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Nexia Ebner Stolz

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Arbeiten in UK nach dem Brexit?

Das Vereinigte Königreich hat die EU zum 1.2.2020 verlassen. Was bedeutet das für Deutsche und Bürger anderer EU-Staaten, die derzeit auf der Insel arbeiten? Werden deutsche Unternehmen künftig auf Entsendungen dorthin verzichten?

Dazu steht uns Sten Gün­sel Rede und Ant­wort, der sich schwer­punkt­mä­ßig mit Ent­sen­dun­gen und Aus­lands­au­f­ent­hal­ten von Mit­ar­bei­tern deut­scher Unter­neh­men sowie Mit­ar­bei­te­r­ein­sät­zen aus­län­di­scher Unter­neh­men im Inland befasst.

Sten Günsel als Mitglied in das Nexia EMEA Tax Committee gewählt © Sten Günsel, Ebner Stolz

Herr Gün­sel, Sie bet­reuen zahl­rei­che deut­sche Unter­neh­men, deren Mit­ar­bei­ter im Aus­land tätig sind, sei es für eine mehr­jäh­rige Ent­sen­dung oder auch nur für Kurz­ein­sätze. Wie sieht das bis­lang bei Mit­ar­bei­te­r­ein­sät­zen im Ver­ei­nig­ten Kön­ig­reich aus? Wel­che auf­ent­halts- und arbeits­recht­li­chen Vor­ga­ben sind da zu beach­ten?

In UK als Mit­g­lied der Euro­päi­schen Union gilt die Arbeit­neh­mer­f­rei­zü­g­ig­keit. EU-Bür­ger kön­nen sich damit unge­hin­dert im Ver­ei­nig­ten Kön­ig­reich bewe­gen und dort auch beruf­lich tätig sein. Ein­zig aus Grün­den des Nach­wei­ses, dass ein Arbeit­neh­mer in sei­nem Hei­mat­staat in einem Sozial­ver­si­che­rungs­sys­tem ver­si­chert ist, ist eine sog. A1-Beschei­ni­gung mit­zu­füh­ren. Diese ist vor Antritt des Aus­land­s­ein­sat­zes elek­tro­nisch zu bean­tra­gen. Zudem sind aus arbeits­recht­li­chen Grün­den die Ein­satz­be­din­gun­gen zu doku­men­tie­ren, es sei denn, es han­delt sich ledig­lich um eine Dien­st­reise.

Und damit ist dann seit 1.2.2020 Schluss? Ist dann eine Auf­ent­halts- und Arbeit­s­er­laub­nis für Großbri­tan­nien und Nord­ir­land erfor­der­lich?

Für Uni­ons­bür­ger und bri­ti­sche Staat­s­an­ge­hö­rige, die sich zum Ende der Über­gangs­frist des Aus­tritts­ab­kom­mens, also zum 31.12.2020, im Ein­klang mit den EU-recht­li­chen Vor­ga­ben im jeweils ande­ren Gebiet auf­hal­ten, wird das Auf­ent­halts­recht grund­sätz­lich auf­rech­t­er­hal­ten. Erfor­der­lich ist damit für die Ein- und Aus­reise wie bis­lang ledig­lich, dass ein gül­ti­ger Per­so­nal­aus­weis oder Rei­se­pass mit­ge­führt wird. Das Recht auf Dau­er­au­f­ent­halt - was aber bei Ent­sen­dun­gen regel­mä­ßig nicht rele­vant ist - wird hin­ge­gen nur dann gewährt, wenn bereits ein recht­mä­ß­i­ger Auf­ent­halt von fünf Jah­ren vor­liegt. Ent­sp­re­chend bleibt für Uni­ons­bür­ger und bri­ti­sche Staat­s­an­ge­hö­rige, die sich zum 31.12.2020 recht­mä­ßig im jeweils ande­ren Gebiet auf­hal­ten, die Mög­lich­keit beste­hen, zu arbei­ten. Sofern die Über­gangs­frist des Aus­tritts­ab­kom­mens nicht ver­län­gert wird - was bis zu zwei Jah­ren mög­lich wäre -, gilt dies für Ein­rei­sen ab 1.1.2021 nicht mehr. Es bleibt abzu­war­ten, ob und wel­che Res­trik­tio­nen es geben wird. Diese wer­den nicht kurz­fris­tig, son­dern eher mit­tel­fris­tig zu erwar­ten sein.

Also ändert sich für Ent­sen­dun­gen, z. B. aus Deut­sch­land auf die Insel, zunächst nichts?

Da letzt­lich doch noch ein Aus­tritts­ab­kom­men zustande gekom­men ist, in 2020 noch nicht. Denn sozial­ver­si­che­rungs­recht­lich sind die beste­hen­den EU-recht­li­chen Har­mo­ni­sie­rungs­re­geln auf Uni­ons­bür­ger und bri­ti­sche Staat­s­an­ge­hö­rige wei­ter­hin anzu­wen­den, die zum Zeit­punkt des Endes der im Aus­tritts­ab­kom­men vor­ge­se­he­nen Über­gangs­frist, also zum 31.12.2020, den sozial­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Rechts­vor­schrif­ten des ande­ren Staa­tes unter­lie­gen. Bei Ent­sen­dun­gen ab 2021 wird man dann aber vor­aus­sicht­lich auf ein altes Sozial­ver­si­che­rungs­ab­kom­men zurück­g­rei­fen müs­sen, sofern hier keine neue Rege­lung getrof­fen wird. For­mell ist ab 1.1.2021 nicht mehr eine A1-Beschei­ni­gung, son­dern ein D-UK-101 Zer­ti­fi­kat zum Nach­weis des Sozial­ver­si­che­rungs­schut­zes zu bean­tra­gen. Zudem müs­sen die Unter­neh­men prü­fen, ob sie bei regel­mä­ß­i­ger oder län­ger­fris­ti­ger Akti­vi­tät eine recht­li­che Ein­heit benö­t­i­gen, z. B. eine Toch­ter­ge­sell­schaft, Zweig­nie­der­las­sung oder Reprä­sen­tanz.

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