel­ba­ren han­dels­recht­li­chen Fol­gen.

Nach Ablauf der Über­gangs­phase erge­ben sich ggf. Aus­wir­kun­gen auf han­dels­recht­li­che Erleich­te­rungs- bzw. Bef­rei­ungs­vor­schrif­ten, da diese regel­mä­ßig nur für Unter­neh­men mit Sitz in einem EU-Mit­g­lied­staat oder in einem Ver­trags­staat des EWR gel­ten, z. B.:

  • keine Inan­spruch­nahme der Erleich­te­run­gen von § 264 Abs. 3 HGB bei Ein­be­zie­hung in den Kon­zern­ab­schluss eines bri­ti­schen Mut­ter­un­ter­neh­mens,
  • keine bef­rei­ende Wir­kung von Kon­zern­ab­schlüs­sen eines bri­ti­schen Mut­ter­un­ter­neh­mens nach § 291 Abs. 1 Satz 1 HGB (Hin­weis: Ggf. ist ein bef­rei­en­der Kon­zern­ab­schluss nach § 292 HGB mög­lich).
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