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Autokauf: Widerrufsinformationen in Verbraucherdarlehensverträgen

BGH v. 5.11.2019 - XI ZR 650/18 u.a.

Die nach Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 2 EGBGB mit­zu­tei­lende An­gabe ei­nes zu zah­len­den Zins­be­trags in der In­for­ma­tion über die Wi­der­rufs­fol­gen bei einem zur Fi­nan­zie­rung ei­nes Kfz-Er­werbs ge­schlos­se­nen Dar­le­hens­ver­trag ist auch dann klar und verständ­lich, wenn sie mit 0,00 € an­ge­ge­ben wird. Dies wird von einem nor­mal in­for­mier­ten, an­ge­mes­sen auf­merk­sa­men und verständi­gen Ver­brau­cher, auf den ab­zu­stel­len ist, da­hin ver­stan­den, dass im Falle des Wi­der­rufs keine Zin­sen zu zah­len sind. Eine sol­che Re­ge­lung be­geg­net kei­nen recht­li­chen Be­den­ken. Nach § 361 Abs. 2 Satz 1 BGB darf von den halb­zwin­gen­den ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen über die Wi­der­rufs­fol­gen zu Guns­ten des Ver­brau­chers ab­ge­wi­chen wer­den.

Der Sach­ver­halt:
Die Par­teien strei­ten je­weils um die Wirk­sam­keit des Wi­der­rufs der auf Ab­schluss von Ver­brau­cher­dar­le­hens­verträgen ge­rich­te­ten Wil­lens­erklärun­gen der Kläger. Die Kläger bei­der Ver­fah­ren er­war­ben je­weils ein Kraft­fahr­zeug. Zu­gleich schlos­sen sie zur Fi­nan­zie­rung des über die ver­ein­bar­ten An­zah­lun­gen hin­aus­ge­hen­den Kauf­preis­teils im Mai 2016 (XI ZR 650/18) bzw. Juli 2013 (XI ZR 11/19) mit den je­wei­li­gen Ban­ken Dar­le­hens­verträge zu einem ge­bun­de­nen Soll­zins­satz von 3,92 % p.a. und ei­ner fes­ten Lauf­zeit. Die Dar­le­hens­ver­trags­un­ter­la­gen ent­hiel­ten eine Wi­der­rufs­in­for­ma­tion, in der u.a. für den Fall des Wi­der­rufs über des­sen Fol­gen in­for­miert wird. Dort heißt es in­halts­gleich:

"So­weit das Dar­le­hen be­reits aus­be­zahlt wurde, ha­ben Sie es spätes­tens in­ner­halb von 30 Ta­gen zurück­zu­zah­len und für den Zeit­raum zwi­schen der Aus­zah­lung und der Rück­zah­lung des Dar­le­hens den ver­ein­bar­ten Soll­zins zu ent­rich­ten. Die Frist be­ginnt mit der Ab­sen­dung der Wi­der­rufs­erklärung. Für den Zeit­raum zwi­schen Aus­zah­lung und Rück­zah­lung ist bei vollständi­ger In­an­spruch­nahme des Dar­le­hens pro Tag ein Zins­be­trag i.H.v. 0,00 € zu zah­len. Die­ser Be­trag ver­rin­gert sich ent­spre­chend, wenn das Dar­le­hen nur teil­weise in An­spruch ge­nom­men wurde."

Die je­wei­li­gen Ver­trags­un­ter­la­gen ent­hal­ten kei­nen ausdrück­li­chen Hin­weis dar­auf, dass der Dar­le­hens­ver­trag außer­or­dent­lich un­ter den in § 314 BGB ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen gekündigt wer­den kann. Hin­sicht­lich ei­ner der Bank zu zah­len­den Vorfällig­keits­ent­schädi­gung im Falle der vor­zei­ti­gen Rück­zah­lung des Dar­le­hens heißt es in den Ver­trags­un­ter­la­gen, dass sich diese nach den vom BGH "vor­ge­schrie­be­nen fi­nanz­ma­the­ma­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen" be­rechne, wo­bei ein­zelne bei der Be­rech­nung zu berück­sich­ti­gende Pa­ra­me­ter auf­geführt wer­den. Dar­ge­stellt sind fer­ner die ge­setz­li­chen Höchst­gren­zen der Vorfällig­keits­ent­schädi­gung. Nach Er­brin­gung von Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen erklärten die je­wei­li­gen Kläger im Jahr 2017 den Wi­der­ruf ih­rer auf den Ab­schluss der Dar­le­hens­verträge ge­rich­te­ten Wil­lens­erklärun­gen. Sie mei­nen, die Ver­trags­un­ter­la­gen ent­hiel­ten nicht alle für das An­lau­fen der 14-tägi­gen Wi­der­rufs­frist vor­ge­schrie­be­nen An­ga­ben, weil nicht bzw. nicht hin­rei­chend klar und verständ­lich über die Wi­der­rufs­fol­gen, die Me­thode zur Be­rech­nung der Vorfällig­keits­ent­schädi­gung und das außer­or­dent­li­che Kündi­gungs­recht nach § 314 BGB in­for­miert wor­den sei. Auf­grund des wirk­sa­men Wi­der­rufs des Dar­le­hens­ver­trags seien sie auch an den Kauf­ver­trag über das Kraft­fahr­zeug nicht mehr ge­bun­den.

LG und OLG wie­sen die u.a. auf Rück­zah­lung von Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen ge­rich­te­ten Kla­gen ab. Die Re­vi­sio­nen der Kläger hat­ten vor dem BGH kei­nen Er­folg.

Die Gründe:
Die Wi­der­rufs­in­for­ma­tio­nen sind ord­nungs­gemäß und auch die er­for­der­li­chen Pflicht­an­ga­ben sind er­teilt wor­den, so dass in bei­den Ver­fah­ren die zweiwöchige Wi­der­rufs­frist in Lauf ge­setzt wor­den ist und die je­wei­li­gen Kläger ihr Wi­der­rufs­recht nicht frist­ge­recht ausgeübt ha­ben.

Die nach Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 2 EGBGB mit­zu­tei­lende An­gabe ei­nes zu zah­len­den Zins­be­trags in der In­for­ma­tion über die Wi­der­rufs­fol­gen ist auch dann klar und verständ­lich, wenn sie mit 0,00 € an­ge­ge­ben wird. Dies wird von einem nor­mal in­for­mier­ten, an­ge­mes­sen auf­merk­sa­men und verständi­gen Ver­brau­cher, auf den ab­zu­stel­len ist, da­hin ver­stan­den, dass im Falle des Wi­der­rufs keine Zin­sen zu zah­len sind. Eine sol­che Re­ge­lung be­geg­net kei­nen recht­li­chen Be­den­ken. Nach § 361 Abs. 2 Satz 1 BGB darf von den halb­zwin­gen­den ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen über die Wi­der­rufs­fol­gen zu Guns­ten des Ver­brau­chers ab­ge­wi­chen wer­den.

Über das außer­or­dent­li­che Kündi­gungs­recht nach § 314 BGB muss nicht in­for­miert wer­den. Dies gehört nicht zu den An­ga­ben über das ein­zu­hal­tende Ver­fah­ren bei der Kündi­gung des Ver­trags nach Art. 247 § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 EGBGB. Viel­mehr be­zieht sich diese Vor­schrift nur auf das - in der Ver­brau­cher­kre­dit­richt­li­nie 2008/48/EG vor­ge­se­hene - Kündi­gungs­recht nach § 500 Abs. 1 BGB.

Die nach Art. 247 § 7 Abs. 1 Nr. 3 EGBGB er­for­der­li­chen In­for­ma­tio­nen zu den Vor­aus­set­zun­gen und der Be­rech­nungs­me­thode für den An­spruch auf Vorfällig­keits­ent­schädi­gung sind ord­nungs­gemäß er­teilt wor­den. Im Hin­blick auf eine hin­rei­chende Trans­pa­renz und Nach­voll­zieh­bar­keit der Be­rech­nungs­me­thode genügt es, wenn der Dar­le­hens­ge­ber die für die Be­rech­nung der Vorfällig­keits­ent­schädi­gung we­sent­li­chen Pa­ra­me­ter in gro­ben Zügen be­nennt. Dem­ge­genüber be­darf es nicht der Dar­stel­lung ei­ner fi­nanz­ma­the­ma­ti­schen Be­rech­nungs­for­mel, weil eine sol­che zu Klar­heit und Verständ­lich­keit nichts beitrüge.

Schließlich war auch die In­for­ma­tion über den Ver­zugs­zins­satz und die Art und Weise sei­ner et­wai­gen An­pas­sung nach Art. 247 § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i.V.m. § 3 Abs. 1 Nr. 11 EGBGB nicht zu be­an­stan­den. So­weit den Klägern der zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses gel­tende kon­krete Pro­zent­satz des Ver­zugs­zin­ses nicht mit­ge­teilt wor­den ist, war dies un­schädlich. We­gen der halbjähr­li­chen Veränder­bar­keit des Ba­sis­zins­sat­zes und der da­mit ver­bun­de­nen Be­deu­tungs­lo­sig­keit des Ver­zugs­zins­sat­zes bei Ver­trags­schluss be­durfte es des­sen nicht.

Link­hin­weis:

  • Die Voll­texte der Ent­schei­dun­gen wer­den demnächst auf den Web­sei­ten des BGH veröff­ent­licht.
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