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Aufwendungen für Telearbeitsplatz einer Alleinerziehenden nur eingeschränkt steuerlich absetzbar

FG Rheinland-Pfalz 11.8.2015, 3 K 1544/13

Aufwendungen für einen häuslichen Telearbeitsplatz können auch von einer alleinerziehenden Mutter nur eingeschränkt steuerlich geltend gemacht werden. Schließlich hat der Gesetzgeber speziell für Alleinerziehende eine Steuervergünstigung geschaffen (Entlastungsbetrag für Alleinerziehende nach § 24 b EStG).

Der Sach­ver­halt:
Die Klä­ge­rin wohnt im Land­kreis Bern­kas­tel-Witt­lich und ist bei einer Ver­wal­tungs­be­hörde beschäf­tigt. Nach ihrer Schei­dung hatte sie mit ihrem Arbeit­ge­ber eine Ver­ein­ba­rung über Tele­ar­beit getrof­fen, um wei­ter­hin in Voll­zeit arbei­ten und den­noch ihren min­der­jäh­ri­gen Sohn zu Hause bet­reuen zu kön­nen. Danach musste sie nur vor­mit­tags im Büro anwe­send sein und konnte am Nach­mit­tag zu Hause arbei­ten. Dort nutzte sie ihre pri­vate Büro­ein­rich­tung, ihr Arbeit­ge­ber stellte nur das Ver­brauchs­ma­te­rial (Papier, Tin­ten­pa­tro­nen für den Dru­cker, Dis­ket­ten, Soft­ware usw.) zur Ver­fü­gung und erstat­tete ihr die dienst­lich not­wen­di­gen Tele­fon-, Fax- und Inter­net­kos­ten.

In ihrer Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung für das Streit­jahr 2011 machte die Klä­ge­rin die Auf­wen­dun­gen für ihren Tele­ar­beits­platz von rund 1.518 € als Kos­ten eines häus­li­chen Arbeits­zim­mers gel­tend. Das Finanz­amt ver­sagte aller­dings den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug. Es war der Ansicht, dass der Klä­ge­rin auch im Ver­wal­tungs­ge­bäude ihres Arbeit­ge­bers ein Arbeits­platz zur Ver­fü­gung stehe.

Das FG wies die hier­ge­gen gerich­tete Klage ab. Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

Die Gründe:
Laut BFH-Recht­sp­re­chung sind Auf­wen­dun­gen für einen Tele­ar­beits­platz im häus­li­chen Arbeits­zim­mer nur dann abzugs­fähig, wenn dem Arbeit­neh­mer ansons­ten kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht. Im vor­lie­gen­den Fall stand der Klä­ge­rin aller­dings nicht nur vor­mit­tags, son­dern auch an den Nach­mit­ta­gen ein ande­rer Arbeits­platz in den Räum­lich­kei­ten ihres Arbeit­ge­bers zur Ver­fü­gung.

Die Klä­ge­rin hatte selbst ein­ge­räumt, dass es ihr nicht unter­sagt war, ihren dienst­li­chen Arbeits­platz auch nach­mit­tags wei­ter­hin zu nut­zen. Die Nut­zung des Arbeits­plat­zes war auch nicht des­halb ein­ge­schränkt, weil ihn im Bedarfs­fall bzw. in Zei­ten beste­hen­der Raum­not auch andere Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen genutzt hat­ten. Dar­aus ließ sich näm­lich nicht her­lei­ten, dass der Arbeits­platz auch dann einer ande­ren Kol­le­gin bzw. einem ande­ren Kol­le­gen zur Ver­fü­gung ges­tellt wor­den wäre, wenn sie - die Klä­ge­rin - ihn selbst hätte nut­zen wol­len. Auch der Ein­wand der Klä­ge­rin, sie arbeite zu Hause (auch) außer­halb der Dienst­zei­ten, hatte kei­nen Erfolg. Denn es reichte aus, dass sie ihren Arbeits­platz zu den übli­chen Büro­zei­ten nut­zen konnte, wenn sie dies gewollt hätte.

Dass die Klä­ge­rin allein­er­zie­hende Mut­ter ist und ihren dienst­li­chen Arbeits­platz wegen der Kin­der­be­t­reu­ung nicht nut­zen kann, ist steu­er­recht­lich grund­sätz­lich unbe­acht­lich. Dabei han­delt es sich näm­lich um pri­vate Gründe, auch wenn Ehe und Fami­lie ver­fas­sungs­recht­lich geschützt sind. Sch­ließ­lich hat der Gesetz­ge­ber spe­zi­ell für Allein­er­zie­hende eine Steu­er­ver­güns­ti­gung geschaf­fen (Ent­las­tungs­be­trag für Allein­er­zie­hende nach § 24 b EStG). Diese För­de­rung, die auch die Klä­ge­rin erhal­ten hat, ist aus­rei­chend, so dass keine ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken gegen die Abzugs­be­schrän­kung für das häus­li­che Arbeits­zim­mer ersicht­lich waren.

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